Am 3. August 2026 ist der 26. Band der Julia-Durant-Reihe von Andreas Franz und Daniel Holbe erschienen. „Unter Toten“, so der Titel, kommt in einer Taschenbuchvariante von 448 Seiten daher.

Im Mittelpunkt steht erneut die Frankfurter Kommissarin Julia Durant. Nach dem Tod des Rentners Heinrich Voss werden auf dessen Grundstück menschliche Überreste entdeckt. Schnell entsteht der Verdacht, dass Voss über Jahrzehnte hinweg unerkannt als Serienmörder tätig gewesen sein könnte.

Besonders interessant ist dabei die Verbindung zu Durants Vergangenheit: Die Ermittlungen führen zurück ins Jahr 1992, als Julia Durant noch bei der Sitte arbeitete und gerade von München nach Frankfurt gekommen war. Ein damaliger Vermisstenfall scheint mit den aktuellen Funden zusammenzuhängen. Damit kombiniert der Roman einen aktuellen Fall mit einer Cold-Case-Ermittlung, die zugleich ein Stück von Durants eigener Vorgeschichte erzählt.

Unter Toten von Andreas Franz und Daniel Holbe (© Droemer Knaur)
Unter Toten von Andreas Franz und Daniel Holbe © Droemer Knaur

Auch diesmal bleibt der Roman den vertrauten Zutaten der Serie treu: ein grausamer Mordfall, eine hartnäckige Ermittlerin und ein Blick in die Abgründe der Frankfurter Gesellschaft. Gleichzeitig versucht Holbe, der mittlerweile sehr umfangreichen Serienhandlung durch einen ungewöhnlich starken Blick in Julia Durants Vergangenheit neue Impulse zu geben.

Gerade diese Verbindung von Gegenwartshandlungen und den retrospektiven Passagen, die uns immer mal wieder in das Jahr 1992 führen, gehören für mich zu den stärksten Elementen des Romans. Holbe nutzt den aktuellen Fall nicht ausschließlich, um einen weiteren Serienmörder zu präsentieren, sondern gibt Julia Durant die Möglichkeit, noch einmal auf die Anfänge ihrer Karriere zurückzublicken. Dadurch bekommt die inzwischen seit Jahrzehnten bekannte Ermittlerin zusätzliche Facetten. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr die Erfahrungen aus ihrer Anfangszeit sie geprägt haben. Und auch als Leserschaft lernen wir sie nochmals etwas besser kennen.

Durch den Wechsel wird immer mal wieder das Tempo herausgenommen. Gleichzeitig kann Julia Durant den mentalen Besuch im Jahr 1992 als Input nutzen für den aktuellen Fall. Das bedeutet allerdings nicht, dass „Unter Toten“ langweilig wäre. Holbe erzählt gewohnt flüssig und hält die Handlung insgesamt gut zusammen. Gerade die Frage, wie die Ereignisse aus dem Jahr 1992 mit den aktuellen Morden zusammenhängen, sorgt dafür, dass man wissen möchte, wie sich die einzelnen Puzzleteile am Ende zusammenfügen.

Als Leser lernt man zwei Durant-Varianten kennen. Zugleich gibt der Roman aber auch den Hinweis, dass es wieder Änderungen geben könnte und sicherlich wird. Alleine schon wegen Uwes Handlungen. Ein Stück anders ist dieses Werk allerdings schon. Und das ist auch gut. Kein Schema, das abgearbeitet und immer wieder genutzt wird, sondern auch mal etwas anderes. Spannung ist dennoch vorhanden – oder gerade deshalb.

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Oliver Lippert
Autor ("Kaleidoskop - Abschnitt 1 -", "Kaleidoskop - Abschnitt 2 -") und Rezensent. Mehr hier: https://linktr.ee/OliverLippert
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