Und schon war ein Jahr rum und es hieß: Rockharz!
Mittwoch, 01.07.26
Dank Stau auf den deutschen Straßen hieß es für mich: „Wer später kommt, darf eher gehen.“ Die Anreise auf den letzten Metern nach Ballenstedt war perfekt und entspannt und es gab ausreichend Parkplätze für Tagesgäste und Presse. Fettes Lob an den Veranstalter!
Im folgenden Bericht konzentriere ich mich mehr auf das Erlebnis des Festivals als auf komplette Setlists. Diese findet ihr an genug anderen Stellen im Netz.
Ich kam zu den letzten Tönen von Paradise Lost auf den Platz. Die Band füllte den Platz mit einer herrlich traurig-schaurigen Stimmung.
Direkt danach gab es Black Label Society. Die Band um Zakk Wylde, den viele als Gitarristen von Ozzy Osbourne kennen, kam erst nach einem langen Intro, unter anderem mit Gesang von Ozzy, auf die Bühne. Was soll man sagen, Zakk ist einfach Metal! Es gab große Posen, tolle Stimmung und ein virtuoses Gitarrenspiel. Trotzdem war die Stimmung sehr entspannt.
Nach den ersten drei Songs musste ich erst mal etwas zu essen finden. Die Auswahl war wie jedes Jahr groß und wie immer gab es für alle etwas. Von klassischen Ostgerichten über Fleisch bis vegan – es war alles dabei.
Um 22:00 Uhr folgte dann auch schon der Höhepunkt des Tages – Helloween. Der Tourtruck der Band thronte bereits am Eingang des Festivals und bewarb die 40-Jahre-Jubiläumsshow. Die Band mit ihren aktuell beiden großartigen Sängern (Michael Kiske und Andy Deris) heizte uns ab den ersten Tönen direkt ein. Da war die Kälte, die auf den Platz kroch, schon direkt vergessen. Bereits als viertes Lied hauten sie den Kracher Future World raus. Der Platz tobte und das Licht flackerte nur so auf der Bühne. Nach knapp einer Stunde konnte man sich dann erst mal bei einem Schlagzeugsolo entspannen, bevor es den Megahit I Want Out gab. Danach legte sich der Platz so langsam und auch ich trat langsam den Rückzug an. Insgesamt ein toller Auftakt für den ersten Tag des Festivals.
Donnerstag, 02.07.26
Der Plan war die ganze Zeit, dass der zweite Tag des Festivals mit Abstand der längste werden sollte. Warum? Jepp, Stahlmann! Ich kannte die Band schon seit den Anfangsjahren in Göttingen. Ich war sozusagen dabei, als der kleine Stahlmann laufen lernte. Also ging es bereits gegen 14:30 Uhr auf den Platz. Es war glühend heiß und nur ein leichter Wind sorgte für etwas Abkühlung.
Hagane spielten mit voller Girlpower die letzten Takte und dann kamen auch schon Martin (Soer) und seine Kumpanen auf die Bühne. Die Show war düster und poppig. Bereits als zweite Nummer gab es den Kracher Adrenalin und es regnete Benzin. Naja, das waren die Reste der Flammenwerfer, die vor der Bühne gezündet wurden. Direkt darauf folgte Hass Mich und das Publikum vor der Bühne rockte völlig ab. Bei Der Schmied sangen dann alle brav mit. Etwas später gab es Party pur mit dem Gothic-Disco-Hit Plasma und zwischendurch auch eine Wall of Tanz.
Danach folgten Sagenbringer. Ich kannte die Band bisher noch nicht, aber sie ist doch ein absoluter Festivalkracher. Es gab unter anderem die Songs Walpurgisnacht und Reiter Rohans. Sehr geniales Konzept und thematisch sehr passend zur Kulisse, die sich um uns erstreckte, inklusive der Nähe zum Blocksberg (Brocken).
Als dann gegen 16:00 Uhr Dogma mit Frauen-Nonnen-Power loslegten, brauchte ich erst mal eine Pause. Also erst mal in Ruhe über den Platz wackeln, alte Bekannte begrüßen und nach Merchandise schauen. Dann noch mal was zu essen finden und erst mal eine Pause einlegen.
Ich begab mich zu den letzten Tönen von Betontod wieder auf den Platz. Die alteingesessene Band feierte den totalen Punkabriss. Mit Abriss ging es dann auch mit Agnostic Front weiter. Die Hardcoreveteranen lieferten wie immer eine Show ohne Kompromisse oder Verschnaufpause ab. Das Publikum dankte es ihnen mit endlosen Circle Pits und der gefühlt größte Hit war die Ramones-Covernummer Blitzkrieg Bop.
Nun folgte eine recht kurzfristige Programmänderung. Dominum hatten das Glück, ihren 00:05-Uhr-Timeslot mit Hämatom zu tauschen. Dadurch kam die Band deutlich mehr zur Geltung. Ich kannte die Band bisher nur vom Hören, da ich sie mal auf der Heimfahrt von einem der früheren Rockharz-Festivals nachts gehört hatte. Die deutsche Band wird von Dr. Dead (Felix Heldt) angeführt. So richtig fing die Stimmung beim vierten Song Frankenstein an zu kochen und erreichte ihren absoluten Höhepunkt bei The Circus is in Town. Ich war positiv von der Band überrascht und finde, dass sie eine grandiose Festivalband ist.
Düster ging es dann mit Avatar weiter. Frontmann Johannes Eckerström kam beim ersten Lied mit einer Laterne und Kutte auf die Bühne und ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Bereits beim zweiten Song schmiss er die Kutte weg und hüpfte wie ein Flummi über die Bühne. Die Stimmung bei allen war extra festlich, da der Frontmann am 2.7. auch noch Geburtstag hatte. Es gab eine Menge Kracher, von Let It Burn und Bloody Angel bis zum Rausschmeißer Hail The Apocalypse.
Der Höhepunkt des Tages wurde dann Alice Cooper. Der ältere Herr hatte sich vorher noch einen schönen Tag in der nahegelegenen Touristenstadt Quedlinburg gemacht und ließ es dann auf der Bühne krachen. Wie immer hielt er das Publikum ab den ersten Tönen unter seiner Kontrolle und zog uns in seinen Bann. Bereits als zweiten Titel haute er No More Mr. Nice Guy raus. Der Platz war bis zum Bersten gefüllt und gefühlt waren auch Gäste nur für ihn angereist. Als ich mich dann aus dem Bühnengraben etwas an die Seite verkrümelte, wurde ich etwas vom Sound enttäuscht. Also wieder mehr in die Mitte rücken und bis zum Megahit Poison hinfiebern. Danach gab es dann mit einem Gitarrensolo erst mal eine Verschnaufpause für alle. Gegen Ende gab es noch den Burner School’s Out. Etwas merkwürdig fand ich allerdings, dass er noch Teile von Another Brick in the Wall und Smells Like Teen Spirit einbauen musste. Egal! Ein super Konzert, bei dem geliefert wurde, was die Fans wollten. Grandiose Show inklusive Guillotine, Tanz und düsterer, aber spaßiger Stimmung.
Ich machte dann noch ein paar Bilder von Hämatom, die ihre Show mit einer Hommage an eine psychiatrische Anstalt gestalteten. Auch eine grandiose Show, aber bei mir war die Luft raus und ich verließ den bereits sehr geleerten Platz in Ruhe.
Freitag, 03.07.
Heute sollte es wieder entspannter angehen. Ich kam gegen 18:00 Uhr zu den Apokalyptischen Reitern auf den Platz. Die Szenerie im Rockharz war wie gewohnt fantastisch. Es gab Sonne und leichten Wind. Am besten fand ich den dritten Song Es wird schlimmer. Ein absoluter Klassiker ihrer Setlist. Hier kochte die Energie auf dem Höhepunkt. Danach ebbte bei mir die Energie schon wieder etwas ab. Insgesamt aber wie gewohnt ein grandioses Konzert. Insgesamt fühlt es sich jedoch so an, als ob die Show mit den Jahren ruhiger geworden ist.
Etwas später ging es dann mit Vollgas mit P.O.D. weiter. Die Band waren irgendwie Helden meiner Jugend und für mich damals der Sound einer Rebellion. Daher war es echt cool, sie endlich mal live zu sehen. Es gab wirklich eine energiegeladene Show, bei der Frontmann Paul „Sonny“ Sandoval nur so über die Bühne flog und immer wieder sein rotes Mikrofonkabel als Signature-Move schwang. Es gab natürlich alle großen Hits, unter anderem als Opener Boom und später dann auch Youth of the Nation und Alive.
Direkt danach starteten die alten Bekannten von Subway To Sally. Die Band war immer wieder gern gesehener Gast auf dem Festival und enttäuschte auch in diesem Jahr nicht. Grandios war die Stimmung beim vierten Song Eisblumen, bei dem die Band wirklich mit dem Publikum eins war. Eric Fish und seine Mitstreiter feuerten aber auch Hits wie Veitstanz und Julia und die Räuber raus. Wie gewohnt war dieses Konzert ein tolles Erlebnis, bei dem man sich von der Band verzaubert fühlte.
Härter ging es dann mit Airbourne weiter. Die Australier lieferten eine energiegeladene Show ab den ersten Tönen. Frontmann Joel O’Keeffe rannte ununterbrochen über die Bühne und lieferte mit Asterix-Sprüngen auch grandioses Material für uns Fotografen. Gegen Mitte des Konzerts ließ er sich wie gewohnt bei Raise Your Flag durchs Publikum tragen. Und beim Rausschmeißer Runnin’ Wild brodelte der Hexenkessel vor der Bühne völlig über.
Als letzte Band für mich gab es dann die Urgewalt Kreator. Die Band kannte ich nun schon seit vielen Jahren von Festivals und für mich ist es immer wieder ein tolles Erlebnis, die Energie um Mille zu spüren. Seltsam war, dass wir Fotografen erst gegen Ende des Konzerts in den Graben durften, aber da hatte sich das Warten auch gelohnt. Es gab viel Feuer und eine grandiose Lichtshow, die allerdings nicht großartige Songs wie Hate über Alles und Krushers of the World überdeckte. Gegen Ende rannte dann auch noch Britta Görtz als Unterstützung beim Song Tränenpalast auf die Bühne. Was für ein krasser Abschluss des Tages und für mich eines der besten Konzerte des Festivals.
Samstag, 04.07.
Der Tag ging geschmeidiger mit echtem Rock von Danko Jones los. Danko kannte ich nun auch schon seit vielen Jahren und nachdem er seinen Signature-Move – den tackernden Nacken wie ein Specht – abgelegt hatte, wirkte er seriöser und rockiger. Es gab freche Songs wie First Date. Und er forderte uns Fotografen auf, beim dritten Lied viele Fotos zu machen. Denn hier wollte er extra viel posen. Das tat er auch und so gab es solide handgemachte Musik und eine tolle Show. Gegen Ende bedankte er sich brav für die tolle Stimmung und erwähnte, dass er noch nie auf dem Rockharz war. Ich hoffe, er kommt wieder. Er selbst freute sich vor allem auf Doro und Emperor. Dazu gleich mehr.
Mit Doro gab es dann noch mal eine Künstlerin, die es versteht, ein Open-Air-Festival mit ihrer Präsenz zu füllen. Nicht ohne Grund wird sie immer wieder als Queen of Metal gefeiert. Es gab vor allem Material aus ihren Warlock-Zeiten. Rule the Ruins und a waren einfach grandios. Gegen Ende gab es dann noch das Mega-Liebeslied Für immer, das der ganze Platz mitgesungen hat, und dann auch noch den Kracher All We Are. Hammer!
Darauf folgten dann Knorkator. Eine Band, die ich mit den Jahren wirklich lieben gelernt habe. Denn in einer steifen Kultur, in der man kaum noch etwas denken und sagen darf, füllen sie die Welt mit Humor und regen zum Denken an. Beim dritten Song Es kotzt mich an durften wie gewohnt alle Fotografen auf die Bühne. Es war extremes Gedränge dort oben und ein paar Fotografen wählten die Option, sich mit Poolnudeln mit Frontmann Stumpen zu hauen. Natürlich alles sehr freundschaftlich und nett. Es folgten großartige Songs wie Böse, Unkraut, Heiligtum und Alter Mann. Zwischendurch ließ sich Stumpen auch noch mal ordentlich anbrutzeln. Als Höhepunkt und Rausschmeißer durfte dann Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett nicht fehlen.
Meine letzte Band des Festivals war dann Emperor. Insgesamt war es ein sehr durchwachsenes Erlebnis, denn Frontmann Vegard Tveitan sieht eher aus wie der nette IT-Mann von nebenan, riss aber musikalisch einfach mal den kompletten Platz ab. Der Platz hatte sich schon ordentlich geleert und gefühlt waren auch viele Gäste bereits im Laufe des Samstags abgereist. Nach ein paar Songs hieß es dann für mich: Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett.
Fazit
Auch dieses Rockharz war wieder grandios. Ein tolles Treffen mit alten Bekannten auf und vor der Bühne. Dieses Jahr waren die Anreise und das Parken sehr entspannt, was ich noch mal sehr hervorheben möchte. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr. Hier stehen schon einige Bands fest und leider ist das Festival komplett ausverkauft.

































