Am 5. Juni 2026 erschien mit „Smile“ das zehnte Studioalbum von Madsen. Aufgenommen und produziert von der Band selbst, natürlich im Proberaum, in dem Johannes, Sascha, Sebastian Madsen und Niko Maurer schon seit Jahrzehnten gemeinsam Musik machen. Veröffentlicht über

das von der Band selbstgeführte Label „Goodbye Logik Records“. Social Media Content und Videos werden zu großen Teilen von der Band selbst gedreht und geschnitten. Nach über zwanzig gemeinsamen Jahren ist man außerdem so eng und so sehr bei sich, dass sie sogar ihr eigenes Management übernommen haben. Musikalisch wahrscheinlich eher kein Punk im Ursprungspunksinn, aber so DIY gibt es nicht mal mehr so viele Punkbands.

„Jahrzehnte lang zusammen in einer Band zu spielen ist nach wie vor ein großes Privileg. Und auch wenn uns das gemeinsame Musik machen genau so viel Freude bereitet wie in den Anfangstagen – eine Band muss zwischenmenschlich gepflegt werden“, erinnert sich Sebastian Madsen an die Zeit zwischen den letzten beiden Studioalben. „Gerade in unserem Jubiläumsjahr 2025 mussten wir uns mehr denn je reflektieren und auch einige Konflikte austragen. Das ist und war oft unbequem – aber es lohnt sich!“

Madsen - Smile Cover
Madsen Smile Cover

Der Titeltrack ist ein musikgewordenes Lächeln, die Single „Achterbahn“ hingegen das Gegenteil und tief melancholisch sowie die Stimmung drückend. „Neue Erinnerungen“ hingegen reiht sich eher bei „Achterbahn“ ein, die Band dazu: „Auch wenn ich mich nicht gerne daran zurückerinnere, der Refrain zu dem Song ist bereits in der Pandemie entstanden. Wie so viele Menschen waren wir frustriert, haben den Stillstand kaum noch ertragen. Kein Input, kein Austausch, die alten Erinnerungen aufgebraucht.“ Fertig geschrieben wurde das Stück dann erst Jahre später. Denn die Welt befindet sich schon wieder an einem Punkt, an dem es sich so anfühlt: „So viele Menschen sind heutzutage wütend, abgebrannt, hasserfüllt. Es ist einfach nicht genug, immer nur das zurückzuwollen, was mal war. Nur mit neuen Erinnerungen kann man die Hoffnung bewahren.“

Die Vorab-Single „Auf die Barrikaden“ löste einen Scheiße-Sturm der Sonderklasse aus. Dadurch ist schon direkt bewiesen, dass es solche Songs benötigt und auch weshalb. Im Jahr 1995 sind die Bandmitglieder zwischen 12 und 16 Jahren alt als sie dem Punk und der Subkultur begegnen. Sebastian Madsen erzählt: „Wir haben nicht viele davon, aber es gibt eine Bandregel, an die wir uns halten: Finger weg vom Nostalgie-Rock. Bei uns gibt es keine ‚Früher war alles besser – Lieder‘. 1995 war Punk schon längst tot. Das haben uns die Älteren zumindest erzählt. Uns war das allerdings egal. Wenn bei uns auf dem Dorf junge Menschen mit bunten Haaren, Toxoplasma-Shirts
und Lederjacken mit Patches herumliefen, war das aufregender als Super Nintendo spielen. Es gab auf einmal respektlosen Humor, politische Haltung, bewusstes Anecken, in kleinen, eingeschworenen Gruppen ‘dagegen‘ sein – und natürlich Musik! Mit drei Akkorden die Welt erobern! Lauter spielen als die anderen! Auf den Gitarren-Verzerrer treten und dabei debil grinsen. 1995 haben wir genau das gelernt und es nie vergessen.“

Wir haben einiges zu einer handvollen Songs von diesem Longplayer erfahren. Insgesamt gibt es zwölf Tracks auf 46 Minuten Spielzeit. Sie sind abwechslungsreich und gehen einige Male vorwärts, machen Alarm. Es gibt aber viel mehr ruhige oder „normale“ Momente, die viel mit Indie, Pop und Rock gemein haben. Nicht sehr viel mit Punk. Das schaffen partiell einige Texte mit den politischen, positionsergreifenden Sequenzen.

Richtig fangen kann mich die Platte gerade nicht. Aber mir geht es auch nicht besonders gut. Die Punkplatten während Corona fand ich witzig und ansprechend. Madsen sind hier sie selbst geblieben ohne sich zu wiederholen oder langweilig zu klingen. Das es mir nicht gut geht, ist nicht ihre Schuld und soll nicht das Handwerk hinter den Stücken heruntermachen. Fans werden damit glücklich werden.

Tourdaten:

28.08.26 – Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
29.08.26 – Creuzburg, Burg Creuzburg
25.09.26 – Ulm, Roxy
26.09.26 – München, TonHalle
02.10.26 – Leipzig, Haus Auensee
03.10.26 – Rostock, Moya
09.10.26 – Nürnberg, Löwensaal
10.10.26 – Berlin, Tempodrom
16.10.26 – Stuttgart, LKA Longhorn
17.10.26 – Saarbrücken, Garage
30.10.26 – Lingen, Emsland Arena
31.10.26 – Köln, Palladium
13.11.26 – Hannover, SwissLife Hall
14.11.26 – Wiesbaden, Schlachthof

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Oliver Lippert
Autor ("Kaleidoskop - Abschnitt 1 -", "Kaleidoskop - Abschnitt 2 -") und Rezensent. Mehr hier: https://linktr.ee/OliverLippert
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