150709_Rockharz15_6182_unsorted_MBAm 09.07. war es endlich so weit, das Rockharz Festival 2015 in Ballenstedt öffnete für uns seine Tore. Bereits am Tag zuvor spielten einige Bands für das früh angereiste Publikum – wie man uns hinterher erzählte, gab es jedoch bei der Anreise lange Staus, angeblich wegen der gründlichsten Kontrolle der Anreisenden Fahrzeuge auf dem Festivalplatz. Ob es sich dabei um Kontrolle auf Glasflaschen oder etwas anderes handelte, blieb für uns im Dunklen.
Wir begaben uns erst am nächsten Tag gemütlich in das verträumte Örtchen Ballenstedt bzw. genauer gesagt den nahegelegenen Flugplatz.

Hier tobten sich ab 16:30 die Powermetal-Kombo Panzer aus und gab uns eine gute Einstimmung auf das, was uns die nächsten drei Tage erwarten sollte. Die Musik klang teilweise wie Knüppel auf Kopf, was hier auch einfach nur passte. Die Fans schienen gut gelaunt, auch wenn es die Nacht zuvor ordentlich geschüttet hatte. Mir fielen auch die Querverstrebungen der Bühne auf, die wegen des letzten Sturms nötig waren.

Danach folgte Letzte Instanz: Die Band, die mir bisher für ihren verträumten Mittelaltersound bekannt war, zeigte auch andere Seite. Die meisten Songs waren eher poppig-rockig und klangen fast ein bisschen weichgespült. Dem Publikum gefiel es dennoch sehr und der Frontmann Holly Loose gab sein Übriges dazu. Und so stellte er sich einfach mal zum Singen auf den Bühnenzaun und entfachte mehrfach den Scheibenwischer, bei dem sich die Arme der Zuschauer fröhlich im Takt bewegten. Während des Konzerts kamen finstere Wolken auf uns zu und ein paar Tropfen Regen, doch unsere geile Stimmung war stärker und vertrieb so letztendlich die Wolken wieder.

Auf Letzte Instanz folgten die Emil Bulls. Der Hardcore Geheimtipp rockte von der ersten Sekunde und begeisterte sogar meinen Co-Redakteur, der der Generation 50plus angehört. Auch hier gab es einige Publikumsaktionen wie Wall Of Death, Crowdsurfing und Circle Pits. Die Stimmung kochte besonders bei dem Hit „The Way Of The Warrior“.

Musikalisch ging es heiß weiter mit Epica. Heiß ging es da nicht nur musikalisch zu, so einigen Fans bescherte der Anblick der Frontfrau Simone Simons Hitzewallungen, die sich in unsere Herzen trällerte während ihre Jungs ordentlich in die Saiten, Tasten und Drums hauten. Als besonderen Leckerbissen für mich als Fotografen sollte ich noch den Keyboarder erwähnen. Anscheinend war es Coen Janssen leid immer in der zweiten Reihe zu stehen und so schnappte es sich ein gebogenes tragbares Keyboard und rockte statt hinter direkt neben der Powerlady.

Nach diesen ersten Bands kümmerten wir uns dann langsam mal um das leibliche Wohl. Es gab eine große Auswahl an Getränken und Leckereien. Als wir dann das erste Bier des Tages in der Hand hatten traten – wie passend – Alestorm auf die Bühne. Ich kannte die Band schon etwas vom Hören und Sagen. Und jaaa sie waren so gut, wie der Ruf, der ihnen vorauseilt. Die Piratenkombo trat auf die Bühne und die Massen tobten. Den Anfang machte „Walk the Plank“ und ich war ihnen verfallen. Piraten sind nicht nur seit dem Fluch der Karaibik in, Piraten kommen anscheinend niemals aus der Mode. Ab und an drifteten sie in Musikrichtung Polka ab, was uns weniger zusagte, doch ihre Folk Stücke klangen einfach nur genial – ein bisschen wie Santiano auf Speed.

Etwas härter ging es mit Kataklysm weiter. Die Death-Metal-Band aus Montreal beeindruckte mit durchgehendem Gehämmer und schien nicht dessen müde zu werden. Sie waren sogar so euphorisch, dass sie zum Stresstest für die Securities aufriefen. Der Maurizio Iacono wünschte sich bei dem Song eine Masse Crowdsurfer und das Publikum gab sie ihm. So kamen nicht nur das Publikum sondern auch die stets gut gelaunten Sicherheitskräfte ins Schwitzen.

Dann wurde es so richtig böse. Behemoth bauten einiges an Equipment auf der Bühne auf und für uns Fotografen gab es einige Sicherheitshinweise. Der Sänger Adam Darski und seine Lakaien kamen finster schauend in dunklen Kutten auf die Bühne. Neben einem brachialen Sound, bei dem die Tontechniker alles an Lautstärke aus den Verstärkern rausholten, gab es noch Feuer- und CO2-Säulen. Musikalisch erinnerte mich die Band etwas an Lordi, doch hier schien die Finsternis ernster Teil der Show zu sein.

Etwas normaler traten Hammerfall auf. die Rockband, die bei mir vor allem als Hintergrundmusik auf langen Autofahrten beliebt ist, ließ es ordentlich krachen. Neben einem sauber abgemischten feinen Sound gab es auch tolles Posing. Besonders der Sänger Joacim Cans hat ein besonderes Talent, sich ins richtige Licht zu rücken und durch große Gesten seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Es durfte natürlich auch den Hit „Hammerfall“ nicht fehlen und als Rausschmeißer gab es  „Hearts On Fire“. Alles in allem herrlicher Power Rock mit großartigem Posing. Der Platz tobte trotz aufsteigender Kälte und Nässe aus dem Boden.

Das Ende unseres Festivaltages näherte sich als Fiddlers Green auf die Bühne traten. Der Platz leerte sich langsam, doch die verbliebenen Metaller freuten sich umso mehr, als laute Folk-Metal-Töne angestimmt wurden. Es gab feinstes Gefiedel von allen Ecken der Bühne, feines Posing und großartige Stimmung. Bei einem sternenklaren Himmel verließen wir glücklich den Platz.