Pandora Magri macht in ihrem autofiktionalen Comic häusliche Gewalt zum Thema. In der Erzählung erleidet die Hauptfigur Poppy, eine kaninchenähnliche junge Frau, nach einer langjährigen häuslichen Gewaltsituation posttraumatische Störungen.

Was allerdings auffällt: Die Täter*innen bekommen hier keinen Raum. Selbst die Tat steht nicht im Fokus und wird „nur“ angeschnitten. Eine Reproduktion der Gewaltsituation(en) findet also nicht statt. Viel mehr steht der Weg der Heilung im Mittelpunkt. Magri half der Comic selbst erlebtes besser zu verarbeiten und hier auch mit einfließen zu lassen. Nun wünscht sie sich, auch anderen Betroffenen mit ihrer Geschichte Halt und Hoffnung zu geben.

Das Werk ist in einem Zweifarben-Druck gestaltet und besteht aus Blau- und Rosatönen (Pink). Gleichzeitig fungieren die Farben als emotionaler Gradmesser. (Eis)Blau steht für Poppys fragilen Neuanfang, den Alltag und die Hoffnungen.

Die Pink- / Rosatöne brechen unvorhersehbar herein, wenn die Schrecken der Vergangenheit, Panikattacken und die inneren Dämonen die Kontrolle übernehmen.

Himmelblau von Pandora Magri
Himmelblau von Pandora Magri

Außerdem empfinde ich die Darstellungen, Strichführung als freundlich zugewandt. Weich statt hart, auf mich zugehend statt mich aller Gewalt versuchen wegzustoßen. Das alles kann durch Zeichnungen, Stil, Formulierung geschehen.

Wie weiter oben schon festgestellt liegt der Fokus auf dem „Danach“ und nicht auf dem Tathergang. Die Heilung bekommt die Aufmerksamkeit und wird als ungerader, wellenförmiger Vorgang geschildert.

Der Alltagsrealismus kombiniert auch Gesellschaftskritik, primär die patriarchalen Strukturen die es noch zuhauf gibt (und auf die auch ich immer mal wieder acht geben muss; häufiger als mir lieb ist). Die Belastung durch Traumata wird bei der Findung eines neuen Looks ebenso deutlich wie bei dem Einkauf im Supermarkt.

Patriarchale Gewalt, Femizide, das teils problematische Wording in den Medien bei Gewalttaten sowie der Umgang mit Triggerwarnungen werden ebenfalls thematisiert.

Auf dem Cover steht ebenfalls: 1€ vom Verkaufspreis gehen an den Frauen-Notruf-Münster e.V.

Zum Schluss der Rezension merke ich, dass es mir schwerfällt die richtigen Worte zu finden ohne zu wiederholen, ohne ungünstig zu klingen, ohne Fehler zu machen. Das Buch hat etwas mit mir gemacht ohne einen Vorschlaghammer zu gebrauchen, weil die Taten nicht in allen Einzelheiten geschildert worden sind. Stattdessen lag der Fokus auf dem Heilungsprozess, auf alltägliche Situationen und Probleme die damit einhergehen.

Leider kann ich das auch sehr gut nachvollziehen, was Poppy in ihrem Heilungsprozess alles durchmachen muss, worauf sie achtet, wie sehr es einen aufregt, wenn das Wording nicht mehr stimmt. Was man früher konnte, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Worüber man irgendwann in der Vergangenheit nicht einmal nachgedacht hat, regt mich jetzt auf. Und was mich früher kaum tangierte, haut mich jetzt aus der Bahn.

Danke daher für den Lernaspekt, für den interessanten und persönlichen Einblick – für alles. Dazu gehört schon einiges finde ich. Daher auch eine voll Empfehlung.

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