Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2000 verwandelt sich der Flugplatz Drispenstedt in Hildesheim jedes zweite Augustwochenende von Freitag bis Sonntag in den Nabel der Schwarzen Szene. Mit rund 25.000 Besucher:innen zählt das M’era Luna zu den größten und wichtigsten Gothic- und Alternative-Festivals Europas.
Das weitläufige Areal bietet nicht nur Platz für zwei große Bühnen mit rund 40 Acts – von Newcomern bis zu fest etablierten Größen der Szene –, sondern punktet auch mit einer Infrastruktur, die trotz der Menschenmassen eine vertraute und entspannte Atmosphäre bewahrt.
Wer abseits der musikalischen Dauerbeschallung auf Erkundungstour gehen wollte, wurde auch beim M’era Luna 2026 nicht enttäuscht. Der fest etablierte Mittelaltermarkt lockte das gesamte Wochenende über mit rustikaler Handwerkskunst, jeder Menge feinem Zwirn, kühlem Met und leckerem Essen. Ein optisches Highlight – abseits des ohnehin fantastisch gekleideten Publikums – war die aufwendige Gothic Fashion Show im kleinen Hangar, bei der Szene-Designer:innen ihre neuesten und ausgefallensten Kreationen präsentierten.

Abgerundet wurde das Festival-Feeling durch Feuershows, LED-Artist:innen und Walk-Acts, die nach Einbruch der Dunkelheit für die passende düstere Ästhetik auf dem Gelände sorgten. Generell wurde man überall gut mit Essen und Getränken versorgt, für nahezu jeden Geschmack war etwas dabei und die zahlreichen Wasserstellen sorgten angesichts der Hitze für die dringend notwendige Flüssigkeitsversorgung. Natürlich durften auch die vielen unterschiedlichen Händler auf dem Infield und vor dem Gelände an der Club Stage nicht fehlen.
Und nach dem Festival ist bekanntlich vor dem Festival: Noch während die Ersten am Sonntag ihre Zelte in Hildesheim abbauten, standen bereits die ersten Namen für das M’era Luna 2027 fest. Mit Schandmaul, The Sisters Of Mercy und VNV Nation wurden gleich drei bekannte Acts bestätigt. Auch das weitere Line-up nimmt bereits Form an: Feuerschwanz, Das Ich, Diary Of Dreams, Suicide Commando, Frozen Plasma, Assemblage 23 und Alienare gehören zu den bisher angekündigten Bands.
Freitag, 07.08.2026 – Warm-up, Rahmenprogramm und der Blick Richtung Horizont
Bereits der Freitag verlangte den anreisenden Camper:innen wettertechnisch einiges ab: Der Flugplatz empfing die Schwarze Gemeinde mit viel Sonne, während der knochentrockene Boden das Infield schnell in eine dichte Staubwolke hüllte.
Das offizielle Rahmenprogramm startete am frühen Abend traditionell etwas entspannter. Beim inzwischen etablierten „Crypt Talk“ fachsimpelten Stephan Thanscheidt und Chris Harms von Lord Of The Lost über die kuriosen Höhen und Tiefen des Musikbusiness.
Im Anschluss wurde es literarisch: Szene-Größen wie Markus Heitz, Christian von Aster und Jessica Iser unterhielten die von der Anreise erschöpfte, aber offenbar noch wissbegierige Crowd im Hangar mit finsteren, spannenden und skurrilen Lesungen.
Wer sich nach der Anreise noch bewegen wollte, fand sich entweder bei der Warm-up-Party im Disco-Hangar ein, wo das DJ-Team um Krischan Wesenberg und Vasi Vallis sowie Kai Hawaii die ersten treibenden Bässe des Wochenendes auflegten, oder schlenderte über das Flugfeld und schaute bei den kleinen Zelt-Diskos vorbei.
Samstag beim M’era Luna 2026
Mortes

Den undankbaren, aber wichtigen Job als Opener der Main Stage sicherte sich in diesem Jahr Mortes, der sich zuvor im Voting als offizieller M’era Luna Newcomer 2026 durchgesetzt hatte. Der Künstler, der sein Live-Debüt erst 2024 beim European Dark Dance Treffen feierte, lieferte einen stimmungsvollen Mix aus Grunge, Post-Punk und Dark Wave. Mit Songs aus dem Debüt „Thorns“ und einem Ausblick auf das kommende Werk „The Hunt“ gelang es ihm problemlos, die frühen Besucher:innen im Infield auf musikalische Betriebstemperatur zu bringen.
Beyond Obsession
Direkt im Anschluss durften Beyond Obsession die Club Stage musikalisch in den Samstag schicken. Obwohl treibender Synthpop zu solch früher Stunde auf einem Festival vielleicht etwas ungewohnt wirkt, holte die Band die Menge schnell ab – wer um diese Zeit schon vor der Bühne stand, hatte ohnehin beschlossen, dass Ausschlafen überbewertet wird.
Der Auftritt wurde genutzt, um neben bekannten Titeln auch Songs des aktuellen Albums „In My Blood“ zu präsentieren, was vom Publikum mit den ersten richtigen Tanzschritten des Tages quittiert wurde.
Xandria

Symphonic Metal am späten Vormittag und bei praller Sonne? Was auf den ersten Blick wie ein atmosphärischer Widerspruch wirkt, wurde von Xandria auf der Main Stage problemlos weggespielt. Die Band brachte die opulente, orchestrale Seite des Metal mit harten Gitarren und mächtigem Gesang auf den Platz.
Obwohl das Genre eigentlich nach Dunkelheit und dramatischem Licht verlangt, funktionierte die Soundwand auch im strahlenden Sonnenschein erstaunlich gut.
Principe Valiente
Direkt im Anschluss zog es das Publikum vor die Club Stage, wo Principe Valiente an der Reihe waren. Die Stockholmer ließen ihre melancholischen, kühlen Post-Punk- und Shoegaze-Soundlandschaften über den flirrend heißen Flugplatz wehen.
Mit treibendem Bass, tiefen Vocals und dichten Synth-Flächen entstand genau die atmosphärische Dichte, die nach dem sonnenüberfluteten Metal-Auftakt zuvor eine willkommene Abwechslung bot.
Tabernis

Wer Tabernis zuvor noch nicht auf dem Schirm hatte, wurde auf der Main Stage von einer ungewöhnlichen, rituellen Ästhetik überrascht. Das belgische Experimental- und Medieval-Metal-Duo betrat die Bühne in Masken, die an mittelalterliche Imker erinnerten, und sorgte damit direkt für eine mystische Grundstimmung.
Musikalisch präsentierten sie eine Mischung aus treibenden Trommeln, Dudelsack und dunklen, tranceartigen Synthesizer-Klängen. Mit Tracks aus ihrem im April 2026 veröffentlichten Debütalbum „Seasons of the Dark Hive“, darunter die hypnotische Single „Tanebrae“, lieferten sie ein Set ab, das sich organisch, wuchtig und angenehm anders anfühlte.
Auger
Auf der Club Stage zog anschließend das nordenglische Duo Auger das Publikum an. Sänger Kyle J. Wilson und Gitarrist Kieran Thornton brachten mit ihrem Mix aus Dark Wave und Industrial Metal ordentlich Bewegung vor die Bühne.
Im Zentrum des Sets standen Songs des 2026 erschienenen Albums „The Old Arcade“. Stampfende Beats und Wilsons markanter Gesang sorgten trotz der Hitze für reichlich Bewegung in der Menge.
Unzucht

Für Unzucht stand auf der Main Stage in diesem Jahr einiges im Fokus. Für viele Fans war es die erste größere Gelegenheit, die Band mit ihrem neuen Frontmann Timm Hindorff vor entsprechender Kulisse zu erleben.
Der neue Sänger fügte sich mit viel Präsenz und Spielfreude in die Band ein. Neben bekannten Stücken wie „Nein“ oder „Jenseits der Welt“ gab es auch einen Ausblick auf das 2026er-Album „Neon Dom“. Der Besetzungswechsel scheint der Live-Energie von Unzucht jedenfalls keinen Abbruch getan zu haben.
M. Walking on the Water
Auf der Club Stage wurde es anschließend fast schon historisch. Mit M. Walking on the Water betrat ein Urgestein der deutschen Independent-Szene die Bühne. Bereits 1985 in Krefeld gegründet, brachte die Band um Markus Maria Jansen ihren Mix aus Indie, Post-Punk und Folk-Pop – in den Anfangstagen augenzwinkernd als „Short-Distance-Psycho-Folk“ bezeichnet – zum M’era Luna.
Mit Songs aus dem im Januar 2026 erschienenen Album „e“ bot die Band innerhalb des ansonsten häufig härteren und elektronischen Line-ups einen willkommenen Kontrast.
Hocico

Dass pralle Nachmittagssonne und mexikanischer Aggrotech durchaus zusammenpassen können, bewiesen Hocico auf der Main Stage. Erk Aicrag und Racso Agroyam fegten mit reichlich körperlicher Energie über die Bühne und präsentierten neben Klassikern auch Material aus ihrem im Mai 2026 erschienenen 13. Studioalbum „Unseen Horror Scenes“.
Aggressive Shouts und peitschende Beats ließen der tanzenden Menge trotz der Temperaturen wenig Gelegenheit zum Durchatmen.
Tyske Ludder
Wer danach vor der Club Stage noch Luft hatte, bekam von Tyske Ludder direkt die nächste stampfende Breitseite serviert. Die deutschen EBM-Veteranen lieferten ein entsprechend harsches Set.
Passend zur 2026 erschienenen Vinyl-Neuauflage ihrer „Creutzfeldt EP“ aus dem Jahr 1996 schwang dabei auch eine ordentliche Portion Oldschool-EBM mit. Die kühlen elektronischen Klänge standen dabei in einem durchaus amüsanten Gegensatz zu den Temperaturen auf dem Flugplatz.
Megaherz

Dass das M’era Luna für Megaherz mehr als nur ein weiterer Termin im Festivalkalender ist, hatte die Band bereits im Vorfeld deutlich gemacht. Die Münchener NDH-Veteranen hatten ihren Auftritt selbst als „Heimspiel in Schwarz“ angekündigt.
Auf der Main Stage gab es entsprechend eine Mischung aus Bandklassikern und neuerem Material. Harte Riffs, viel Bewegung und ein gut gefülltes Infield machten den Auftritt zu einer schweißtreibenden Angelegenheit – sowohl auf als auch vor der Bühne.
Diorama
Diorama boten anschließend auf der Club Stage einen deutlichen musikalischen Kontrast. Die Band um Torben Wendt hatte mit dem im April 2026 veröffentlichten elften Studioalbum „A Substitute for Light“ neues Material im Gepäck.
Elektronische Intensität traf auf melancholischen Dark Wave, von treibenden Stücken wie „Million Dollar Smile“ bis hin zu ruhigeren Passagen. Gerade angesichts der anstrengenden Wärme vor der Bühne funktionierte die etwas andere Atmosphäre gut.
Combichrist
Wer nach den bisherigen Bands noch nicht komplett in Staub und Schweiß gebadet war, bekam von Combichrist auf der Main Stage endgültig den Rest. Andy LaPlegua fegte wie gewohnt über die Bühne und verband treibenden Aggrotech mit Percussion und Industrial-Metal-Gitarren.
Bei Songs wie „Get Your Body Beat“ oder „Throat Full of Glass“ blieb auch in der Nachmittagssonne vor der Bühne wenig stehen.
The Beauty of Gemina
Die spontanen Retter des frühen Abends hießen The Beauty of Gemina. Nachdem Veljanov seinen Auftritt nur wenige Tage vor dem Festival krankheitsbedingt absagen musste, sprangen die Schweizer um Michael Sele kurzfristig ein.
Mit gitarrenlastigem Dark Wave und Seles tiefer Stimme brachten sie eine melancholische, aber dennoch treibende Atmosphäre auf die Bühne. Für einen kurzfristigen Ersatzslot wirkte der Auftritt angenehm selbstverständlich und leitete passend in die langsam beginnenden Abendstunden über.
The Birthday Massacre

The Birthday Massacre lieferten auf der Main Stage den passenden Soundtrack für den langsam einsetzenden Abend. Chibis Stimme wechselte gewohnt zwischen beinahe elfenhaften und deutlich kraftvolleren Momenten.
Im Set fanden sich neben bekannten Fan-Favoriten auch Stücke des 2025 erschienenen Albums „Pathways“. Die melancholisch-düstere Ästhetik der Band hätte mit etwas weniger Sonne sicherlich noch besser funktioniert, musikalisch tat das dem Auftritt jedoch keinen Abbruch.
Agonoize

An der Club Stage ging es anschließend wieder deutlich härter zur Sache. Agonoize verwandelten das Areal mit ihren stampfenden Beats in einen schweißtreibenden Dancefloor.
Chris L. und seine Mitstreiter präsentierten sich gewohnt provokant und laut, die obligatorische Kunstblut-Ästhetik durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Gerade bei den Temperaturen war das 40-minütige Hellectro-Programm allerdings auch körperlich eine Herausforderung.
White Lies

Mit White Lies folgte auf der Main Stage ein deutlicher atmosphärischer Wechsel. Das britische Trio brachte melancholische, aber gleichzeitig treibende Post-Punk-Melodien auf den Flugplatz.
Das Publikum zeigte sich über weite Teile des Sets textsicher und trug die Band durch die einstündige Show. Ohne brachiale Gitarren oder Industrial-Beats funktionierte der Auftritt gerade im aufkommenden Sommerabend ausgesprochen gut.
Nachtmahr

Deutlich rauer wurde es danach an der Club Stage. Nachtmahr trafen dort auf ein sehr gut gefülltes Areal und lieferten ein Set, das von Beginn an auf Bewegung ausgelegt war.
Spätestens bei „Beweg dich für mich“ und „El Chupacabra“ war vor der Bühne entsprechend viel los. Thomas Rainer verzichtete auf große Umwege und lieferte genau den lauten und tanzbaren Industrial-Sound, für den Nachtmahr bekannt sind.
In Extremo
Mit einsetzender Dämmerung übernahmen In Extremo die Main Stage. Sobald die ersten Sackpfeifen erklangen und Das Letzte Einhorn das Publikum begrüßte, war klar, dass der Abend nun endgültig angekommen war.
Neben bekannten Songs präsentierte die Band auch aktuelleres Material und setzte vor allem visuell deutliche Akzente. Die Feuershow fiel derart üppig aus, dass im Fotograben sogar ein Fotoverbot ausgesprochen wurde. Wer dort stand, verstand angesichts der Temperaturen ziemlich schnell, warum.
Front Line Assembly
Auf der Club Stage wurde es währenddessen kühler – zumindest musikalisch. Front Line Assembly zogen das Publikum mit Electro-Industrial, harten Beats und Synthesizern in eine deutlich dystopischere Welt.
Auf großes Feuerwerk wurde verzichtet. Stattdessen standen Musik und Video-Installationen im Mittelpunkt. Neben bekannten Stücken fanden auch Tracks des 2025 erschienenen Albums „Mechviruses“ ihren Platz im Set.

Within Temptation
Den Abschluss des Samstags übernahmen Within Temptation auf der Main Stage. Sharon den Adels Stimme trug problemlos über das weitläufige Infield, während die Band ihren Mix aus orchestralen Elementen und Metal auf die Bühne brachte.
Neben Klassikern fanden auch neuere Stücke ihren Platz in der Setlist. Nach einem langen, heißen und staubigen Festivaltag war der Auftritt ein passender Abschluss, bevor sich die Menge langsam in Richtung Campingplatz und Nachtprogramm verteilte.
Sonntag beim M’era Luna 2026
Final Selection

Punkt 11:00 Uhr übernahmen Final Selection den Job als Sonntags-Opener auf der Main Stage. Das bereits 1993 gegründete Synthpop-Projekt um Mario Tews und Riccardo Schult bot den noch sichtbar vom Vortag gezeichneten Festivalgästen einen angenehm harmonischen Einstieg.
Mit einer Mischung aus Dark Wave und treibenden elektronischen Melodien, darunter Stücke des Albums „Siren’s Call“, erwachte das Gelände langsam wieder zum Leben.
SynthAttack
Deutlich härter ging es kurz darauf an der Club Stage zur Sache. SynthAttack bliesen dem Publikum mit basslastigem Dark Electro und Aggrotech die restliche Müdigkeit aus den Knochen.
Zu dieser Uhrzeit wirkte das fast ein wenig überfallsartig – funktionierte aber. Wer sonntags kurz nach elf bereits an der Club Stage stand, war offensichtlich ohnehin nicht auf der Suche nach einem gemütlichen Frühstück.
Sotiria

Auf der Main Stage lockte Sotiria mit ihrer Mischung aus melodischem Düster-Pop und Deutschrock bereits am frühen Mittag ein ansehnliches Publikum an.
Die ehemalige Eisblume-Frontfrau nutzte ihre knappe halbe Stunde unter anderem für Songs ihres 2026 erschienenen Albums „Meine Liebe ist Gift“. Spätestens beim nostalgischen „Eisblumen“ entstand im Infield ein großer gemeinsamer Chor. Nachdem der Sound im vorderen Bereich anfangs noch etwas Nachjustierung benötigte, entwickelte sich ein sympathischer und runder Auftritt.
Eisenfunk
Eisenfunk verwandelten die Club Stage anschließend in einen 8-Bit-Dancefloor. Das bayerische Trio zeigte, dass sein markanter EBM-Sound auch viele Jahre nach der Gründung noch funktioniert.
Natürlich durfte „Pong“ nicht fehlen. Die Band animierte die Menge zum Mitspielen und sorgte damit trotz deutlich über 30 Grad für ordentlich Bewegung.
Stahlmann

Stahlmann brachten mit Songs des im Februar 2026 erschienenen Albums „Schwarz wie der Tod“ Neue Deutsche Härte auf die Main Stage.
Bei Temperaturen um 35 Grad setzte die Band zusätzlich auf Feuerfontänen – denn offenbar war es noch nicht warm genug. Besonders bei „Adrenalin“ sorgte die Pyrotechnik für einen markanten Hingucker und einen druckvollen Start in den Sonntagmittag.
Jesus On Extasy
An der Club Stage ging es mit Jesus On Extasy und einer Mischung aus Industrial Rock, Synthesizern und Gitarren weiter. Die Überdachung der Bühne war zu diesem Zeitpunkt für viele Besucher:innen vermutlich mindestens ebenso attraktiv wie das Konzert selbst.
Die Band nutzte den kompakten Slot für einen treibenden Auftritt und zeigte, dass Jesus On Extasy auch in der aktuellen Besetzung live weiterhin gut funktionieren.
SKYND
In der gleißenden Mittagshitze brachten SKYND ihr True-Crime-Konzept auf die Main Stage. Eigentlich schreien die morbiden, industriell angehauchten Elektrobeats nach Dunkelheit – auf dem staubigen Flugplatz funktionierte die beklemmende Atmosphäre aber überraschend gut.
Die intensive Performance bildete einen deutlichen Kontrast zur sommerlichen Umgebung und zog trotz der Hitze zahlreiche Besucher:innen vor die Bühne.
Then Comes Silence
Then Comes Silence boten auf der Club Stage anschließend einen musikalischen Zufluchtsort für alle, die zumindest zeitweise aus der Sonne verschwinden wollten.
Die Stockholmer Post-Punk-Formation verband Material des 2024er-Albums „Trickery“ mit Songs der 2026 erschienenen Platte „Requiem Ballroom“. Kleinere Soundschwankungen wurden mit Gelassenheit überspielt und störten den insgesamt dichten Auftritt kaum.
The 69 Eyes

Die „Helsinki Vampires“ brachten am frühen Sonntagnachmittag eine Portion skandinavische Dunkelheit auf die sonnenüberflutete Main Stage.
The 69 Eyes ließen sich von den Temperaturen wenig beeindrucken und spielten ihren Goth’n’Roll gewohnt lässig herunter. Natürlich funktioniert die melancholische Seite der Finnen nachts noch etwas besser, das Publikum ließ sich davon jedoch nicht stören und tanzte einfach weiter.
Clan of Xymox
Clan of Xymox sorgten an der Club Stage für eine deutlich melancholischere Atmosphäre. Kühle Basslines und die charakteristischen Gitarrenklänge boten einen angenehmen Kontrast zu den Temperaturen auf dem Flugplatz.
Mit bekannten Stücken wie „Jasmine and Rose“, „Emily“ und „A Day“ setzte die Band auf Bewährtes. Die jahrzehntelange Bühnenerfahrung war dabei jederzeit spürbar.
L’Âme Immortelle

Trotz der hochsommerlichen Nachmittagssonne versammelte sich eine beachtliche Menge vor der Main Stage, um L’Âme Immortelle zu sehen.
Sonja Kraushofer und Thomas Rainer präsentierten ihre Mischung aus elektronischen Rhythmen und symphonischen Elementen und verbanden bekannte Stücke mit Material des Albums „Ungelebte Leben“. Die ungeschützte Bühne verlangte den Musiker:innen bei der Wärme einiges ab.
Vor der Bühne wogten derweil zahlreiche schwarze Spitzenschirme als Sonnenschutz im Takt – ein Bild, das wohl nur auf einem Gothic-Festival bei 35 Grad wirklich selbstverständlich wirkt.
Neuroticfish
An der Club Stage sorgten Neuroticfish für tanzbare Futurepop-Rhythmen. Trotz der 2026 veröffentlichten EP „Skin26“ verzichtete die Band auf neues Material und konzentrierte sich auf bewährte Club-Hymnen.
„Velocity“ und „Fluchtreflex“ wurden entsprechend textsicher mitgesungen. Der bekannte Slogan „Electronic Body Music is dead“ durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Floor Jansen

Mit Floor Jansen stand anschließend eine der bekanntesten Stimmen des Symphonic Metal auf der Main Stage. Statt Nightwish-Material konzentrierte sie sich in Hildesheim vollständig auf ihre Solokarriere.
Neben Songs ihres Debütalbums „Paragon“ gehörte auch die im Juni 2026 veröffentlichte Single „Run“ zum Programm. Ohne unnötiges Pathos, dafür mit großer stimmlicher Bandbreite und entspannter Bühnenpräsenz bot Jansen einen musikalisch sauberen und etwas ruhigeren Gegenpol zum übrigen Festivalgeschehen.
Aesthetic Perfection
Daniel Graves sorgte mit Aesthetic Perfection an der Club Stage wieder für mehr Tempo. Sein selbst als „Industrial Pop“ bezeichneter Stil verband tanzbare Synth-Melodien mit rauen Vocals und Live-Drums.
Mit „Villain Era“ hatte die Band zudem eine brandneue Single im Gepäck, die erst zwei Tage zuvor erschienen war. Graves hielt mit viel Bewegung und Interaktion die Menge trotz der Temperaturen zuverlässig in Bewegung.
Lacrimosa

Mit Lacrimosa stand anschließend eine feste Institution der Schwarzen Szene auf der Main Stage. Tilo Wolff und Anne Nurmi brachten ihre charakteristische Mischung aus Gothic, Dark Wave und symphonischem Metal nach Hildesheim.
Die getragenen Arrangements bildeten einen deutlichen Kontrast zum flirrenden Staub des Nachmittags. Neues Material wie „Dark Is The Night“ vom Album „Lament“ traf auf Klassiker wie „Schakal“ und „Alleine zu zweit“. Große körperliche Action braucht diese Musik nicht – hier standen Atmosphäre und Zusammenspiel im Vordergrund.
Die Krupps
Als die ärgste Hitze langsam nachließ, baten Die Krupps an der Club Stage zur industriellen Schicht.
Jürgen Engler und seine Mitstreiter setzten auf ein stählernes Gerüst aus Klassikern wie „To the Hilt“, „Nazis auf Speed“ und „Fatherland“. Gitarrenriffs und Sequenzer-Beats hielten die dicht gefüllte Fläche vor der Bühne zuverlässig in Bewegung.
OMD

Mit OMD folgte auf der Main Stage einer der großen Synthpop-Momente des Wochenendes. Andy McCluskey und Paul Humphreys zogen in der einsetzenden Abenddämmerung eine große Zuschauermenge vor die Bühne.
Neben Material des 2023 erschienenen Albums „Bauhaus Staircase“ durften natürlich Songs wie „Enola Gay“ und „Maid of Orleans“ nicht fehlen. Besonders McCluskey war mit seinem unverkennbaren Tanzstil permanent in Bewegung. Der Auftritt verband Popgeschichte und elektronische Musik, ohne dabei wie eine reine Nostalgieveranstaltung zu wirken.
IAMX
Während sich der Sonntagabend langsam abkühlte, wurde es mit IAMX auf der Club Stage noch einmal deutlich dunkler und elektronischer.
Chris Corner setzte auf treibende Synth-Landschaften und emotional verzerrte Vocals. Songs wie „Exit“ und „Happiness“ trafen auf ein mittlerweile sichtbar erschöpftes, aber weiterhin aufmerksames Publikum. In der stickigen Luft der Club Stage entwickelte sich daraus ein intensiver Abschluss des dortigen Programms.

Saltatio Mortis
Den Schlusspunkt des M’era Luna 2026 setzten Saltatio Mortis auf der Main Stage – und das im wahrsten Sinne des Wortes mit reichlich Feuer.
Bereits bei „We Might Be Giants“ und „Wo sind die Clowns“ schossen massive Flammen über die Bühne und sorgten dafür, dass selbst die langsam sinkenden Temperaturen kaum auffielen. Das Set war deutlich vom aktuellen „Finsterwacht“-Konzept geprägt und führte unter anderem über „Loki“ und „Heimdall“.
Alea der Bescheidene war dabei nahezu permanent in Bewegung. Es gab gemeinsame „Skål!“-Rufe mit dem bandeigenen Skaldenmet, Circle Pits und schließlich einen der Bilderbuchmomente des Festivals: Bei „My Mother Told Me“ ließ sich Alea in einem aufblasbaren Drachenboot über die Menge tragen.
Zum Abschluss ging es noch einmal durch den kompletten Graben zum Abklatschen mit den Fans. Nach zwei Tagen voller Hitze, Staub und Musik war das ein ziemlich passender Schlusspunkt unter das M’era Luna 2026.
Fazit zum M’era Luna 2026
Das M’era Luna 2026 war vor allem eines: heiß. Sehr heiß. Der trockene Flugplatz sorgte zusätzlich dafür, dass Staub spätestens am Nachmittag praktisch überall war. Dass die Stimmung darunter kaum litt, spricht für das Festival und sein Publikum.
Musikalisch bot das Wochenende erneut die gewohnt breite Mischung aus Gothic, Dark Wave, Synthpop, EBM, Industrial, Rock und Metal. Dabei funktionierten die kleinen Kontraste oft besonders gut: Zwischen Combichrist und White Lies, Stahlmann und Floor Jansen oder Lacrimosa und Die Krupps wechselte nicht nur der Sound, sondern teilweise die komplette Atmosphäre vor den Bühnen.
Abseits der Musik bleibt das M’era Luna aber vor allem ein großes Szenetreffen. Man trifft bekannte Gesichter, entdeckt neue Bands, läuft über den Mittelaltermarkt, schaut sich Outfits an, bleibt irgendwo hängen und stellt irgendwann fest, dass die nächste Band eigentlich schon angefangen hat.
Auch organisatorisch hinterließ das M’era Luna 2026 einen guten Eindruck. Gerade angesichts der hohen Temperaturen waren die Wasserstellen wichtig, und das breite gastronomische Angebot machte es vergleichsweise einfach, sich über den Tag zu versorgen.
Am Ende bleiben zwei sehr volle Festivaltage, jede Menge Staub in wirklich jeder denkbaren Ritze und viele gute Konzerte. Das M’era Luna 2026 war ein gutes Festival mit guter Stimmung – und für 2027 stehen bereits genügend Namen fest, um den nächsten Besuch in Hildesheim einzuplanen.























