Nightwish – Human II NatureDas neunte Album der Symphonic-Metal-Institution Nightwish wurde auf sämtlichen Kanälen angekündigt und gehört zweifelsohne zu einer der begehrtsten Neuerscheinungen des Jahres 2020. Auch wenn der Corona-Virus derzeit einen Strich durch Listening-Sessions oder andere Möglichkeiten macht, ist „Human II Nature“ die willkommene Abwechslung in einer ungewöhnlichen Zeit. Die Doppel-CD besteht aus einem Teil mit Gesang, während sich die zweite CD ausschließlich mit Instrumental-Titeln schmückt.

Music“ empfängt den Zuhörer leise, fast unbemerkt, ehe sich der typische Nightwish-Sound entwickelt und eine kraftvolle Nummer erschafft, die einfach Spaß macht und deutlich zeigt, dass man im Hause dieser Band immer noch jede Menge Ideen hat und diese auch unbedingt umsetzen woll. Die Vorab-Single „Noise“ ist bereits gut bekannt. Die kritische Abrechnung mit einem Leben, das sich mittlerweile fast nur noch online abzuspielen scheint, ist ein absoluter Anspieltipp, da sich hier einfach einmal mehr die musikalische Klasse von Nightwish zeigt. Der „Shoemaker“ gehört zu einem Konzert einfach dazu. Eingängige Riffs, ein fast hypnotischer Gesang und unglaubchliche Spielfreude kennzeichnen diesen Beitrag. Mit „Harvest“ findet sich ein eher schwächerer Track auf der Tracklist. Eine Ballade, die sicher ihre Liebhaber finden wird, für die eigenen Maßstäbe dieser Band allerdings unterdurchschnittlich. „Pan“ startet gut durch, braucht aber einige Durchläufe, ehe man die gesamten Details wirklich erfassen kann. Kein schneller Hitgenuss, sondern etwas Zeit sollte man sich einplanen. „How’s The Heart?“ lässt die Konkurenz hingegen wieder erbleichen. Eine perfekte Mid-Tempo-Nummer, die sich im Laufe des Songs immer weiter steigert und eine ungewöhnliche Anziehungskraft entwickelt.
Hier hört man Nightwish von der besten Seite. Nachdenklich und tiefgründig wird es bei „Procession“. Die Melodie packt den Album-Käufer zwar sofort, allerdings braucht einige Runden ehe man sich in diesem Track wirklich zuhause fühlt. Ein echtes Brett ist „Tribal“. Untermalt mit Stammesgesängen schafft es dieser Beitrag als gelungenes Experiment bezeichnet zu werden. Nicht zu zahm, aber auch nicht überladen mit Heavy-Elementen, sondern immer für eine Überraschung gut. Alleine die Tempiwechsel bekommt keine andere Band derart geschickt hin, wie die finnischen Symphonic-Metaler um Floor Jansen. Etwas Gänsehaut wird zum Ende in Form von „Endlessness“ geboten. Ein Epos, der keinen Vergleich scheuen muss. Sicherlich wäre es auch unfair mit „The Greatest Show On Earth“ hier ein Kräftemessen durchzuführen. „Endlessness“ ist anders als sein Vorgänger, aber nicht weniger epischer. Nightwish in Reinform.

Die zweite CD wird nicht „Track-by-Track“ besprochen, da es sich um ein Gesamtkunstwerk, das man einfach nicht nach den üblichen Songkritiken bewerten kann.

Fazit: Nightwish liefern einmal mehr ab. „Human II Nature“ ist ein großartiges Werk, das die logische Weiterentwicklung dieser Band zeigt. Floor tritt etwas in den Hintergrund und erschafft dennoch Gesangsleistungen, die einfach einzigartig sind. Das Songwriting ist mehr als gelungen. Mit dieser Veröffentlichung verweisen Nightwish die Konkurenz auf die hinteren Plätze und beweisen, weshalb die Band seit vielen Jahren den Ton und die Maßstäbe in diesem Subgenre setzt.