Und noch einmal bekam ich die Möglichkeit, eine Rezension zu den geremasterten Meisterwerken von Led Zeppelin zu schreiben. Diesmal ist Coda an der Reihe. Das Album erschien 1982 und ist damit knapp älter als ich. Die Songs stammen jedoch aus dem Jahrzehnt davor, also den wilden Siebzigern.
Artwork: Die 3-CD-Deluxe Edition kommt auch mit 3D-bedrucktem Digipack. Auf dem Cover schlicht der Schriftzug Coda. Wenn man die Hülle aufklappt bekommt man Einblick in spannende Fotos der Band, die aus der damaligen Zeit stammen. Im Booklet noch einmal mehr Fotos. Sehr nett zum Schmökern. Wie auch bei den letzten neu gemasterten Alben sind auch hier die CDs mit dem fallenden Engeln (dem Markenzeichen der Band) bedruckt.
Tonqualität: Das Album klingt so super abgemischt, als wäre es gerade erst im Studio eingespielt worden. Der Gesang von Robert Plant und die Instrumente kommen rüber als würde die Band direkt in meinem Wohnzimmer jammen. Der Klang ist nicht steril, sondern passt perfekt zum Blues-Rock Sound der Band. Die beiden Bonus CDs klingen auch gut, sind aber nicht ganz so sauber abgemischt.
Musik: „We‘re Gonna Groove“ ist der perfekte Opener für das Album. Der Song geht von 0 auf 100 direkt mit fettem Blues-Rock los. Bämbämbäm knallt das Schlagzeug rein und der Robert Plant kreischt sich die Seele aus dem Leibe. „Poor Tom“ ist von den Instrumenten her auch sehr aggressiv, doch die Stimme des Frontmanns erzählt den größten Teil des Liedes eher eine spannende, weniger aggressive, Geschichte. Dazwischen lockert eine kreischen Mundharmonika das Ganze etwas auf. „I Can‘t Quit You Baby“ ist dann noch mal eine ganz schwere, behäbige Blues-Rock Nummer. Die einzelnen Riffs scheinen wie mit Kaugummi aneinander geklebt zu sein. Dadurch ist der Song schon ziemlich anstrengend zu hören, aber irgendwie kann man diese düstere Stimmung auch sehr schön genießen. Das Lied ist keine klassische logisch aufgebaute Nummer, sondern klingt durch die die Tempowechsel eher wie aus einer Jamsession heraus entstanden. „Walter‘s Walk“ ist mein absoluter Lieblingshit des Albums. Auch hier geht es wie beim Opener direkt von 0 auf 100. Schlagzeug und Gitarre liefern sich ein Wettrennen und einen herrlichen Kampf, wer denn die Oberhand gewinnt. Dabei ist doch völlig klar, dass hier der Gesang im Vordergrund steht. Robert Plants Stimme wird in einigen Passagen auch noch herrlich verzerrt. Weiterhin füllt der Frontmann einige Textlücken einfach mit den verschiedensten Stimmvariationen, die ihm gerade einfallen – genial. Hier merkt man, dass Led Zeppelin wirklich einen wichtigen Einfluss auf kommende Generationen von Metalmusikern hatten. Die Übernächste Nummer „Darlene“ ist dann noch mal eine Klassik-Rock Nummer. Dieses Lied zeichnet sich durch das fein akzentuierte Klavierspiel im Hintergrund aus. Tja, und macht einfach nur Spaß beim Hören. „Bonzo‘s Montreax“ fällt dann völlig aus der Reihe. Die ersten Minuten sind ein reines Schlagzeugsolo zu dem sich bald ein Keyboard gesellt. Es macht Bock zu hören, dabei ist aber sicherlich diskutabel, ob man das auf einem Album braucht oder es einfach Live-Alben vorbehalten sein sollte. Denn Live auf einem Konzert wäre es klasse. „Wearing And Tearing“ rundet das Album perfekt ab. Hier geht es noch mal mit Vollgas durch einen Song, der ein Grundstein der Entwicklung des Trash-Metal sein kann.
Die zweite CD präsentiert einige Alternative Mixe. Ganz nett anzuhören, aber ich finde persönlich, dass es nur als Füllmaterial dient.
Bei der dritten CD habe ich mich erst nach ihrer Daseinsberechtigung gefragt. Doch nach einigen Malen Hören habe ich auch eine Meinung dazu. Die ersten Songs klingen als wären sie auf einem Drogentrip in Indien entstanden. Es klingt seltsam und anstrengend. Ab und an macht es Spaß, dies zu hören, doch man braucht wirklich Ruhe dazu. Gegen Ende bekommt man eher Rocksongs, die wie von einer Jamsession stammen. Hier hat die Band wirklich tief in den Archiven gewühlt und altes Material zusammengekratzt.
Fazit: Mit Coda haben Led Zeppelin ihre vorletzte CD der Remaster-Reihe auf den Markt gebracht. Das Album besticht durch eine feine Blues-Rock-Nummern, die aber letztlich nicht für den Mainstream taugen. Die Bonus CDs sind recht spannend, aber hauen mich persönlich nicht vom Hocker. Der Käufer kann somit seine Sammlung von Led Zeppelin weiter vervollständigen und für richtige Fans gibt es musikalisch einiges zu entdecken!














