„Die beste Band der Welt“ kommt bekanntermaßen aus Berlin und von der „lautesten Band der Welt“ aus dem fernen Amerika hat vermutlich auch schon der eine oder andere gehört. Doch „gut und laut“ sind vielleicht schon bald Schnee von gestern, denn aus der schönen Hafenstadt Hamburg meldet sich nun die „bunteste Band der Welt“ zu Wort und das mit dem vollkommen unbescheidenen Ziel, die ganze Welt mit ihrem Glamrock und nicht zu vergessen, ihrer ganz persönlichen Vorstellung von Mode zu infizieren.

Rein optisch verkörpern „The Pleasures“ die bizarre Vorstellung gemeinsam adoptierter Kinder von Schockrock-Urgestein Alice Cooper und dem legendären Frank´n´Furter aus der Rocky Horror Picture Show. Und wenn wir diesen Gedanken mal einen Moment weiterspinnen wollen – was würde wohl aus 5 kleinen Jungen werden, die unter der Obhut dieser beiden Koryphäen aufwachsen dürften? Ganz klar – Sie würden natürlich nicht nur einen ausgeprägten Faible für schrecklich-schöne Kleidung und extravagantes Make-up entwickeln, sondern auch zu fantastischen und ambitionierten Musikern heranwachsen.

Nun, die genauen Familienverhältnisse von Dancette, Lord, Neo Patra, Sensai und Disco Pleasure lassen sich an dieser Stelle leider nicht zu hundert Prozent klären. Dass wir es hier allerdings zweifelsfrei mit echten und überaus talentierten Vollblutmusikern zu tun haben, offenbart sich dafür umso schneller.

Denn mit ihrem aktuellen Doppelalbum, mit dem kurzen, aber klangvollen Titel „Oh Yeah“ gelingt den Hamburgern ein Kunststück, an dem sogar alte Hasen des Musikgenres immer wieder „erfolgreich“ scheitern. The Pleasures liefern hier insgesamt 24 unglaubliche Songs ab, von denen tatsächlich nicht ein einziger in die Kategorie Lückenfüller, oder B-Seiten Material fällt. Egal ob rockige Stücke, fröhlich, beschwingt interpretierte Nummern oder fast balladesk klingende Momente, dank stets eingängiger Melodien, setzen sich die einzelnen Songs schon beim ersten Hören im Gehörgang fest und lassen einen einfach nicht mehr los. Einen Favoriten unter den einzelnen Stücken auszumachen, fällt genauso schwer, wie eine einwandfreie Kategorisierung des eigentlichen Musikstils, den die Glamrocker hier präsentieren. Doch dieser bewusst gewählte Facettenreichtum macht nun mal den ganz besonderen Charme von „Oh Yeah“ aus, beweisen die Musiker doch dadurch eindrucksvoll, dass sie sich an keinerlei Konventionen stören und genau die Songs schreiben, die ihnen auf der Seele brennen. Und dabei glänzen The Pleasures wirklich in jeder Hinsicht.

Auch nach mehrmaligem Hören wird man einfach nicht müde, die Repeattaste zu betätigen, wenn sich der letzte Song dem Ende neigt und so muss man kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass „Oh Yeah“ dank seiner Vielschichtigkeit zu den Ausnahmewerken gehört, denen es ein leichtes sein dürfte, auch genreübergreifend Erfolge zu verzeichnen. Egal ob Glam-, Sleaze-, Rock- oder waschechter Gothicfan, hier ist für jeden Geschmack und jede Stimmung genau der richtige Ton vertreten. Nicht zuletzt konnte für den Song „Yes means yes and no means harder“ der Frontman von Big Boy (einer weiteren Glamrockband, der es spätestens nach Auftritten auf dem WGT und dem M´era Luna Festival gelungen ist erfolgreich Fuss in der schwarzen Szene zu fassen) als Gastsänger gewonnen werden.

Fazit: „Oh Yeah“ ist nicht bloss eine Empfehlung für Leute, die auch mal ein wenig über den Tellerrand gucken möchten, sondern definitiv eines der stärksten Alben, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt haben. Allein ein Liveauftritt dieser schillernden Combo dürfte dieses musikalische Highlight noch toppen können. Dieser Silberling ist wirklich ganz grosses Kino – bitte mehr davon!

Das Album selbst kann über die offizielle Homepage, oder aber die mySpace Präsenz der Band geordert werden.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.