Unfassbar aber wahr. In diesem Jahr kann die Mittelalter-Folk-Rock Band Schandmaul bereits ihr 10 jähriges Bühnenjubiläum feiern. Neben dem für den 14. November geplanten Jubiläumskonzert im Münchener Zenit zählt für die inzwischen unzähligen Fans dieser Formation natürlich die Veröffentlichung des inzwischen sechsten Studioalbums zu den ganz grossen Highlights dieses Jahres.

„Anderswelt“ heisst der aktuellste Output aus dem Hause Schandmaul, knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung des letzten Werkes „Mit Leib und Seele“. Anders als wir es von Schandmaul erwarten würden, ist das Ergebnis zwar nicht wirklich geworden, aber anders als die Welt, die wir im allgemeinen Realität nennen, ist das Reich in welches uns die sechs Münchener ein weiteres mal entführen wollen, natürlich allemale.

Schandmaul erzählen kleine, fantasievolle, wenn auch nicht immer glückselige Märchen von Kriegern, Prinzessinnen oder aber auch Wolfsmenschen. Stets mit einem Augenzwinkern präsentiert, laufen die insgesamt nicht wirklich neuen Themen aber auch im sechsten Anlauf zu keinem Zeitpunkt Gefahr ins Kitschige abzudriften, sondern gehören einfach zu Schandmaul dazu, wie der schwarze Turm zur bösen Königin.

Die Texte charmant, die Melodien gewohnt eingängig, werden die insgesamt 14 Songs zu einem nicht unerheblichen Teil von Thomas Lindners fesselndem Erzählgesang getragen. Bei der Wahl der Instrumentierung und der stilistischen Arrangements gibt man sich betont vielseitig. Das Spektrum der eingesetzen Instrumente reicht hier, wie es sich für eine echte Mittelalter-Folk-Band gehört, von Dudelsack, Drehleier, Bratsche und Schalmeien bis hinzu Kontrabass, E-Bass und klassischer Gitarre, um nur einige zu nennen. Weiterhin wurde, nach Aussagen der Band, und das wohl nicht ohne Stolz, auf jeglichen Sound aus der Dose, wie beispielsweise Synthesizer und Konsorten, gänzlich verzichtet und zu hundert Prozent auf reine Handarbeit gesetzt.

Das Ergebnis lässt sich wirklich hören und verfügt neben jeder Menge Emotionen auch über eine bestechende Dynamik innerhalb der einzelnen Stücke, so dass auch nach mehrmaligem Hören garantiert keine Langeweile droht, sondern man vielmehr in den Genuss kommt, immer wieder neue, bislang noch unentdeckte Finessen erlauschen zu können.

Auch wenn fröhlichere kraftvollere Lieder und düstere Momenten hier harmonisch ineinander übergehen, die vorherrschende Grundstimmung auf „Anderswelt“ kann man guten Gewissens irgendwo zwischen melancholisch und nachdenklich stimmend einordnen. Ein bisschen mehr an Härte und Rockattitüde hätte bestimmt keinen Schaden angerichtet, aber vermutlich versucht man sich hier ganz bewusst von anderen Bands dieses Genres abzugrenzen und setzt deshalb umso deutlicher auf den folkig süsslichen Background.

Alles in allem liefern die Schandmäuler mit „Anderswelt“ erneut ein absolut stimmiges Album ab, das sich definitiv nicht hinter seinen Vorgängern verstecken muss. Konsequent beschreitet die Band auch im Jahr 2008 noch immer den Weg, den sie bereits vor 10 Jahren eingeschlagen hat und der Erfolg gibt den Musikern einfach Recht.
Wer sich bislang noch nicht für dieses Musikgenre erwärmen konnte, wird wohl auch mit diesem Album nicht überzeugt werden können. Für Schandmaul Fans und Freunde charmanter Folk-Rock Klänge ist dieses Album aber ein absolutes Muss.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.