Manchmal scheint sich die Welt so schnell zu drehen, dass es einem schwindelig werden könnte. Trends kommen und gehen. Musiker und Bands erscheinen aus dem Nichts, um kurze Zeit später auch schon wieder auf nimmer Wiedersehen in der Versenkung zu verschwinden. Andere Künstler wiederum belieben mit der Vergangenheit zu brechen und erfinden sich quasi mit jeder Albumveröffentlichung wieder neu.
Wie gut, dass es da doch noch einigen wenigen in dieser schnelllebigen Zeit gelingt, an alten Werten fest zu halten und den muskikalischen Wurzeln nicht nur über Jahre, sondern sogar über Jahrzehnte hinweg treu zu bleiben.
Zu diesen Ausnahmemusikern zählt natürlich auch Horror-Rock-Urgestein Alice Cooper. Nicht nur, dass dieser Mann bereits seit 30 Jahren demselben Visagisten zu vertrauen scheint. Nein, mit seinem inzwischen 25. Studioalbum mit dem Titel „Along came a spider“ beweist diese Legende des Musikgeschäfts, dass solide Rockmusik mit dem Charme der Endsiebziger auch heute noch genauso gut funktioniert wie anno dazumal.
Doch genug der Sentimentalitäten, kehren wir zurück ins Jahr 2008. Was genau bietet uns der Meister mit seinem neusten Silberling, nach drei langen Jahren Schaffenspause? „Along came a spider“ entpuppt sich rasch als waschechtes Konzeptalbum. Die insgesamt 11 Songs mit einer Gesamtspielzeit von knapp einer Dreiviertelstunde bauen thematisch aufeinander auf und erzählen Stück für Stück die skurile, weil einerseits finstere, aber gleichzeitig auch schwarzhumorige Geschichte des Serienmörders Spider, der sich schlussendlich in eines seiner Opfer verlieben wird.
Musikalisch setzt Mister Cooper natürlich zu 100% auf die altbewährte Mischung aus Garagen-, Glam- und Hardrock. Nette Melodien, perfekte Arrangements und erdige Gitarren werden hierbei durch eine moderne Produktion abgerundet. Mit Slash, dem Gitarristen der ebenfalls legendären Band Guns´n Roses, der sich für das Gitarrenspiel in „Vengeance is mine“ verantwortlich zeigt, sowie niemand geringerem als Ozzy Osbourne persönlich als Co-Songwriter, konnten zudem hochklassige Mitstreiter für dieses Projekt gewonnen werden.
Doch obwohl „Along came a spider“ mehr als gefällig in den Ohren klingt, weist dieses Album eine kleine, aber leider nicht unwesentliche Schwachstelle auf. Es fehlt der grosse Hit, der Ohrwum, den man einmal gehört, einfach nicht mehr vergessen kann und will. Natürlich ertappt man sich früher oder später, wie man heimlich beginnt, den Refrain von „Vengeance is mine“ mitzusummen, zweifelsfrei auch das beste Stück auf dem Album. Doch im Gesamtbild betrachtet fällt es den einzelnen Songs leider schon etwas schwer, richtig zu zünden. Manchmal scheint es fast so, als hätte man hier mehr Wert auf das Erzählen der Story, als auf die musikalische Umsetzung gelegt und die Musik selbst diene nur als unterhaltsamer Soundtrack für einen nervenaufreibenden Psychothriller.
„Along came a spider“ ist vermutlich mehr ein Album für echte Fans, als für Leute, die Alice Cooper nur von Klassikern wie „Poison“, oder „School is out“ her kennen. Doch da ein echter Rockstar wie es Alice Cooper nun mal ist, vermutlich auch über eine aussreichende Anzahl „echter“ Fans verfügen dürfte, müssen wir uns über Absatzzahlen des neusten Silberlings wohl keine allzu grossen Gedanken machen. Stattdessen freuen wir uns heimlich lieber schonmal auf das nächste Album aus dem Hause des Meisters, welches dann hoffentlich auch wieder den einen oder anderen Überflieger-Song ans Tageslicht befördern wird.












