Zwei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum meldet sich die britische Band rund um den ehemaligen Deep Purple Gitarristen Ritchie Blackmore und dessen Lebensgefährtin Candice Night mit ihrem neuen Werk „Secret Voyage“ zurück und will damit auf eine musikalische Reise durch Zeit und Raum einladen. Seit über zehn Jahren veröffentlichen Blackmore´s Night nun schon in regelmäßigen Abständen ihre musikalischen Ideen von einer schöneren, weil harmonischeren Welt. Abgesehen von diversen Konzertalben, Singleauskopplungen und DVD-Projekten erscheint mit „Secret Voyage“ nun am 27. Juni 2008 das inzwischen siebte Studioalbum aus dem Hause Blackmore`s Night.

Blackmore´s Night sind eine der wenigen Bands, die es auch nach dieser langen Zeit geschafft haben, ihrem Stil treu zu bleiben und diesen konsequent über alle Veröffentlichungen hinweg beizubehalten. So überrascht es wenig, dass sich daran auch im Jahre 2008 eigentlich nichts geändert hat. Mit „Secret Voyage“ huldigen Ritchie und Candice ein weiteres mal ihrer grossen, gemeinsamen Liebe – der Renaissance Musik.

Die „geheime Reise“ beginnt zunächst instrumental mit dem Introsong „God save the keg“. Die ersten leisen Klänge mittelalterlicher Bauerninstrumente weichen im Verlaufe dieses Openers einem bombastischen Soundkonstrukt, um schliesslich mit dunklen Orgelklängen und einer kurzen sakralen Gesangseinlage zu enden. „God save the keg“ ist einem kleinen Fässchen Bier gewidmet und wenn man der Band glauben will, auch unter dem Einfuss von Selbigem geschrieben worden. Tatsache ist, das Lied bildet die perfekte Einleitung für die insgesamt 12 Songs, die uns die Briten hier auf gut 50 Minuten verteilt präsentieren.

Fast nahtlos geht der Opener dann in den zweiten Song „Locked with the Crystal Ball“ über, der eindeutig einer der stärksten Tracks dieses Albums ist.
Unverkennbar spürt man hier Ritchie Blackmores musikalische Verwurzelung in den frühen 90er Jahren. Die flotte Melodie in Kombination mit Candice Nights Gesang erinnert stark an Mike Oldfield und seine Werke. Etwas poplastig und dennoch rockig, werden insbesondere die Gitarrenparts für grosse Freude bei Liebhabern dieses Genres sorgen.

Deutlich ruhiger, fast zerbrechlich geht es dann ersteinmal mit der Ballade „Gilded Cage“ weiter, bevor der nächste Song wieder eine ganz andere Richtung einschlägt.

„Toast to tommorow“ beginnt zunächst mit einem orientalisch angehauchten Intro, um schliesslich in einem fröhlichen Schunkelsong, der an eine russische Polka erinnern will, auszuufern. „Toast to tommorow“ ist ein absolut eingängiger Song geworden, der sich live gespielt schnell zu einem absoluten Publikumsliebling und Feiersong entwickeln dürfte. Bei aller Harmonie und Romantik, die sich wie ein roter Faden durch die Musik von Blackmore´s Night zieht, kann man der Band trotzdem nicht den Vorwurf der Eintönigkeit machen. Die Verschmelzung mittelalterlicher Instrumente mit elektronischem, aber auch akustischem Gitarrenspiel, erweist sich in Kombination mit traditionellen Meldodien aus verschiedenen Ecken der Welt immer wieder als erfrischend abwechslungsreich.

Ähnlich experimentierfreudig zeigen sich Blackmore´s Night bei der Wahl ihrer Coversongs.
Denn neben 10 neuen Songs haben auch zwei Coverstücke den Weg auf das aktuelle Album geschafft. Zum einen wäre da „Rainbow eyes“ zu erwähnen. Ein Titel, der im Original von der von Ritchie Blackmore im Jahr 1975 gegründeten Band Rainbow stammt und jetzt auf Wunsch vieler Fans im folkloristischen Gewand von Blackmore´s Night neu interpretiert und aufgenommen wurde. Doch während diese Interpretation dem Ursprungssong noch zu schmeicheln weiss, klingt der zweite Coversong, den wir auf dem Album vorfinden „müssen“, leider mehr als nur gewöhnungsbedürftig in den Ohren. Mit „Can´t help falling in love“ hat man sich hier an einen der grössten Elvis Klassiker schlechthin gewagt und sowas kann ja eigentlich nur schief gehen. Zu poppig, zu optimistisch, einfach irgendwie unpassend klingen hier sowohl Musik, als auch Gesang. Während Ritchie und Candice doch so oft auf sanfte Klänge und Kuschelfaktor setzen, hat man sich hier genau für das Gegenteil entschieden. Wobei, das muss man ehrlich zugeben, wohl auch eine ruhigere Version keine Lorbeeren hätte ernten können. Der King bleibt nun mal der King und somit einfach unantastbar. Dann doch bitte lieber bei Prinzen bleiben, wie bei dem mittelalterlischen Instrumentalstück „Prince Waldeck´s Galliard“.

Oftmals müssen sich Blackmore´s Night mit dem Vorwurf auseinandersetzen, mit ihrem sanften Folklore-Renaissance-Rock für die heutige Zeit zu süsslich, zu glatt und einfach viel zu kitschig zu sein. Genaugenommen kann man dem nicht wirklich etwas entgegensetzen. Denn genau das sind Blackmore´s Night tatsächlich – süss und superkitschig. Aber genau das macht nun mal den unvergleichlichen Charme dieser Band aus. Eine bezaubernde Sängerin mit lieblicher Stimme und ein vielleicht etwas in die Jahre gekommener Gitarrist, die idealerweise auch noch ein glückliches Liebespaar darstellen, bauen mit ihrer Musik eine romantische Welt aus rosa Zuckerwatte auf, die so herzlich und rein klingt, dass man sie einfach lieben muss.

Und wenn die beiden versprechen, sich in Zukunft nicht mehr an Elvis Presley Songs zu vergreifen, wollen wir uns schon jetzt auf viele weitere Alben von Blackmore´s Night freuen, die uns ein wenig von einer besseren Welt träumen lassen können …

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.