Lange drei Jahre mussten sich die Fans der Mittelalterrocker von In Extremo in Geduld üben. Nun meldeten sich die Sangesbarden aus dem schönen Thüringen in diesem Mai endlich mit dem Nachfolger zu „Mein rasend Herz“, aus dem Jahr 2005 zurück. „Sängerkrieg“ heisst der neue Silberling aus dem Hause In Extremo. Ein Titel, der zweifelsfrei in Anlehnung an einen mittelalterlichen Dichter- und Sangeswettstreit aus dem 13. Jarhundert, der noch heute als Sänger-, oder auch Wartburgkrieg bekannt ist, gewählt wurde.

Ob In Extremo mit ihrem aktuellen Album einen neuen „Krieg der Sänger“ heraufbeschwören können, oder wollen, oder sich hinter dieser Titelwahl eine Anspielung, oder gar eine neue Kampfansage an den nächsten „Bundes Vision Songcontest“ verbirgt, bleibt rein spekulativ und lässt sich an dieser Stelle leider nicht klären.

Fest hingegen steht, dass In Extremo mit ihrem inzwischen neunten Studioalbum mal wieder einen eleganten Richtungswechsel vorlegen und alleine deshalb schon unter den Fans wohl ein weiteres mal für Unstimmigkeiten und gespaltene Lager sorgen dürften. Während das letzte Album, frei nach der Devise, „Nicht Kleckern, sondern Klotzen“, mit bombastischen Soundkonstrukten und sogar Ausflügen in elektronische Gefilde aufwarten konnte, präsentieren uns In Extremo mit „Sängerkrieg“ jetzt ein absolut geradliniges Album, das mit straighten Gitarrenwänden und rotziger Attitüde schon fast ein wenig punklastig anmuten will. In Extremo wären natürlich nicht In Extremo, wenn sie nicht auch weiterhin wie gewohnt mittelalterliche mit modernen Rockinstrumenten mischen würden. Doch muss man ganz klar sagen, dass Schalmey, Drehleier und Co hier stark in den Hintergrund getreten sind, um der modernen Instrumentierung den Vortritt zu lassen.
Trotzallem gelingt es den sieben Musikern, die zum ersten mal als komplettes Team am gesamten Songwritingprozess beteiligt waren, sich fast überraschend abwechslungsreich zu präsentieren. Und das nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf sprachlicher Ebene. Während sich flotte Midtemposongs und ruhigere Momente harmonisch abwechseln, reicht das sprachliche Repertoire von Deutsch über Spanisch bis hin zu Estnisch und schlussendlich sogar Englisch, in Form des Coversong „An End has an Start“ der Editors. Während bei Letzterem der Funke leider irgendwie nicht so richtig rüber springen will – Englisch scheint einfach keine glückliche Sprache für Mittelalterrock zu sein – sind es gerade die flotten Nummern kombiniert mit der markanten Stimme des Sängers mit dem klangvollen Namen „Das letzte Einhorn“, die auch bei „Sängerkrieg“ den ganz besonderen Charme von In Extremo ausmachen. Allen voran der rockig-freche Opener „Sieben Köche“, der sich vom Ohrwurmpotential keinesfalls hinter Klassikern wie „Vollmond“ oder „Spielmannsfluch“. verstecken muss. Und spätestens mit dem kleinen Mittelalter-Schmankerl „Requiem“ huldigt man dann doch wieder der guten alten „Vergangenheit“ und dürfte die Liebhaber von Schalmey und Drehleier zumindest ein wenig besänftigt haben.

14 Songs mit einer Gesamtspielzeit von gut 55 Minuten zeigen die Rocker von In Extremo von einer betont lässigen und frischen Seite. Zwar verbirgt sich hier nicht hinter jedem Track ein potentieller Ohrwum, aber die Songs, die wirklich zünden und mit Mitsing-Refrains zum Tanzen, Singen und Feiern einladen, können absolut überzeugen und beweisen eindrucksvoll, dass In Extremo auch nach stolzen 13 Jahren Bandgeschichte noch immer ein spannender und vorallem nicht zu unterschätzender Bestandteil dieses Musikgenres sind.

„Sängerkrieg“ ist neben der regulären Albumversion als Special Edition, inklusive einer DVD, sowie in einer Special Edition Deluxe, die zusätzlich auch noch ein T-Shirt beinhaltet, erhältlich.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.