Alle Jahre wieder, pünktlich zur Frühjahrszeit, beehrt uns Herr Ratzinger, besser unter seinem Projektnamen :Wumpscut: bekannt, mit einem neuen Album.
Gab es im letzten Jahr den „Body Census“ auf die Ohren (Mindbreed berichtete), so hört sein neuestes Werk in 2008 auf den klangvollen Namen „Schädling„.
Den einen mag dieser regelmäßige musikalische Output freuen, andere wiederum bemängeln den fast jährlichen Stilwandel Ratzingers und eine Verweichligung der
einst so harten Industrialtracks. Und um es vorweg zu nehmen: Auch an „Schädling“ werden sich die Geister scheiden.
Los geht es mit „Rusty Nails From Hell“, einem rauen und verhältnismäßig monotonen Opener, welcher auf einer Spielzeit von fast 5 Minuten nicht wirklich Abwechslung bietet.
„Schäbiger Lump“ bedient sich von Sprachsamples von Roland Freisler, seines Zeichens berüchtigter Strafrichter im Nationalsozialismus und verantwortlich für unzählige Todesurteile. Während das Stück von der musikalischen Seite eher unspektakulär ist, gießt Ratzinger damit erneut Öl in das Feuer derjenigen, die ihm bereits nach dem Blutharsch Remix von „Achtung“ („Preferential Tribe“ Compilation, 2003), der Sprachsamples von Hitler und Goebbels enthält, faschistoide Tendenzen vorwarfen.
Mit „Rifki“ tritt ein erster clubtauglicher Track auf den Plan, der mit EBM ähnlichen Elementen für etwas Abwechslung, mit einer stark wechselnden Beatline jedoch auch für Irritationen sorgt.
„Break The Seal“ und „Hard To Bear“ treten auf diesem Silberling als reine Instrumentalstücke auf, und erinnern von Stil her an das 2005 erschienene Werk „Evoke„, mit eher ruhiger und melancholischer Grundtendenz. Dennoch oder gerade deswegen ist vor allem „Hard To Bear“ eine willkommene Abwechslung, welches einen hohen „Wiederspielwert“ aufweist.
Nach „Spuuk (Now Is Over)“ ist der Spuk noch nicht vorbei, auch wenn man es sich nach diesem Stück vielleicht wünscht. Absurde Klangkonstrukte sind wir ja von :Wumpscut: gewohnt, hier ist das Ergebnis jedoch alles andere als gelungen.
Während „Moloch“ sich als mit insgesamt rund 7 Minuten Spielzeit eher in den Einheitsbrei des bisher gehörten einfügt, schafft es „Voodoo Void“ durchaus zu überraschen. Interessante und orientalisch anmutende Klänge bringen einen angenehmen Kontrast mit sich und fügen sich mit den geflüsterten Lyrics zu einem durchaus hörenswerten Gesamtwerk.
Zum Abschluss bietet „Nest“ ein durchwachsenes aber insgesamt gefälliges Industrialstück, welches jedoch weder von Innovation noch von Experimentierfreudigkeit zeugt. Mittelmaß, nicht mehr und nicht weniger.
Was bleibt nach dem Durchhören von „Schädling„?
Zunächst einmal ein irritiertes Grundgefühl, so recht weiß man nicht, was man jetzt vom dem Gehörten halten soll. Kein musikalischer roter Faden, wenig abwechslungsreiche und zunehmend minimalistische Tendenzen dürften bei den einen für helle Freude, bei anderen für Missmut sorgen.
Aber wer die letzten Veröffentlichungen aus dem Hause :Wumpscut: verfolgt hat – für den ist das nichts neues.












