Blutzukker, der Name ist wohl eher eine Verballhornung des englischen „Bloodsucker“, als eine Anleihe auf Blutzucker, ist ein noch kleines Aufsteigerprojekt aus Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich hierbei um zwei Männer und eine Frau, die zusammen eine Elektrorichtung spielen, die sie selbst auf Vampiric Dark Electro getauft haben.
Trotz dem das Trio noch kein einziges Album veröffentlicht hat, können sie schon auf eine überraschend umfangreiche gemeinsame Liveerfahrung zurückblicken. Seit 2005 standen Blutzukker schon gemeinsam mit bekannten Bands wie ASP oder K.D.A auf der Bühne. Doch noch erstaunlichere Wunder geschehen:
Das erste Album, welches den Namen „Digital Blood“ tragen wird, soll ab 4. August kostenlos als Download auf der Homepage der Band zur Verfügung stehen. Neben 9 eigenen Songs werden sich auf der Platte auch 5 Remixe befinden.
Das Album wird sich also in zwei Teile aufteilen. Diese Rezension wird sich allerdings nur auf den Hauptteil beziehen, da die Remixe leider noch nicht vorlagen.
„Was ist das für ein Radau?“, eine Phrase, die Blutzukker schon als Slogan nutzen, trifft auf die ersten drei Songs allerdings nur begrenzt zu. Tatsächlich blubbern der Titeltrack „digital blood“ sowie „mörderherz“ und vor allem „misanthropy“ ein wenig schwunglos vor sich hin. Zwar gibt es gute, tanzbare Beats in diesen Songs, aber der Synthesizer und auch die Stimme von Ben kommen hier noch ein wenig schwach herüber.
Zudem sind die Melodien, gerade bei „misanthropy“, sehr schlicht gehalten. Haben „mörderherz“ und „digital blood“ aber noch gute Tanzbeats, so wirkt „misanthropy“ sowohl musikalisch als auch textlich sumpfig-schleppend und irgendwie unmotiviert. Von dem motiviert-trippelnden Synthesizer und Schmiss des Openers ist hier keine Spur mehr. „mörderherz“ lockert sich selbst gekonnt mit einem kleinen Break zum Ende des Songs hin auf und wirft erstmal die Vocals der Sängerin PaleViolettEve ein, die Ben Blutzukkers tiefe Stimme erfrischend kontert.
Ein erstes Highlight des Albums und den Wendepunkt stellt „red“ dar. Der Synthesizer ist hier erstmals stärker und wirkt mehrschichtiger als zuvor. Ruhige, langsame Strophen, ein dynamischer Rhythmus und ein stimmiger Refrain machen diesen Song zu einem Hinhörer mit EBM-Flair.
Das darauf folgende „queen of the nite“ bildet mit seinen 7 Minuten das Herzstück von „Digital Blood“ und ist die Sternstunde für die Sängerin. Stiltechnisch erinnert dieser Song mit seinem gezogenen Synth und Gesang vielleicht an Stücke von Blutengel, ab der Mitte des Songs stellt sich allerdings eine Überraschung ein, denn ab jetzt gibt auch Ben Blutzukker Gas. Klang sein Sprachgesang zuvor noch ein wenig müde, erinnert er jetzt schon fast an Laibachs Milan Fras. Ein Umstand, der alle verbleibenden Songs stärken wird. Ansonsten fehlt aber auch hier wieder ein Quentchen Power im Synthesizer oder etwas mehr Variation. Irgendwie ist der Song zwar gut, schafft es aber nie ganz abzuheben. Vielleicht liegt es daran, dass der Synthesizer wieder nur im Hintergrund bleibt und ein starkes Lead-instrument fehlt, das die Singstimme noch unterstreichen und stärken würde.
Die nächsten zwei Highlights bilden „walpurgisnacht“, mit kräftig vorgetragenen Lyrics – teils englisch, teils deutsch – und „from hell“. Gerade die neu gefundene Stärke Ben Blutzukkers trägt viel dazu bei, dass diese beiden Songs überzeugen können. Auch der Synthesizer gibt mehr Gas und kracht fröhlicher vor sich hin, bleibt aber insgesamt noch recht zaghaft.
„antichristmas“ hat zwar einen sehr coolen Titel zu bieten, kann sich aber leider nicht mit den beiden Vorgängern messen. Schließlich endet das Album mit „duke of the nite“, einer Rückbeziehung auf das bereits erwähnte „queen of the nite“. Im Gegensatz zu ersterem ist der Graf aber sehr viel flotter unterwegs. Auch hier fällt wieder auf, dass der Synthesizer sehr im Hintergrund steht und nur eine begleitende Funktion hat obwohl nochmal richtig Gas gegeben wird.
Viel stärker im Vordergrund stehen hier die Beats und einmal mehr Ben Blutzukker, der noch einmal die Lyrics von „queen of the nite“ im Schnelldurchgang gibt. Ein wirklich führendes Element fehlt aber irgendwie.
Digital Blood ist ein solides Debut, das meiner Meinung nach aber ruhig ein wenig aggressiver hätte ausfallen können. Musikalisch zeigt die Band, dass sie eine gewisse Bandbreite drauf hat, sich nicht jeder Song zwangsläufig gleich anhören muss und dass sie ihr Handwerk gut verstehen. Die Texte beschäftigen sich hauptsächlich mit Vampirismus und erfinden das Rad nicht neu.
Stark ist vor allem Ben Blutzukkers Stimme auf der zweiten Hälfte der Platte. Man erhält hier solide Songs mit guten Beats und einem Synthesizer der sich vielleicht ein wenig zu sehr im Hintergrund hält und darf vor allem auf die noch kommenden Remixe gespannt sein.
Meine Anspieltips sind „digital blood“, „mörderherz“, „red“ und „walpurgisnacht“.
Wer Interesse bekommen hat, kann sich bereits jetzt einen kleinen Vorgeschmack auf Vampirefreaks oder Myspace verschaffen.
Das Album wird es ab dem 4. August als kostenlosen Download auf der offiziellen Bandhomepage geben.












