Nach fünf Jahren Aufnahmepause, meldet sich der Ex-Depeche Mode-Produzent und Keyboarder Alan Wilder, mit seinem Projekt Recoil, wieder zurück. Sein neues Werk heißt „subHuman“ und setzt sich mit der (Un)menschlichkeit auseinander.
Alan Wilder wurde bekannt durch seine 14-jährige Tätigkeit bei Depeche Mode. Ab Mitte der achtziger Jahre gab sich das damalige Mitglied nicht mehr nur mit den elektronischen Popklängen ab, sondern gründete sein Soloprojekt namens Recoil, um neue, musikalische Wege einzuschlagen. 1995 trennte sich Alan von Depeche Mode, um sich Recoil voll und ganz zu widmen. Alben wie „Unsounds Methods“ oder „Liquid“ entstanden, die durchweg positive Kritiken erhielten.
In dieser Zeit hatte Alan Wilder ein enormes Arbeitspensum. Zum einen musste der Solomusiker sein Studio mit neuer Technik einrichten und sich natürlich mit dieser vertraut machen. Neben dieser zeitaufwendigen Arbeit, stellte er neues Material zusammen und suchte zum anderen nach neuen Sängern.
Für die Produktion von „subHuman“, verpflichtete er den Bluesmusiker Joe Richardson. Joe ist für einen eigensinnigen, etwas finsteren Stil bekannt, der von kritischen Texten und minimalistischer Musikbegleitung geprägt ist. Später kam die Sängerin Carla Trevaskis dazu, die bereits Erfahrungen bei Kooperationen mit Bands wie Portishead oder Eurythmics sammelte.
Der Aufwand dieser Produktion scheint groß und das Endergebnis kann sich sehen lassen. „subHuman“ zeigt wirklich eine große Liebe zum Detail. Wer besonders viel Wert auf eine dunkle, leicht mystisch angehauchte Atmosphäre legt, dürfte mit diesem Album gut bedient sein. Die Musik basiert nicht nur auf reiner Computertechnik, sie zeigt auch Herz, dank der besonders passionierten Sänger.
Die Lieder klingen nach geistlichen Gesängen, als ob sie gebetet würden. Beten um eine bessere Welt, weit weg vom menschlichen Wahnsinn, wie man es besonders gut in dem Song „Prey“ hören kann. Joe leitet hier das Album mit einem bluesartigen Sprechgesang ein und einem minimalen Touch von Gospel, den man im Refrain heraushören kann. Die musikalische Begleitung beinhaltet verschiedenste Mittel: Instrumentalisierung, wie Schlagzeug oder Gitarren, sowie einfaches Händeklatschen.
Mehr Pep hat da schon der Track „The Killing Ground“, der besonders rhythmusfixiert ist. Percussion spielt hier eine wichtige Rolle. Außerdem beinhaltet es auch einen Hauch von Country im Stil von Helden wie Johnny Cash. Hier halten sich die elektronischen Elemente dezent im Hintergrund, wie eigentlich im Großteil des Albums. Dadurch hat „subHuman“ mehr etwas Alternatives als Elektronisches. Das beweist, dass Alan Wilder seinen eigenen Stil hat und sich von den alten Depeche-Mode-Zeiten schon lange abgegrenzt hat, was man von manchen Solisten aus früheren Bands nicht behaupten kann.
Auch Sängerin Carla sorgt mit ihrer markanten Stimme für hohen Wiedererkennungswert. „Allelujah“ wird von ihr mit einem Echo-Gesang, sanft wie eine Feder, unterstrichen. Begleitet wird sie von verschiedensten Synthies, die mehrschichtige Melodienteppiche ergeben.
Jeder einzelne Titel weicht von typischen Mainstream-Formen (z.B. möglichst kurzen Tracks) ab. Jeder Titel, mit einer Länge von mindestens 6-7 Minuten, entwickelt sich zum Ende hin völlig anders, um den Hörer nicht zu langweilen. Ein besonderes Highlight aus diesem Album ist das Duett von Joe und Carla in „Intruders“, was einen zeitlichen Umfang von immerhin 11:36 Minuten beansprucht. Während sich der männliche Gesangspart anfangs gentleman-like zurückhält, kommt sein Musikstil zum Ende stärker durch. Die Blues- und Jazzelemente werden offensichtlicher und setzen dem Titel ein prägnantes Highlight.
„subHuman“ wird für Viele beim ersten Hören anstrengend und ungewohnt sein. Ein mehrmaliges Hören kann sich bei diesem Werk lohnen, weil nicht nur eine gute Produktion zu erkennen ist, sondern auch wahre Leidenschaft. Hier kann man von Musik reden, die einen höheren Level beschreitet und die lange Wartezeit darauf rechtfertigt.
Das Album wird ab dem 13. Juli auf dem Markt erscheinen.
Autor: Norma












