Decades – ein klangvoller Bandname, der viel erwarten lässt. Wenn dann das Label noch verlauten lässt, dass die Arbeit am Album gute zwei Jahre dauerte, lässt das jeden Fan des Elektropop aufhorchen…
Im Jahre 2003 von Stefan Leukert und Thomas Bleskin als Nebenprojekt gegründet, stellte sich für die Künstler schnell heraus, dass Decades ihr eigentlich Baby war. So feilte man nach der Debüt-EP „DeLuxe“ auch schon am Album „Cold Comfort“, das 2005 erschien und einige Aufmerksamkeit auf sich zog. Am 05.04.2207 war es also soweit und „Secrecy“ lag vor…
Eine knappe Dreiviertelstunde läuft die neue Arbeit von Decades und schon sind auch schon wieder elf Lieder ins Land gegangen, wenn die Scheibe durch ist…
Hoch lobende Pressetexte bereiten den potentiellen Rezensenten oder Hörer auf richtig gutes Material vor, doch dann setzt im ersten Stück auch schon Stefans Stimme ein und relativiert das ganze. Stefan gibt zweifelsfrei klaren und fehlerfreien Gesang zum besten, aber es gibt zwei Sachen, die daran stören: zum einen die Weinerlichkeit, zum anderen der fehlende Facettenreichtum.
Ersteres nervt sicher einen Großteil der Hörer ab spätestens dem dritten Lied. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, ihm gut zureden und ihn trösten zu müssen. Zweitgenanntes sorgt dafür, dass man irgendwann eingelullt im Wohnzimmer sitzt und sich denkt: macht man jetzt besser gar nix vor lauter Langeweile und Unlust oder hört man sich die Scheibe noch mal an, um sich danach zu denken, wie abwechslungsreich und schön doch alles sein kann.
Stefans Instrument schafft es zwar, von der Stimmlage her verschiedene Tonlagen zu erreichen und auch zu halten, aber dennoch klingt alles gleich und schläfert irgendwann ein.
Damit wäre für mich die Behandlung des einen Teils der Musik Decades abgeschlossen. Zur Musik gehört natürlich auch noch die Instrumentalik und die ist hier angenehm ruhig und sehr abwechslungsreich. Das Konzept Grundmelodie plus Details wird hier in ganz besonderem Maße ausgelebt. Die Grundmelodie ist einfach, aber sehr angenehm zu hören. Auf ihr werden dann mehrere Schichten verschiedenster Elemente derart platziert, dass der Begriff vielschichtig auf jeden Fall berechtigt ist und das hören lässt, was die Band wirklich gut kann.
Die Melodien sind weitestgehend ruhig gehalten und erhalten nur dezente treibendere Elemente. Gemeinsam mit den vielen verspielten Details wie einer Art Elektrochor, diverser kleiner Schnörkelloops und kaum offensichtlichen, aber elementar wichtigen Bassflächen wird das ganze tatsächlich zu dem, was sich der eine oder andere in den 80’ern zu hören gewünscht hätte, wie es der Werbetext des Labels schon prophezeiht. Generell tanzbar in den entspannenderen Runden.
Als reine Instrumentalscheibe ist „Secrecy“ als absolute Bereicherung des Trance- oder Entspannungssektors vorstellbar. Das Herzstück des Albums ist meiner nach „Chemicals“, das den eben genannten Denkansatz mehr als nur unterstützt.
Ein Experiment wie in „100 000 Volts“, das Anleihen an die Stilrichtung EBM hat, finde ich überaus gelungen und weiterverfolgenswert. Hier wird gekonnt die Brücke zwischen Elektropop und EBM geschlagen. Die der Band anhaftende Vielschichtigkeit mit dem Antrieb eines guten EBM-Stückes lässt sogar Sänger Stefan in ganz andere Stimmlagen verfallen – richtig gut – weiter so!
Insgesamt hat sich der hohe Anspruch, der sich anhand des Pressetextes wieder einmal vermuten ließ, nicht erfüllt. Die Musik ist genau das, was beschrieben wird: abwechslungsreicher, vielschichtiger Elektropop, aber die Stimme versauts einfach. Die schon genannte, anhaftende Weinerlichkeit ist meist wie Fingernägel auf der Tafel, wie Salz im Pudding – die geht gar nicht…
Ein paar Experimente täten vielleicht gut, ich hoffe mal auf Besserung…
Autor: Michael












