Feu Follet, sonst über das Label einzeleinheit vertrieben, gehen eine Ein-Disk-Kollaboration mit Pawel Grabowskis Label Silence is not empty ein und erneut schaffen erneut (Link zur Rezension) eine wenig bestückte CD mit viel Inhalt.

Dem Projektnamen wird schon auf dem Cover der optisch außergewöhnlichen Scheibe Rechnung getragen. Eine Art aquarellzeichnungsmäßiges verwischtes Etwas könnte eine vielarmige Pflanze oder einen Baum darstellen, der vom Feuer verzehrt wird. Die Rückseite des Inlays zeigt das, was zurückbleibt: Rauchschwaden… Insofern scheint mir auch der Titel des nur knapp 17-minütigen Gesamtwerkes gerechtfertigt: Souvenir d’ermitage (übersetzt: Erinnerung an die Einsiedelei), was für mich außergewöhnlich gut durch die benannte Coverkunst versinnbildlicht wird. Ein verzehrendes und heiß brennendes Feuer hinterlässt nichts als Rauchschwaden.

Dies heißt zum Glück nicht, dass man sich hier mit einer Art komprimierten Depression herumschlagen muss, die von der Liebe herrührt, „Souvenir d’ermitage“ beleuchtet nur zwei Seiten der Liebe und darauf kann man auch kommen, ohne etwas über die drei auf der Scheibe enthaltenen Stücke gelesen zu haben.
Im Gegensatz zum Debüt „Toi et le son“ geht es hier nicht brachial zur Sache, sondern eher gemäßigt und angemessen tragisch und düster.
Die CD startet mit dem Stück „le sourire de sonja“, das mit gemächlichem und noch recht normalem Klavierspiel und einigen Clicks & Cuts eine Art Unruhe darstellt, die man vielleicht in den Anfangsstadien der Liebe durch das gegenseitige Kennenlernen erleben mag. Ab etwa der Mitte des Stücks werden die Klavierklänge kurzzeitig etwas dumpfer und kündigen vielleicht schon Veränderung an oder sollen den Herzschlag darstellen, wenn man entdeckt, dass aus der Zuneigung tatsächlich Liebe geworden ist.
Das Titelstück „souvenir d’ermitage“ setzt unter Hinzufügen einer sehr entspannten Grundstruktur und Weglassen des Klaviers diese Clicks & Cuts fort, ohne langweilig zu werden. Gegen Stückmitte setzt das Klavier erneut ein, mit bedeutend tieferen Klängen als zuvor. Soll dies eine Art Ernüchterung bedeuten oder ein Wendepunkt in der Liebe von der erzählt wird? Ich deute es mal so… Mit einer Art klirrendem Rauschen läuft das Stück dann auch aus.
„ailleurs“ verwandelt dieses genannte Rauschen in ein ekliges metallisches Schleifen und setzt mittels Klavier dort ein, wo aufgehört wurde. Es klingt tragisch. Es sind nur einzelne Töne, die wir vom Klavier hören, aber die haben es in sich und sagen genug. Dies muss wohl das Ende sein…

Es ist überaus beachtlich, was Künstler mit nur 16 Minuten und 43 Sekunden minimalistischer Reininstrumentalik ohne Zusatz von Gesang oder ähnlichem bewirken können. Natürlich ist dieses Kleinkunstwerk damit auch nichts für den alltäglichen Gebrauch, sondern bedarf entweder besonderer Situationen, in denen man dies hören sollte oder man sollte eine neutrale Grundstimmung haben, um sich dem zu öffnen. Schwer zugänglich ist es nicht, paradoxerweise gehen die drei Stücke aber sehr tief, wenn man will.

Autor: Michael

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