Nach einer längeren Pause seit ihrem letzten Album präsentieren die Golden Apes nun ihr fünftes Album „The geometry of tempest“. Der Pressetext verspricht innovativen Gothic-Rock, fühlen wir dem mal auf den Zahn…

Allein der Titel verspricht einiges, nicht umsonst wird sich das Werk anmaßen, eine Art Sezierung eines metaphorischen Sturmes zum Thema zu haben. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass es in menschliche Tiefen geht, die immer wieder eine Erforschung, Deutung und Schlussfolgerungen wert sind.
Einem aufgrund einer gewissen Abneigung mit Gothic-Rock weniger erfahrenen Rezensenten verdrehen sich bei der Vorstellung, genau dies rezensieren zu müssen, natürlich die Augen im Kopf. Doch glücklicherweise gibt es tatsächlich auch noch Bands in dieser Richtung, die gefallen können und einem zeigen, dass eine Prise davon gar nicht so falsch sein kann.
Golden Apes speziell heben sich dadurch hervor, dass ihre Musik neben den üblichen kreischenden, klagenden und jaulenden Gitarren auch Stilmittel enthält, die wirklich etwas anderes als das Klischee dieser Musik zeigen. Hier wird übliches mit etwas kombiniert, das man fast Fröhlichkeit nennen könnte. Jedes der Lieder beinhaltet sehr positiv und weniger klagend klingende Passagen und das macht den Reiz der Musik dieser Band aus.
Elf Stücke variablen Tempos beinhaltet die CD, die insgesamt fast eine Stunde unterhalten und entführen können. Das Cover der CD, eine Art vielarmige Gestalt, die viele Sachen gleichzeitig tut, könnte den Abwechslungsreichtum symbolisieren, den die Golden Apes sich selbst unterstellen oder aber entsprechend dem Titel die Zutaten für den metaphorischen Sturm aufzählen, der den Titel gab.
Die Klangwelt von „The geometry of tempest“ ist generell düster, lässt aber viele Lichtblicke zu. Jaulende und klagende Gitarren, etwas gekonnter verquerer Gesang einerseits, eine gewisse ungewohnte Energie in den Melodien, einige aufmunternde Elemente und die Mischung etwas anderen Gothic-Rocks ist gelungen…
Das Album startet mit „Blind eyed boy“ schon recht temporeich durch. Die nahezu zarte Einleitungssequenz wird schnell abgelöst einer einfachen, bassbegleiteten Melodie, die selbst auf die typisch jaulende Art und Weise Eingängigkeit hat. In sie hinein mischt sich die Stimme Peer Lebrechts. Diese ist angenehm und beruhigend anzuhören, hält sich jedoch über das ganze Album hinweg in etwa gleichen Gefilden auf und verleiht dem Album die für Außenstehende übliche Monotonie und Melancholie des Gothrocks.
Das Album hält das Tempo bis zum siebten Stück. Zwischendurch wird mittels hochtöniger und kompakter Gitarrenpassagen einen Gang höher geschalten, von dessen Tempo man aber auch schnell wieder abfällt. „Coming home“ hat als siebtes Stück minimalistischen Balladencharakter und ist eine willkommene Abwechslung zur guten letzten halben Stunde, wenn diese auch keinesfalls langweilig war.
“Maria” rockt dann wieder regelrecht und gibt das Tempo für den Rest des Albums an. Auch dies ist überaus hör- und tanzbar und kann durchaus dem einen oder anderen Nicht-Gothrocker gefallen. Es ist irgendwie, als gingen Gesang und Musik eine respektvolle Zusammenarbeit an. Ertönt Gesang, zieht sich die Musik ein klein wenig zurück, um dem Gesang die volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient. Der Gesangsteil hingegen lässt der Musik auch genug Spielraum, sich auszulassen.

Damit gehen gute 56 Minuten grundsoliden Gothic-Rocks ins Land, der mal etwas mehr kann. Hier wird tatsächlich herkömmliches mit innovativen Elementen verbunden und zu einer bestens funktionierenden Einheit verschweißt. Böse Zungen könnten auch behaupten, die Musik der Golden Apes wäre massenkompatibler, aber dafür ist sie dann doch zu speziell.
Hut ab! Eine derart funktionierende Scheibe hätte ich auf diesem Musiksektor nicht vermutet.

Autor: Michael

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