TANZT! feierte am 18. November 2017 im Backstage in München seinen elften Geburtstag! Das Festival hat sich über die Jahre gewandelt vom liebevoll aber minimalistisch umgesetzten Underground-Konzert in einer Rosenheimer Diskothek zum jährlichen Szene-Event. Mit einem guten Line Up konnte der Veranstalter bei den Besuchern punkten. Vor allem zog Saltatio Mortis die Fans an.

Die Freiburger Folk-Metal-Band THE PRIVATEER setzten als Opening Act den Startschuss für das diesjährige tanzt! Festival. Als Ersatz für Lagerstein setzten heizten sie dem nachmittäglichen Publikum mit Metal-Rhythmen und Geigenklängen ordentlich ein. Sänger Pablo Heist ließ sich wegen einer Erkrankung entschuldigen, sein Ersatz ließ aber Death Metal Erfahrung durchklingen, was insgesamt eine gute Mischung ergab. Mit ihrem kurzen Set konnten sie die Menge zum Headbangen anstacheln.

FUCHSTEUFELSWILD wandelten sich in kurzer Zeit nach ihrer Gründung 2014 von einer recht traditionellen Mittelaltermarkt-Musikgruppe zu der modernen Folk-Rockband. Bei „Eisenhans“ vom Album „Weltenmeer“ sang das Publikum kräftig mit, unter anderem begleitet von einem Sousaphon als Bassersatz. FUCHSTEUFELSWILD verabschiedeten sich nach 40 Minuten mit Akustikgitarre und „Hafen der Seele“.

Manchmal weiß man im Leben nicht, was man vermisst, wenn man es nicht einmal erlebt hat. Im Fall von NINE TREASURES ist es Mongolischer Folk-Metal. Die Überraschung des Abends lieferte die Truppe aus China, die zwar ein wenig an deren Vorbilder Korpiklaani erinnert, aber Pferdekopfgeige und Balaleika überzeugen mit eigenem Sound und fügen sich gut in das Gesamtklangbild ein. Heavy und druckvolle Passagen im Wechsel mit melodiösen mongolischen Folkklängen begeisterten die Menge. Mitgesungen wurde zumindest beim Refrain von „Sonsii“  Sprechchöre und Circlepit inklusive.

Bei DALRIADA aus Ungarn wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Motiviert und unterstützt von einer Fanbase hämmerten sie die Songs auf die Bühne. Aber irgendwie blieb zumindest bei mir ein Fragezeichen, weil die Stimme der Sängerin nicht zur Musik der Band passte. Mitreissen konnten sie nur gegen Ende ein wenig, in Erinnerung blieben sie mir aber persönlich nicht. Für mich die schwächste Band des Abends.

In Sachen Bühnenshow bietet TANZWUT immer Einiges und auch diesmal wurde niemand enttäuscht. Aufwendige mittelalterliche Kostüme, kombiniert mit futuristisch blau leuchtenden Gitarren und floureszierenden Masken waren defintiv was fürs Auge. Aber natürlich gab es auch ordentlich was auf die Ohren und es wurde auch musikalisch reichlich Abwechslung geboten. Von ruhigeren Nummern wie „Stille Wasser“ über „Reiter ohne Kopf“ zu dem mitreissenden „Geteert und Gefedert“ ging die Menge gut mit und forderte vehement eine Zugabe, was aber dem Zeitrahmen des Festivals gesprengt hätte. Der altbekannte Abschied auf den rot leuchtenden Trummscheiten, mit denen das Tanzwut-Logo nachgestellt wird, durfte aber nicht fehlen.

Heimspiel in München hieß es dann für die Freibeuter von VROUDENSPIL. Unter anderem wurde mit  „In der Halle des Dattelschnapskönigs“ die Bühne geentert, piratenmäßig Störtebecker mit „Stürz den Becher“ geehrt und eine „Rebellion“ durchgeführt. Diese Art Musik muss man mögen, die tanzt!-Besucher liebten es. Zum Abschluss des Sets wurde noch der Plankentango getanzt. Das reichte dem Publikum aber nicht und forderte Zugaben, für die im straffen Programm aber keine Zeit war.

Gemessen an der gefühlten T-Shirt-Häufung im Backstage, sind die meisten Besucher wohl wegen SALTATIO MORTIS angereist. Dementsprechend explodierte auch die Bude als die Band mit ihrer unmässigen Enegie und Spielfreude die Bühne stürmte. Unter anderem wurde mit „Prometheus“ kräftig eingeheizt. „Wo sind die Clowns“ funktioniert immer und kommt bei der tanzenden Menge so gut an wie ein eiskaltes Bier.

Das Backstage war mittlerweile so aufgeheizt, dass sich die Musiker mit einem Ventilator auf der Bühne abkühlen mussten. Aber das ist auch ein Zeichen, dass das tanzt!-Festival sehr viele Leute in Bewegung und damit ins Schwitzen gebracht hat. Und so soll es ja auch sein.

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Die ersten Bands für 2018 stehen schon fest, der Headliner wird aber noch bekanntgegeben. Dazu aber demnächst mehr.