Ein nicht ganz so normaler Dienstag Abend wurde der 18.11.25. Für mich ging es ganz entspannt mit der Metro zur Royal Arena. Wer spielt heute? Niemand anderes als der 84-jährige Bob Dylan. Am Nachmittag hatte ich den Fehler gemacht die lokalen Pressevorberichte zu lesen. In denen schrieben einige Experten: Ja, Bob Dylan Konzerte können entweder extrem gut werden oder einfach nur sehr schlecht. D.h. er kann nuscheln und presst den Gesang einfach nur aus einer Mundhälfte. Da dachte ich ok, ich hoffe, ich verschwende nicht meine Zeit und wie andere Fans auch noch Geld. Die Karten für ausschliesslich Sitzplätze lagen zwischen 100-150 Euro. Das ist schon mal eine Hausnummer.

Gegen 18:30 füllte sich die Halle nur sehr langsam. Zuerst musste man sein Handy in einer Tasche verschliessen lassen um es weiterhin mit sich rumtragen zu dürfen. Dann erst mal die Qual der Wahl. Überteuerte Snacks und Getränke oder direkt zum Merchandise. Das aktuelle Tour-T-Short war recht langweilig mit einem Wappen drauf. Dafür konnte man aber auch von den vorherigen Touren T-Shirts erwerben.

Dann in Ruhe den Sitzplatz finden und warten. Das stellte sich ohne Handy als ganz schön langweilig heraus. Was soll man jetzt nur tun? Mit dem Sitznachbarn unterhalten? Oder in der Halle rumstanden, ob man jemanden kennt. Naja, irgendwie ging die Zeit dann auch um und pünktlich 20:00 wurde das Licht abgedunkelt, ein Intro wurde eingespielt und die Band kam auf die Bühne. Bob kam dann ein paar Minuten später und setzte sich direkt ans Piano.
Dann wurde es erst mal nervig. Seine Stimme schien nicht so richtig warm und er kämpfte erst mal damit das Mikro richtig zu platzieren. Dann wurde es einfach genial. Ich war echt überrascht wie gut die Akustik in der Arena klingen konnte. Ohne Schallschutz konnte man (fast) alles glasklar ohne Ohrenschmerzen zu bekommen, aber dazu später noch.

Gleich als zweites Lied gab es den alten Klassiker It Ain´t Me Babe. Der Text kann in viele Richtungen interpretiert werden. Für mich ist es eine Ballade an die Liebe bei der man sich nicht immer in den perfekten Partner verliebt, aber trotzdem den Richtigen findet.

Als viertes gab es dann den Bluesrocksong False Prophet (einer von vielen Songs des aktuellen Albums Rough And Rowdy Ways). Auch hier bringt er den Hörer zum Nachdenken.

Einer meiner persönlichen Höhepunkte war das Lied Black Rider. Hier kam seine Stimme sehr gut zur Geltung und das Lied glich eher dem Vortrag eines Gedichts. Dieser Song hat für mich eine deutlich politische Botschaft ohne dass es direkt mit Worten gesagt wird. Es zeigt wirklich, dass Bob Dylan einer der ganz großen Poeten unserer Zeit ist.

Etwas später folgte dann Key West (Philosophers Pirate). Dieser sehr ruhige Song besingt auf den ersten Blick die wundervolle Stadt in Florida. Zwischen den Zeilen ist aber eine Menge Platz für eigene Gedanken und Interpretation. Musikalisch bewegt das Lied im Bereich Akustikrock mit einer Lagerfeuerstimmung. Trotzdem zieht einen das Lied hypnotisch in seinen Bann.

Der Sound war wirklich sehr gut und füllte die Halle mit einer gewissen Wärme, Einziger Kritikpunkt war, als Bob auf der Mundharmonika über sein Gesangsmikrofon spielte, dann war das ganze übersteuert und zu laut.

Nach knapp zwei Stunden war das Konzert vorbei und wir bekamen überwiegend Songs des aktuellen Albums. Bob stand auf, schaute nicht zurück und ging. Alle im Publikum schauten sich an, da das Licht nicht an ging. Ich hoffte auf eine Zugabe, vielleicht einer seiner Klassiker?
Nichts! Nach ein paar Minuten ging das Licht an und es hieß ab nach Hause.

Ich fand es doch recht enttäuschend, dass er weder Knocking on Heavens Door oder wenigstens All Along The Watchtower spielte.

Fazit: Ein Konzert was wirklich verschiedenste Emotionen hervorgerufen hat. Auch gerade jetzt als ich den Konzertbericht schreibe, weiß ich nicht ob es einer der besten Konzerte war welches ich erlebt habe oder eben nur mittelmäßig. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis, welches ich nicht missen möchte. Ein mal Bob Dylan erleben ist schon krass. Ein mal dabei gewesen bei einem seiner hunderten Konzerte und einige seiner hunderten Songs gehört. Es war schon beeindruckend einen der großen Poeten und Rockstars gesehen zu haben.

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