Während sich ganz Deutschland derzeit noch mit Verwunderung fragt: „Who the f… is dieser Betty Blitzkrieg eigentlich?“, ist sich selbiger offenbar mehr als sicher, dass dies bald wirklich jeder Bundesbürger wissen dürfte. Denn wenn es eines geben sollte, dass noch stärker ausgeprägt ist, als seine Vorliebe für rotzfreche und vulgäre Texte, so ist es ganz offensichtlich das schier unerschütterliche Ego des Newcomers, der sich bereits selber als neuen Superstar am glitzernden Rockstarhimmel feiert.
Klingt im ersten Moment vielleicht unsympathisch, ist es aber überhaupt nicht. Denn schon ein Blick in die etwas gewöhnungsbedürftige Biographie des Musikers, die mit den wenig klangvollen Worten „Meine Musik ist aus einem Teig gemacht, der Leck mich am Arsch heißt“ beginnt, macht deutlich Betty Blitzkrieg ist ein Kunstprodukt und Provokation auf niedrigem Niveau ist hier nun mal Programm.
Die deutschen Songtexte, die inhaltlich irgendwo zwischen etwas seltsam anmutend bis hin zu absolut sinnlos schwanken, mögen manch sprachverliebtem Zeitgenossen erst einmal etwas schwer im Magen liegen. Doch nach dem ersten Schrecken wird klar, dass sich hinter diesen misslungenen Artikulationsversuchen nicht nur eine Hommage an die Generation „Talkshowgast“ verbirgt, sondern auch der löbliche Versuch aufzuklären, wie schrecklich doch manch englischer Song in unseren Ohren klänge, würde man sich doch mal die Mühe machen ihn ins Deutsche zu übersetzen.
Und genau das „tut“ Betty Blitzkrieg (denn tun, tut er ja sowieso sehr gerne) – und das wortwörtlich. Bekannte Textpassagen, wie z.B. die von einer Antwort, die irgendwo im Wind bläst, werden 1:1 ins Deutsche übertragen und spätestens beim zweiten Hören der CD macht es einfach riesigen Spaß immer wieder neue, geklaute und liebevoll versteckte Details zu entdecken.
Was das Thema geistigem Diebstahl betrifft, erweist sich Herr Blitzkrieg, sowieso frei von jedwedem Skrupel. Da ist es vollkommen egal, ob die berühmt, berüchtigte Bettina, doch lieber „Oben ohne“ bleiben soll, oder aber The Artist Formerly Known as Prince zitiert wird. Und selbst vor der Nationalhymne wird kein Halt gemacht.
Als größter Geniestreich bei diesem gnadenlosen Raubritterzug durch die Musiklandschaft erweist sich jedoch der Diebstahl der einzigartigen Stimme des verstorbenen Sängers Falco. Wie genau Betty Blitzkrieg dieses Kunsstück gelungen ist, ist leider nicht überliefert, fest steht aber die Stimmen sind sich wirklich zum verwechseln ähnlich und falls der blitzkriegsche Eroberungsfeldzug wieder erwarten doch nicht den gewünschten Erfolg erzielen sollte, dürfte dem ambitionierten Musiker, einer Karriere als Falco-Double, zumindest unter musikalischem Aspekt betrachtet, nichts im Wege stehen.
Doch auf Plan B zurückzugreifen dürfte erstmal nicht von Nöten sein, denn das aktuelle Musikprojekt weiß mit einer gesunden Mischung aus Neuer Deutsche Welle und rockigem Punksound absolut zu überzeugen. Fetzige Songs, mit eingängigen Melodien gehen direkt ins Ohr und sorgen umgehend für Feierlaune. Und wer sich mit den gewöhnungsbedürftigen Texten auch nach mehrmaligem Hören nicht anfreunden kann, sollte sich in Erinnerung rufen, dass auch die meisten englischen Songs inhaltlich nicht wirklich auf höherem Niveau spielen und sich einfach an dem erstklassigen Sound erfreuen.












