Verlässt ein Sänger seine Band, kommt dies in der Regel einem Todesstoss für die gemeinsame Karriere der Zurückgebliebenen gleich. Doch manchmal entpuppt sich die Trennung auch – ganz im Gegenteil – als dringend notwendige Frischzellenkur und ebnet somit den Weg für unerwartete Höhenflüge.

So geschehen im Fall der Hamburger Band Mono Inc.. Nach nur einem gemeinsamen Album „Head under Water“ trennen sich im Herbst 2006 nach der Veröffentlichung der MCD „Somberland“ (Mindbreed Review) die Wege von Mono Inc. und Sänger Micky Mono.
Doch die Hanseaten schmeissen an dieser Stelle die Flinte nicht ins Korn, sondern machen aus der Not eine Tugend. Hauptsongwriter und bisheriger Drummer der Band Martin Engler wird von seinen Bandkollgen kurzer Hand hinters Mikrophon verfrachtet und mit Katha Mia eine neue Schlagzeugerin verpflichtet.

Im Sommer 2007 folgte neben dem Album „Temple of the thorn“ eine gemeinsame Tour mit Xandria und deren ehemalige Sängerin Lisa Middelhauve konnte daraufhin für die Ballade „Teach me love“, die im April 2008 als MCD veröffentlicht wurde, aber auch auf dem aktuellen Album „Pain, Love, Poetry“ zu finden ist, als Gaststimme gewonnen werden.

„Schmerz, Liebe und Poesie“ gehören wohl zu den wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Gothic-Rock Album und auch im Fall von Mono Inc. geht diese Rechung auf. Eingebettet in selten rockige, sondern eher etwas zahm klingende Gitarrenwände, sanfte Pianotupfer und wohldosierte elektronische Spielereien, schmeichelt sich „Pain, Love, Poetry“, dank stets wunderschöner und eingängiger Melodien, schon beim ersten Spielen unweigerlich in Herz und Gehörgang jeder dunkelromantischen Seele ein.
Perfekt passt sich hierbei Englers teils cleaner, teils elektronisch veränderter Gesang in das musikalische Gesamtkonzept ein und macht zudem mit seinem leicht monoton klingenden Approach dem Bandnamen alle Ehre.

Auch wenn es gerade die düster, stimmungsvolle Athmosphäre ist, die den unvergleichlichen Charme dieses Silberlings ausmacht, erweist sich ausgerechnet ein Song, der so gar nicht in dieses Muster passen will, als absolutes Highlight und grösster Hitkanditat auf „Pain, Love, Poetry“.

„Get some sleep“ beginnt mit tiefen Orgelklängen, die noch offen lassen wollen, in welche Richtung es gehen wird, um sich Sekunden später zu einem straighten Popsong zu entwickeln, der augenblicklich in die Beine geht und einfach dafür geschaffen ist die Tanzflächen der schwarzen Musiktempel im Fluge zu erobern

Das dritte Studioalbum von Mono Inc. kommt mit insgesamt 12 Songs, inklusive einem „Sisters of Mercy/Temple of Love“ Gedächtnis-Intro, auf eine Gesamtspielzeit von knapp 53 Minuten. Eine knappe Stunde Musikentertainment vom Feinsten, welches hauptsächlich zum besinnlichen Lauschen und Träumen einlädt und einen wirklich gelungen Abschluss in Form einer unplugged und ausschliesslich von einem Piano begleiteten Nummer findet.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.