Purismus pur ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schiesst, sobald man einen Blick auf das Cover des lang herbeigesehnten und nun endlich für jedermann käuflich erwerblichen Debutwerkes „Famous last songs“ der The Pussybats wirft. Und just in dem Moment, da man beginnt sich über dieses simpel gehaltene Artwork Gedanken zu machen, wird klar, kein noch so aufwändig gestaltetes Design dieser Welt hätte den ersten Silberling der Goth´n´Roller aus dem Raum Stuttgart besser repräsentieren können als eben dieses. Nicht nur, dass das Cover gerade durch seine augenscheinliche Unauffälligkeit im bunt gemischten Sortiment der hiesigen Plattenläden potentiellen Käufern unweigerlich ins Auge stechen wird. Nein der gespiegelte, tanzende Scherenschnittteufel bringt genau auf den Punkt was dem Hörer hier auf musikalischer Ebene geboten wird: Insgesamt 11 bewusst schnörkellos, aber absolut straight und eingängig gehaltene Rocksongs, die dank dem stets mitklingenden düsteren Approach vor allem eines sind – einfach teuflisch gut!

Frei nach dem Motto „Klasse statt Masse“ verzichten die Musiker, die bereits im Jahr 2006 als Sieger aus dem vom Sonic Seducer ins Leben gerufenen „Battle Of The Bands“-Nachwuchswettbewerb aus dem Rennen gingen, auf grossen Bombast und kitschig-klebrigen Gothic-Pathos und setzen vielmehr auf ehrliche Emotionen und ein abwechslungsreiches Songrepertoire, welches neben echten Rockkrachern auch überraschend ruhige Momente ans Tageslicht befördert.

Und die Rechnung der The Pussybats geht auf, die Songs funktionieren auf ganzer Linie, setzen sich schon beim ersten Lauschen im Gehörgang fest und machen auch keine Anstalten Selbigen so schnell wieder zu verlassen. Das beginnt bereits beim Opener „Back To The Darkness“, der nicht nur blitzschnell klar macht, dass hier keine Gefangenen gemacht werden sollen, sondern auch eindrucksvoll beweist, dass sich die Newcomer mit ihren Ideen und deren Umsetzung keinesfalls hinter ihren Vorbildern und Szenegrößen zu verstecken brauchen, zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Album, und endet schliesslich, weil die schönsten Geschichten in der Regel ja traurig enden, mit der melancholisch, verträumten Ballade „The Most Beautiful Tales End Sadly“.

Für letzteres Stück konnte nicht nur auf die Unterstützung des freischaffenden Kontrabassisten Carsten Hundt, der vielen von der avantgardistischen Gothic-Metal Band Adversus bekannt sein dürfte, zurückgegriffen werden, sondern zudem auch Leandra von Jesus on Extasy als Gastsängerin und Pianistin gewonnen werden.
Ein wenig Jesus on Extasy Esprit klingt jedoch nicht nur in diesem einen Stück mit, sondern haftet irgendwie unverkennlich dem kompletten Schaffen an. Und dies wundert wenig, schliesslich ist es niemand geringeres als Chai Deveraux, der Gitarrist der Extasy-Familie, der sich für die Produktion des Erstlingswerkes verantwortlich zeigt (zum Studiobericht).

Dass das Rad mit „Famous last songs“ nicht wirklich neu erfunden wurde liegt auf der Hand, tut dem Silberling aber in keinster Form Abbruch – ganz im Gegenteil. Nicht ohne stolz kann man beim Hören nämlich fest stellen, dass die Produktion richtig guter Gothic-Rock-Hymnen nicht ausschliesslich unseren skandinavischen Nachbarn vorbehalten ist und ein Ville Valo und Konsorten ebenbürtiges Album ausnahmsweise auch mal wieder auf deutschen Boden geboren werden konnte.

Ein wenig provokant und vielleicht auch beunruhigend für den neugewonnen Fan, mag es in den Ohren klingen, wenn eine Band ihr Debut „Famous last songs“ nennt. Doch die Sorge, dass die Pussybats ihr Erstlingswerk, gleichzeitig auch als Abschluss ihrer Karriere betrachten, scheint angesichts der ganzen Energie und spürbaren Freude am Handwerk, völlig unbegründet.

Und die beste Erklärung für die Wahl dieses aussergewöhnlichen Titels liefert uns dann auch freundicherweise die Band selbst: „Wenn wir morgen alle vier vom Blitz getroffen werden, können wir sicher sein, eine Platte aufgenommen zu haben, in der alles von uns drinsteckt, und die wir der Nachwelt guten Gewissens zurücklassen können. „Famous Last Songs“ eben!“

Danke liebe Pussybats, auch wenn wir natürlich alle nicht hoffen, dass ihr in absehbarer Zeit Opfer einer Naturkatastophe werden möget, fortan müsst ihr euch zumindest ein bisschen weniger vor diesem Schicksal fürchten, denn euer selbstgesetztes Klassenziel habt ihr mit „Famous last songs“ allemale erreicht.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.