Wer bislang noch immer der irrigen Annahme erlegen war, dass das Leben eine Pralinenschachtel sei, wird nun endlich – dem Farin Urlaub Racing Team sei Dank – eines besseren belehrt.
Das Leben ist ein Stück Seife! Jeden Tag benutzen wir es, meistens ohne uns wirklich Gedanken darüber zu machen und irgendwann ist es einfach so mir nichts dir nichts aufgebraucht. Und in der Zwischenzeit? Ja, da ist es manchmal gar nicht so einfach Seife und Leben so richtig im Griff zu behalten …
Dass in Farin Urlaub nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Philosoph steckt, dürfte spätestens nach Veröffentlichung der letzten beiden Soloalben ausser Frage stehen. Denn mit den dazugehörigen Texten hat der Mann, dem wir zwar u.a. auch die Erkenntnis verdanken, dass pubertierende Jugendliche im Grunde genommen auch nichts anderes sind als wildgewordene Zombies, eindrucksvoll bewiesen, dass er nicht nur den Spagat zwischen unbeschwertem Blödsinn und gnadenloser Ernsthaftigkeit mit Perfektion beherrscht, sondern Beides sogar und das beinahe unmerklich zu einem faszinierenden, weil in sich stimmigen Ganzen zu verschmelzen vermag.
Soviel erstmal zum inhaltlichen Hintergrund und meinem zaghaften Versuch das Artwork des Albumcovers, welches ein schlichtes Stück Seife mit dem Schriftzug „Leben“ ziert, zu interpretieren. Aber was hat uns die erste Singleauskopplung „Nichimgriff“ des am 31. Oktober erscheinenden neuen FURT Albums „Die Wahrheit übers Lügen“ unter musikalischen Aspekt betrachtet zu bieten?
Wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, weil ein absolutes Novum, ist die Tatsache, dass Farin Urlaub die Songs nicht im Alleingang aufgenommen hat, sondern erstmalig gemeinschaftlich mit seinem Racing Team. Mit diesem Wissen im Hinterkopf hat man irgendwie den Eindruck, dass der Sound insgesamt wesentlich satter klingt als gewohnt. Doch ob dies nun eine Sinnestäuschung ist, oder auch nicht, irgendwie anders als erwartet klingt „Nichimgriff“ alle mal. Es ist wohl die etwas ungewöhnliche Rhythmik des Songs, über die man beim ersten Hören ein wenig stolpert. Doch spätestens beim zweiten Durchgang verblassen Verwunderung und Zweifel und der Song reisst einen einfach mit. Denn trotz einer tendentiell negativen Grundstimmung gepaart mit einer Prise Aggressivität weiss der Song zu rocken und macht dementsprechend Spass zu hören. Angenehm klingt auch der kurze gesangliche Einsatz der Racing Team Damen in den Ohren. Von der Athomsphäre fühlt man sich hierbei durchaus ein wenig an „Te quiero puta“ von Rammstein erinnert.
Deutlich sanftere Töne schlägt im Anschluss der zweite Song „Bewegungslos“ an. Auch wenn nach dem Gitarrenintro, mit Einsatz von Farins Gesang, das Tempo nochmal, schon fast überraschend, etwas angezogen wird, klingt der Song im Vergleich zum ersten Titel richtig lieb. Textlich bewegt sich das Stück auch wieder auf nachdenklich stimmenden Pfaden und bildet somit den absolut richtig gewählten Absacker für das zuvor gehörte „Nichimgriff“-Gewitter.
Fazit: „Nichimgriff“ ist ein im ersten Moment etwas überraschend klingender, aber nicht minder grossartiger Song geworden, der spätestens nach dem zweiten Hören keine Gefangenen mehr macht. In einer Zeit, da Inhalte und Songtexte immer unbedeutender zu werden scheinen, erfreut es zu beobachten, wie Farin Urlaub sich diesem Trend entgegen setzt und seiner Entwicklung vom reinen Fun-Punk zum Musiker mit Anspruch auf Ernsthaftigkeit treu bleibt und das ohne seine Wurzeln zu verleugen, oder an Glaubhaftigkeit zu verlieren.
„Nichimgriff“ sollte in keiner gut sortierten CD-Sammlung fehlen. Denn neben dem zweiten Song „Bewegungslos“, der nicht auf dem Album vertreten sein wird, enthält die Single natürlich auch noch den Videoclip zu „Nichimgriff“ selbst.












