Mitten aus dem schönen Ruhrgebiet kommt die Band mit dem klangvollen Namen Jesus on Extasy. Bereits im letzten Jahr haben die selbsternannten Revolutionäre des Industrialgenres mit ihrem Debutalbum „Holy Beauty“ allerorts für Furore gesorgt hat. Nun melden sich Jesus on Extasy mit ihrem zweiten Silberling zurück und es besteht Grund zur Hoffnung, dass es für „Beloved Enemy“ nicht nur ein Leichtes sein dürfte an den Erfolg seines Vorgängers anzuknüpfen, sondern diesen auch noch um Längen zu schlagen.
Den drei durchtrainierten Herren mit dem unverkennbar androgynen Touch und den zwei hübschen Damen kann man sich dieser Tage aber auch einfach nicht entziehen. Die Werbemaschinerie läuft auf Hochtouren. In Kürze werden uns die 5 Musiker, natürlich wie immer perfekt gestylt, von den Covern einschlägiger Musikmagazine entgegen lächeln. Doch gerade diese Art der persönlichen Selbstdarstellung spaltet das Heer der alternativen Musikfans in zwei Lager.
Während die einen Sie sowohl als musikalische als auch modische Stilikonen feiern, werden Sie von den anderen auf Grund ihres glatten und perfekten Images viel zu leichtfertig als „Teenie-Band“ abgetan. Ein weiteres mal scheint die ach so tolerante schwarze Szene hier an ihren eigenen guten Vorsätzen zu scheitern. Doch die 5 ambitionierten Musiker scheren sich kein bisschen um die ihnen entgegengebrachte Kritik, sondern sonnen sich jetzt erst Recht in der eigenen Eitelkeit und verarbeiten ihre negativen Erfahrungen und Eindrücke lieber in den neuen Songs. Und genau diese Einstellung macht die Jungs und Mädels von Jesus on Extasy so furchtbar sympathisch und auf ihre Art und Weise dann auch wieder authentisch.
Im Vergleich zum Vorgänger fällt auf, dass die Elektronik zugunsten von echtem rauhen Schlagzeugsound stark zurückgeschraubt wurde. Kaum verwunderlich, da Jesus on Etasy inzwischen ja mit Drummer BJ als festem Bandmitglied vom Vierergespann zum Quintett angewachsen sind. Auch wenn diese neue Härte den jungen Künstlern erstaunlich gut zu Gesicht steht, liefern Jesus on Extasy uns hier mit „Beloved enemy“ natürlich kein reines Rockalbum ab.
Auch bei ihrem zweiten Album bedient sich die Band der unterschiedlichsten Musikgenres, um sie zu einem teilweise gewagten, aber dank eingängiger Melodien doch stets gefällig im Ohr klingenden Sound zu verschmelzen. Von Gothic über Alternative bis hin zu Industrial und poppigen Glam Rock Klängen hier findet eigentlich jeder was das Herz begehrt. Mit Krachern wie „Stay with me“, „Dead Presidents“ oder „Church of Extasy“ stellen Jesus on Extasy zudem eindrucksvoll unter Beweis, dass an ihren Gründungsmitgliedern Chai und Dorian zwei verdammt gute und vorallem fleissige Songwriter verloren gegangen sind.
Wofür andere Bands sich mindestens zwei Jahre Zeit lassen würden, zaubern die beiden Herren hier bereits nach nur wenigen Monaten aus dem Hut. Vor diesen drei herausstechenden Ohrwürmern müssen sich aber auch die übrigen von insgesamt 13 Songs keinesfalls verstecken. Spätestens nach dem dritten Hören erschliessen sich einem ruhige, straighte und poplastige Stücke gleichermassen. Im Gesamtbild betrachtet stellt „Beloved Enemy“ somit ein erfrischend abwechslungsreiches und doch in sich vollkommen stimmiges Album dar.
Jesus und Extasy sind und bleiben ein Gesamtkunstwerk. Optischer Eindruck und musikalische Klänge gehören hier einfach untrennbar zueinander. Zu polarisieren ist das selbstgewählte und wohl auch unvermeidliche Schickal dieser Band.
Wie ungemein beruhigend klingt da doch die neu gewonnene Erkenntniss, dass Jesus on Extasy auch ihre Feinde lieben, in unseren Ohren.
Danke Jesus on Extasy – wir lieben euch natürlich auch. Ob Fan, oder Kritiker, jeder halt auf seine eigene und ganz spezielle Art und Weise.












