Vier lange Jahre sind seit ihrem letzten Werk „Le Serpent Rouge“ ins Land gestrichen. Nun meldet sich die schwedische Band Arcana endlich mit einem neuen Silberling mit dem Titel „Raspail“ zurück und huldigt damit einer für viele schon fast in Vergessenheit geratenen Musikbewegung – dem romantischen Gothic-Wave.

Zehn Titel mit einer Gesamtspielzeit von 36 Minuten entführen auf eine verhältnismässig kurze aber umso intensivere Reise in eine zerbrechliche, dunkle Traumwelt. Athmosphärische elektronische Klangwelten ufern in bombastische orchestrale Arrangements aus und erschaffen Spannungsbögen, die zu fesseln wissen. Gleichzeitig bilden sie das perfekte Fundament für den männlich-weiblichen Wechselgesang. In der Sopranistin Ann-Mari Thim hat Bariton Peter Bjärgo mit seinem düster-sonoren Sprechgesang hierbei einen ganz bezaubernd klingenden stimmlichen Gegenpart gefunden.

Auch wenn die Grundstimmung von Traurigkeit und Melancholie geprägt ist, läuft die inzwischen sechste Veröffentlichung aus dem Hause Arcana nicht Gefahr in allzu tiefe Schwermut oder gar Belanglosigkeit abzudriften. Immer wieder setzten die Schweden mit gekonnter Instrumentierung zarte positive Akzente, die der filigranen Romantik des Albums jedoch nicht im Wege stehen, sondern vielmehr gleich dem Licht in der Dunkelheit, dem Hörer den Weg durch die düsteren Soundlandschaften weisen wollen.

„Raspail“ ist eines dieser Alben, die man nicht einfach nebenbei hören sollte. Bei einem guten Glas Rotwein und Kerzenschein sollte sich allerdings der Charme dieses Werkes durchaus erschliessen lassen. Und für die ältere Generation unter uns ist dieses Album gleich in doppelter Hinsicht der ideale Soundtrack um ein wenig in Melancholie zu schwelgen, erinnern doch die dunklen Klänge so wunderbar an die gute alte Zeit, als Bands wie Dead can Dance noch die Musikszene dominierten und natürlich alles viel, viel besser war, als es heute ist.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.