Es ist schon äußerst bemerkenswert, was aus Assemblage 23, dem 2000 noch betiteltem „Newcomer des Jahres“, geworden ist, innerhalb der vergangenen 4 Jahre. Neben unzähligen Dancefloorkillern und einem Top 2 Longplayer („Failure“), erklomm Tom Shear mit drei Alben auf Anhieb die Spitze der Deutschen Alternative Charts und katapultierte sich damit selbst zu einer erfolgreichen, festen Szenegröße, die wohl anscheinend immer noch nicht genug bekommen kann und nun ihr fünftes Schaffenswerk an den Mann bringen möchte. Faulheit kann man dem fleißigen Amerikaner wohl nun wirklich nicht unterstellen, besonders dann, wenn demnächst auch noch mit u.a. Rotersand durch Deutschlands Hallen getourt wird.
Es gibt durchaus genügend Vertreter im Musikgeschäft, bei denen sich eine Albumveröffentlichung über drei, vier, manchmal sogar mehr als 5 Jahre strecken kann. Nun, so sind 3 Jahre vielleicht keine Ewigkeit, aber eine Periode, in der so einiges geschehen und so mancher Wandel einen Künstler überkommen kann. Berechtigterweise taucht dann nicht selten die Frage auf, wie denn nun das „neue“ Album klingen mag, oder was sich geändert hat. Doch wie sähe dies bei einem Projekt aus, das, durchschnittlich gerechnet, ungefähr alle 9 Monate einen neuen Longplayer auf den Markt bringt? Bleibt da überhaupt Zeit für Veränderung? Der erste Höreindruck befestigt meine Vermutung: Wirklich neu ist das nicht, was uns Tom Shear da abliefert. Ob dies nun gut oder schlecht ist, lasse ich jeden selbst entscheiden. Zumindestens kann man ihm keine Untreue zu seinem Stil vorwerfen. Doch vielleicht gerade diese Standhaftigkeit könnte der Knackpunkt dieses Assemblage-Werkes sein, der bis zum Abschlusstrack, basierend auf klassischen A23 Strukturen und Sounds, anhält. Auch wenn zwar die aufwendig gemachte Single „Let the wind erase me“ schlagartig in der Top-10 der DAC Erfolge verbucht, kann sie nichts an dem Zustand ändern, dass der Platte einfach Abwechslung fehlt, die wir erst bei „30Kft“ am Ende geboten bekommen. Der Song, welcher seine Inspiration aus einer Dokumentation über die letzten Worte von Flugzeuganschlagsopfern, gesprochen auf Anrufbeantwortern der Angehörigen, holte, springt völlig aus dem Albumrahmen heraus und beweist sich durch seine experimentelle Analogie zur Thematik als wahres Kunstwerk. Es stockt einem schon der Atem, wenn man diese Hintergrundinformation kennt und dann hört, wie der Song am Ende einfach abbricht.
Zwar liefert uns Shear guten, eingängigen Elektro-Pop, dem aber das Risiko fehlt, um aus dem Album mehr als nur eine Fortsetzung der Assemblage 23-Reihe zu machen.
Autor: Francois












