Nach sechs Alben, einer Art Best-Of-Doppelalbum und weiteren Veröffentlichungen steht nun die neueste Arbeit „Augenblicke“ von Illuminate in den Plattenläden. Zu erwarten ist ein ebenso wie seine Vorgänger leicht verständliches, aber dennoch inhaltlich und musikalisch ausgefeiltes Werk…

Illuminate wurden seit ihrer Gründung im Jahre 1993 vorerst als Geheimtipp gehandelt, aber es dauerte nicht lange, bis sie aufgrund ihrer unvergleichlichen Mischung aus romantisch-melancholischen Texten und beschwingender oder beschwerender Musik zur Szenengröße wurden. Getragen wird Illuminate von den Ideen Johannes Bertholds, der sowohl für Gesang, Musik als auch Texte verantwortlich ist. Unterstützt wird er bei der Umsetzung derzeit gesanglich von Conny Schindler und instrumental von Jörn Langenfeld und Johannes Knees.

Die Erwartungen an die neue Arbeit waren hoch, da die älteren Alben der Masse der Hörer perfekt ausgearbeitet schienen und eine sehr eindringliche, wenn auch (böse gesagt) kitschangehauchte Mischung darstellten.
Instrumental ist man bei „Augenblicke“ nicht nur beim ersten Hören enttäuscht, die Unzufriedenheit verschwindet leider auch nicht nach mehrmaligem Abspielen. Die Keyboardkompositionen klingen zwar typisch pathetisch, aber sind bei weitem nicht mehr so eindringlich und aufwühlend. Sie verblassen angesichts der bereits bekannten Melodien, die einen sehr hohen Standard setzten, an den die neuesten Kompositionen bei weitem nicht heranreichen. Bereits den letzten Alben wurden als musikalische Elemente härtere Gitarrenriffs beigefügt, die für etwas Abwechslung sorgten, aber selbst dieser Griff in die Trickkiste kann hier nicht mehr viel helfen.
Inhaltlich geht es zwar noch immer um vergangene Leiden, die möglicherweise der Vergangenheitsbewältigung Bertholds dienen, aber selbst diese klingen diesmal eher einem Schlager als dem wahren Leben entnommen. Wo man einstmals mit „Illuminate“ gelitten hat, verdreht man heute nur noch die Augen, weil die Texte zu mitleidheischend und einfach strukturiert, geradezu billig sind.
Man hat das Gefühl, dass „Illuminate“ das Bedürfnis hatten, wieder einmal etwas auf dem Markt zu werfen. Dass diesem Bedürfnis nicht automatisch das notwendige Talent beiliegt, sollte dem Künstler klar sein und ihn von einem nicht ausgegorenen Werk abhalten.
Leider brüstet man sich damit, zugunsten von Johannes Gesang die instrumentale Akustik zurückgestellt zu haben, doch wenn selbst der Gesangspart nicht völlig überzeugend ist, hätte man es bei dem alten Verhältnis belassen sollen. Man kommt jedoch nicht umhin, die auf der Promo-CD enthaltenen Gesangssequenzen der neuen Sängerin Conny Schindler zu loben. Sie führt die Tradition des gekonnten Gesanges bei Illuminate hervorragend fort.
Apropos Tradition: Das Album soll sich zwischen Innovation und Illuminates musikalischer Tradition bewegen. Es driftet jedoch in hemmungsloses Recycling alter Sequenzen ab, die neu zusammengestellt wurden, von Innovation keine Spur, weil man dies alles bei Illuminate schon einmal gehört haben sollte.

Fans, die nichts auf Illuminate kommen lassen, finden sicher noch ihren Gefallen an dem neuesten Werk, auch Leuten, die die alten Sachen nicht kennen, mag „Augenblicke“ gefallen. Alle, die jedoch den recht hohen Standard der Vorgänger gewohnt sind, werden sehr enttäuscht sein. Die Erwartungen der potentiellen Käufer werden keinesfalls erfüllt.
Zur Bemusterung lag eine sogenannte „snipped Promo“ vor, auf der zwei Titel in voller Länge und acht angespielte Stücke enthalten sind. Eventuell lässt das vollständige Album andere Schlüsse zu, aus dem Gehörten ließ sich jedoch nichts anderes ableiten.

Titel:
1.Intro: „Augenblick… verweile doch!“
2.Verzeih´ mir!
3.Sonnenkind
4.Meine Zeit
5.Am Ufer
6.Abschied
7.Ich glaub´ an Dich!
8.Ich kenn´ die Welt nicht mehr
9.Augenblick
10.Outro: „Für immer fort“
11.Nach dem Erwachen
12.Nach dem Erwachen (Kurzfilm) (Data Track)

Autor: Michael

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