Einen ungewöhnlichen Aufstieg haben die Jungs von Versengold bereits hingelegt. In dem völlig überfüllten Mittelalterszene-Genre haben die Bremer sich durch gut durchdachte Texte und eingängliche Melodien durchgesetzt. Mittlerweile gehören die Musiker zu der Spitze der Folkbands in Deutschland. Mit „Nordlicht“ erscheint nun ein Album mit einer besonderen Huldigung an ihre norddeutsche Heimat. Ob die CD die bekannte Marschrichtung fortführt oder ob man doch eher auf herbere Töne setzt, erfahrt ihr hier.

„Durch den Sturm“ ist eine Ode an den Sommer und der Lebensfreude. Hier kommen Freude zusammen, die alle Widrigkeiten überstehen und dabei noch eine Menge Spaß haben. Die Single „Thekenmädchen“ besticht durch den leichten norddeutschen Dialekt und feinem Humor, der direkt zum Tanz auffordert. Bemerkenswert ist die romantische Beschreibung des Biereinschenkens. Ein Track, der diese Band noch lange begleiten wird. Der Sage aus dem Teufelsmoor mit dem Schmugglerkönig wird mit „De rode Gerd“ ein musikalisches Denkmal. Falls ihr also eine Karriere als Pirat anstreben solltet, gehört dieser Beitrag zu einer Pflichtlektüre für euch. Etwas Pathos, etwas Heimweh und eine gute Portion Heimatverbundenheit sind die Hauptzutaten für „Küstenkind“. Eine ruhige Nummer, die sicher jeden Bewohner von der Wanterkant bis tief nach Niedersachsen in seinen Bann ziehen dürfte. Die Paradedisziplin von Versengold sind zweifelsohne die Trinklider. „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ ist das beste Beispiel dafür. Eine schmissige Melodie, ein mitsingbarer Refrain und die unvergleichliche musikalische Stimmung, die in dieser Form nur Versengold kreieren können. Über eine katastrophale Flut handelt sich „Winterflut 1717“. Dieses katastrophale Naturereignis kostete über 10.000 Menschen das Leben. Durch einige Deichbrüche und andere unvorhersehbare Umstände waren diese hohen Opferzahlen möglich. Nachdem sich das Wasser zurückgezogen hatte, bot sich ein Anblick des Schreckens, da Leichen zum Teil gefroren an den Stränden lagen. Versengold ziehen hier einen Vergleich zur aktuellen Klimapolitik. Etwas beschwingter wird es dann wieder bei „Butter bei die Fische“.
Der passende Soundtrack für eine legendäre Nacht in Bremen. Dieser Beitrag dürfte sich innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz auf der Live-Setlist sichern. Eindrucksvoll und auch schmerzhaft halten uns Versengold den Spiegel vor. „Meer aus Tränen“ behandelt das Drama um ertrinkende Menschen im Mittelmeer zu dem die Gesellschaft immer noch keine passenden Antworten gefunden hat. Ein wichtiger Track, der die ganze Tragödie auf den Punkt bringt. Ein bedrückendes Stück Musik für das man sich Zeit nehmen sollte. Die Aufforderung endlich den Status Quo zu ändern, ist unüberhörbar. Nach so einem Song weiterzumachen ist nicht ganz so einfach, dennoch folgt mit „Weit, weit weg“ ein genialer Track, der das Fernweh schürt und den geneigten Zuhörer zu neuen Abenteuern ermutigt. Hier spürt man die absolute Schwerelosigkeit. Ein wichtiger Apell schließt sich in bester Versengold-Manier an. „Braune Pfeifen“ beschäftigt sich mit den Ewiggestrigen und den selbst ernannten „Besorgten Bürgern“ und zeigt Wege auf, wie man diesen Menschen die klare Kante zeigt. Ein bewusstes Statement, das leider auch im Jahr 2019 immer noch aktuell ist. Mit der ruhigen Nummer „Wohin wir auch gehen“ geht das neuste Album zu Ende. Eine kleine Retrospektive einer Band, die in erster Linie Freunde und Wegstreiter sind.

Fazit: Versengold zeigen sich bei einigen Tracks deutlich ernster, als noch auf dem Vorgängeralbum. Trotzdem hat man den Spaß und die Unbeschwertheit nicht verloren. „Nordlicht“ ist für alle Folkfans ein absoluter Pflichtkauf, da sich hier ernste mit heiteren Themen abwechseln und damit eine besondere Mischung erschaffen, die man in dieser Szene vergeblich sucht.