„Endless“ ist heute am 16. Januar 2026 erschienen. Es ist das zweite Album von Ov Sulfur und das erste, was ich zu hören bekommen. Das Debütalbum erschien 2023 mit dem Titel „The Burden Ov Faith“.

Angetrieben von den Vocals von Frontmann Ricky Hoover, erweitert die Band die Grenzen ihrer Deathcore-Wurzeln und lassen sich vom Black Metal („Vast Eternal“) inspirieren, während sie gleichzeitig eine überraschende Melodik („Wither“) entdecken.

Ov Sulfur (Promo Photo 2025 by Anable DFlux)
Ov Sulfur Promo Photo 2025 by Anable DFlux

Die Deathcore-Band aus Las Vegas wurde in der Zeit der Pandemie gegründet, beflügelt durch die Rückkehr des ehemaligen Suffokate-Sängers Ricky Hoover und inspiriert von seiner Abneigung gegen organisierte Religion. Während die Straßen, zumindest laut Social Media und Co, in Las Vegas, Nevada, merklich leerer werden und die Besucher abnehmen („Zocker-Tourismus“), kann man die düsteren Aspekte, die das vielleicht mitbringen kann, damit (die Musik der Band) in Verbindung bringen. Bestimmt ein interessanter Soundtrack.

Neben anti-religiösen Texten, gibt es auch viel zum Nachdenken:

„Wenn Erfahrungen oder die daraus resultierenden Gefühle ewig andauern würden, würde man wahnsinnig werden“, meint Hoover. „Selbst positive Zweifel würden irgendwann zur Gewohnheit werden, was zu vielen Selbstzweifeln führen könnte. Natürlich haben wir uns auf die negativen konzentriert; schließlich sind wir eine Metal-Band. Was, wenn diese Zweifel nie aufhören? Was, wenn ich nie aufhöre, um den Verlust eines geliebten Menschen zu trauern? Wie würden wir uns dabei fühlen? Wie würde es unsere geistige Gesundheit beeinträchtigen?“

Es mag weit entfernt von den gottlosen Songs erscheinen, mit denen die Band ihre Karriere aufgebaut hat, aber Wilson beteuert, dass Ov Sulfur „immer noch sehr religionskritisch“ ist. Das übergreifende Thema erinnert an eine Zeile aus „Earthen“, einem Lied über den tragischen Kampf von Hoovers Neffen gegen den Krebs, in der gefragt wird: „Was für ein Gott würde ein Kind auf die Probe stellen?“ Überträgt man das auf alle – betrachtet uns die Religion nicht alle als Kinder Gottes? –, fragt man sich unweigerlich, was für ein gütiger Schöpfer seine eigenen Kinder Prüfungen und Leiden unterziehen würde.

Die Singleauskopplung „Evermore“ aus „Endless“ hinterfragt das in vielen Religionen versprochene ewige Leben. Sicher, theoretisch liegt die Ewigkeit in einer Art Paradies, aber wenn alles besonders ist, ist nichts mehr besonders.

Ov Sulfur - Endless
Ov Sulfur Endless

Glücklicherweise trifft das musikalisch nicht zu. Zu den bereits erwähnten Songs „Evermore“ und „Seed“ gesellen sich Titel wie „Forlorn“ (über ewige Sehnsucht).

„Leviathvn hatte kaum Zeit, für ‚The Burden Ov Faith‘ Schlagzeug zu schreiben und zu lernen, so kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten“, sagte Wilson und verriet, dass die Band vor dem Treffen bereits mit einem Session-Schlagzeuger verhandelt hatte. „Wir haben inzwischen festgestellt, dass er nicht nur kunstvolle Arrangements schreiben kann, sondern auch ganze Songs, die die Black-Metal-Seite des Blackened Deathcore perfekt ausnutzen.“

„Ich sollte ursprünglich nur ein sanftes Intro zu ‚Earthen‘ auf unserem letzten Album singen“, verrät Hoover. „Nachdem Chase und unser Gesangsproduzent [für das Album], Morgoth, es gehört hatten, haben wir einiges überarbeitet, damit ich mehr singen konnte. Das wurde hier noch weiter ausgebaut. Chase hat mir sogar im Studio Falsett beigebracht (er hat mich dabei mit seinem Handy gefilmt, wie ich total überrascht war, die Töne zu treffen, weil es so neu für mich war).“

Wilson geht näher auf die stimmliche Weiterentwicklung ein: „Es gibt ein starkes Zusammenspiel unserer Stimmen, das man schon auf ‚The Inglorious Archetype‘ von The Burden Ov Faith andeuten konnte. Inspiriert wurde das Ganze von Layne Staley und Jerry Cantrell von Alice In Chains. Man hört es auch auf ‚Evermore‘, und ‚Wither‘ haben wir uns praktisch geteilt; der Song handelt davon, dass wir beide unsere Großeltern verloren haben, er ist also sehr persönlich.“

Die Dynamik wird hier durch Gastauftritte von Johnny Ciardullo (Carcosa), Josh Davies (Ingested) und Alan Grnja (Distant) verstärkt, die sich in die illustre Gästeliste von Ov Sulfur einreihen, zu der unter anderem Howard Jones (ex-Killswitch Engage, Light the Torch), Alex Terrible (Slaughter to Prevail) und viele mehr gehören.

„Das erste Album war eher ein ‚Leckt mich doch‘ an all die Leute, die Ov Sulfur nicht verstanden oder mochten“, erklärt Wilson. „Endless ist eher eine Liebeserklärung an all die Leute, die dabei waren und der Band treu geblieben sind.“

Die Plate tritt gut und häufig in den Allerwertesten, der schon erwähnte Song „Wither“ ist sehr außergewöhnlich auf diesem Album und eine Ballade, die nun mal ziemlich gelungen ist. Außerdem sorgt sie für noch mehr Abwechslung. Aber nach Dutzenden Durchläufen wird es auch für mich Zeit, die Platte zu wechseln. Ich habe hier viel zitiert und nur übersetzt übernommen, aber eben weil das Zitat von den Bandmitgliedern das schon perfekt beschreibt und der Rest eben auch. Das Werk ist schon sehr dynamisch und lässt auch keine Melodien vermissen. Die zehn Stücke sind auf 46 Minuten zu hören und das kann sich wirklich sehen und genießen lassen.

Endless (24-bit HD audio) von Ov Sulfur

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