„Buch der Balladen“ hat die Pagan-Folk Gruppe Faun aus Gräfelfing bei München ihr neuestes Werk getauft. Und kein Titel der Welt könnte wohl besser umschreiben, was den geneigten Hörer beim Kauf des aktuellen Faun Silberlings erwartet. So verbirgt sich hinter „Buch der Balladen“ weit mehr als eine simple Audio CD – nämlich ein geprägtes und äußerst liebevoll gestaltetes Hardcover Buch, in dem sich neben zahlreichen Erläuterungen und Illustrationen, sogar die Texte und Lieder aller Songs befinden und das inklusive der dazugehörigen Gitarrenakkorde.
Noch ehe man die eigentliche CD angehört hat, verfällt man so bereits dem wirklich faszinierenden Charme des bebilderten Beiwerks und vor lauter Freude in Selbigem schmökern zu können, gerät sogar um ein Haar der musikalische Output zur reinen Nebensache. Das allerdings ändert sich just in dem Moment da man die CD endlich in den Player legt, denn anders als von Faun gewohnt, überraschen die Musiker diesmal mit einem rein akustisch gehaltenen Album und das klingt mehr als überzeugend in den Ohren.
Andes als andere Bands solche Alben für gewöhnlich handhaben, haben sich Faun hierbei jedoch nicht für den einfachsten Weg entschieden – als der wäre, bereits vorhandenes Material ihrer musikalischen Karriere einfach nochmal ohne Elektronik neu aufzunehmen – sondern vertonen und interpretieren auf ihrem inzwischen sechsten Silberling kurzerhand zwölf mehr oder wenige bekannte Balladen und entführen den Hörer damit auf eine berauschende Reise in eine ferne Welt, in der Trolle und wilde Wassermänner genauso real und zum Greifen nah sind, wie der legendäre Drachentöter Sigurd, oder bezaubernde Feenwesen.
Neben den sanften, bevorzugt mehrstimmig gehaltenen Gesangspassagen, zaubert insbesondere das stimmige Arrangement der mittelalterlichen Instrumentierung eine leicht melancholische, perfekt auf kommende Winterabende abgestimmte, Athmosphäre. Dabei gelingt es den Faunen trotz des gigantischen Aufgebots an unterschiedlichen Musikinstrumenten (wie keltische Harfe, Drehleier, Dudelsack, diverse Lauten, schwedische Schlüsselfiedel, Mandocello, um nur einige zu nennen) den Hörer zu keinem Zeitpunkt mit erdrückendem Bombast zu überforden.
Der Grundtenor des Albums ist unmissverständlich verträumt und nachdenklich stimmender Natur und so wundert es kaum, dass die einzelnen Stücke konsequent leise und verspielt gehalten sind und nur selten in Midtempo-Gefilden abdriften. Diese Geradlinigkeit hat einerseits zur Folge, dass „Buch der Balladen“ nicht nur authentisch, sondern auch absolut stimmig und wie aus einem Guß in den Ohren klingt, aber andererseits stellenweise leider auch etwas monton und langatmig zu werden droht.
„Buch der Balladen“ ist wohl kein Album das man mal einfach so nebenbei hören kann. Doch genügend Muße und das geeignte Ambiente vorausgesetzt kann das neue Werk der Münchener den perfekten Soundtrack für einen besinnlichen Abend in den heimischen vier Wänden liefern. Wer sich glücklich schätzt einen Kamin sein Eigen nennen zu können, sollte diesen anzünden, bevor er die CD genießt. Ein gutes Glas Rotwein könnte ebenfalls nicht schaden.
„Das Buch der Balladen“ von Faun wird am 20. November 2009 veröffentlicht. Neben der regulären Version wird es eine limited Edition geben, die mit „Brynhilds Lied“ einen Bonustrack von über 10 Minuten Spielzeit enthält.













