Wem Kassel bisher nur als Heimat von Documenta, DarkArea Festival, Waschbären und einer populären Industrialband namens Project SAM ein Begriff war, der kann jetzt etwas lernen: Denn besagte Stadt beherbergt seit Kurzem auch eine (bandgeschichtlich) junge Band namens evo-lution.
Frank Hammermüller und Klaus Battefeld, welcher bereits musikalische Erfahrungen mit dem Projekt Spreading Point sammelte, taten sich im Frühjahr 2010 zusammen und fanden innerhalb eines Jahres einen gemeinsamen Stil, den sie binnen eines Jahres verfeinerten und im April diesen Jahres auf ihrem im Eigenvertrieb veröffentlichten Debüt „Changing Memories“ der Öffentlichkeit vorstellten.
Das Album eröffnet ruhig mit „The Beginning„, einem rein instrumentaler Track, und sammelt bereits erste Pluspunkte im Gehörgang. Mit „Lies“ versucht sich die Band dann am Gesang, was durchaus ein passables Ergebnis wäre, jedoch überlagern die Synth-Klänge immer wieder die Vocals, wodurch es nicht nur ungemein schwer wird, etwas zu verstehen, sondern ab und zu auch unfreiwillig komische Fehlinterpretationen aus den Boxen dringen.
„Im Himmel“ liegt inhaltlich in etwa auf dem Niveau von Blutengel Texten, überzeugt jedoch durch straighten Rhythmus, während „Society Of Today“ die erste positive Überraschung auf dem Album ist: Clean abgemischt, mit frischen Sounds und interessanten Texten – hier wünscht man sich lediglich etwas mehr Druck beim Bass, denn das Stück hat wirklich Potential.
Wenn man eine qualitative Kehrtwende erwartet, wird man enttäuscht, denn obgleich das nachfolgende „Träume“ im Vergleich zum Einstieg in das Album besser abgemischt ist und interessante Klangkomponenten bietet, verwischen auch hier wieder und wieder Lyrics – jedoch nicht auf die angenehme, gewollte Art.
„Terminator“ versucht sich an einem kraftvollen Intro, hinterlegt von verzerrten Stimmen, und lässt klar die Anlehnung an And One herauszuhören, doch auch hier fehlt schlichtweg der Druck dahinter. Von einer stampfenderen Bassline hätte der Track ungemein profitiert, jedoch bietet er auch so einiges für die Ohren.
„Unendlichkeit“ möchte den Hörer offensichtlich in die Weiten des Alls befördern, und verzichtet dankenswerter Weise bis auf Background-Samples völlig auf Gesang – alles andere hätte hier allerdings auch die Stimmung astrein zerstört. In „Absolving Me“ vermischen sich deutsche und englische Texte auf Basis von treibenden Rhythmen und eingängigen Sounds – mit „Society Of Today“ ein absoluter Anspieltipp!
„Für Dich Und Mich“ schaltet wieder einen Gang zurück und präsentiert sich in grundsolidem, wenngleich latent monotonem, Klanggewand. „Black Day“ bietet interessante Lyrics, scheitert letzten Endes jedoch am Versuch der Beiden, sich in höhere Tonlagen zu singen – schade, denn das Stück hat viel Potential. „Stuck On Love“ beschließt als elfter Track das Debütalbum und schafft einen würdigen Abschluss.
„Changing Memories“ ist alles in allem ein solides Debütalbum mit frischen und interessanten Ideen – leider scheitert vieles an der bestenfalls als „durchwachsen“ zu bezeichnenden Abmischung und den stellenweisen fehlschlagenden Bemühungen von Frank und Klaus, in Tonlagen zu singen, die für sie nicht zugänglich zu sein scheinen. Zwar sind die Einflüsse von Szenegrößen wie And One und Depeche Mode stellenweise deutlich zu hören, jedoch setzen evo-lution bewusst eigene Akzente und verfolgen einen klaren Stil, wenngleich die Texte eine Achterbahnfahrt im Niveau hinlegen.
„Society Of Today“ ist für mich klar das beste Stück, wobei es sich den Titel beinahe mit „Black Day“ und „Absolving Me“ teilen müsste, wären diese genauso sauber abgemischt und klar gesungen.
Das Album ist für €8 inklusive Versand im Direktvertrieb über evolution.music@gmx.de zu beziehen, wer vorab in das Album hineinhören möchte, erhält in der Soundcloud die Möglichkeit dazu.













