
Nach dem Entfernen der handelsüblichen Umverpackung fällt bei dem neuesten, musikalischen Glanzstück der bayrischen Mittelalter-Folk Band Dunkelschön, als erstes ins Auge, dass es sich hierbei wohl um die erste CD handelt, bei der es selbst dem schludrigsten Musikliebhaber nicht gelingen dürfte, das dazugehörige Booklet zu verbummeln, da dieses kurzherhand im CD-Cover festgeklebt wurde.
Eine Idee, die sich als gar nicht mal so unpraktisch erweist, zumal man daraufhin ganz automatisch einen längeren Blick in das liebevoll gestaltete Begleitmaterial wirft. Und das enthält neben einer Erläuterung des antiken Begriffes Katharsis sämtliche Songtexte, die schnell offenbaren, dass Dunkelschön wahre Liebhaber der sprachlichen Vielfalt sind.
So finden sich unter den insgesamt 11 Titeln, Stücke in (alt)deutscher, gälischer, schwedischer und natürlich auch lateinischer Sprache. Besonders schön hierbei ist, dass sich die Band die Mühe gemacht hat, alle Texte, darunter auch das dem Carmina Burana entliehene „Mandaliet“, oder das schottisch-gälische Schlaflied „Quiet Land“, auch nochmal extra ins Deutsche zu übersetzen. Ein netter Bonus, der sich, das inhaltliche Verständnis betreffend, als wahrer Segen entpuppt, da vermutlich die Wenigsten unter uns, wirklich aller hier verwendeten Sprachen, mächtig sein dürften.
Ähnlich abwechslungsreich, wie auf sprachlicher Ebene, präsentieren sich Dunkelschön, unter rein musikalischem Aspekt betrachtet.
Das stimmungsvolle Soundgeflecht, das Dunkelschön, mittels Einsatz eines schier unerschöpflichen Fundus an historischen Instrumenten (darunter Nyckelharpa, Irish-Bouzouki, Davul, aber auch Flöte, Harfe und Cello) erschaffen, klingt dabei nicht annähend so düster, wie Bandname und Albumtitel im ersten Augenblick vermuten lassen. Vielmehr gelingt es den Musikern mit sphärischen Klängen und wunderschönen Melodien, eine faszinierende Parallelwelt zu erschaffen, in der Mythen und Legenden aus den unterschiedlichsten Kulturen und Epochen auf magische Weise zum Leben erwachen.
Während man gerade noch mit den Mannen von Robin Hood durch Wald und Wiesen streift, entführt einen der nächsten Song bereits in orientalische Gefilde, nur damit dem Hörer, kurze Zeit später, bei einem schottisch-gälischen Schlaflied eine kurze Verschnaufpause findet.
Auch auf emotionaler Ebene, offenbart sich die dunkelschöne Zeitreise betont facettenreich. So variieren die einzelnen Songs, zwischen ruhigen Momenten, die die Seele streicheln, bis hin zu rockigen Nummern, die vor Energie sprühen.
Trotz der großen kulturellen und emotionalen Bandbreiten, die Dunkelschön, mit ihrer Musik beleuchten, empfindet man die Sprünge zwischen den unterschiedlichen Welten keinesfalls als Stilbruch. Dank eingängiger Melodien, untermauert von der ebenfalls vielgestaltigen Stimmgewalt der charismatischen (Haupt-) Sängerin Vanessa Istvan, fügen sich alle Songs zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk zusammen. Ein Gesamtkunstwerk, von dem man sicherlich nicht so schnell müde wird, es immer wieder aufs Neue zu genießen, da es auf jeder weiteren Reise in die dunkelschöne Welt von Katharsis, doch wieder etwas Neues zu entdecken gilt, das einem zuvor noch verborgen geblieben ist.















