Ein ungewöhnlicher Bandname, ein etwas undurchsichtiger Albumtitel – es scheint auf der Hand zu liegen, dass die Musik, die uns das Baden-Württenbergische Quartett Z-Effektor auftischen will, definitiv nicht unter die Rubrik „Standart“ fallen kann. Die Musiker, aus der Heimatstadt der 80er Jahre Heroen Camouflage, bezeichnen ihre musikalische Mission selbst als eine Art Renaissance des Dark Wave/Elektro Genres.

Diese Bezeichnung ist sicherlich nicht falsch, wird dem hier gebotenen musikalischen Umfang allerdings nicht ganz gerecht. Z-Effektor versuchen nämlich vorallem eines – durch extreme musikalische Vielfalt zu überzeugen. Munter mischen die vier Künstler, unter der Obhut von Bruno Kramm, in dessen Danse Macabre Studios, der Silberling produziert wurde, einfach alle Musikrichtungen, die ihnen gefallen, zu einem akustischen Gesamtkunstwerk zusammen. So kann es kurzerhand passieren, dass sich neben jeder Menge Darkwave, Elektro Gothic, Indstrial Rock und EBM-Sound, auch schon mal ein gregorianisch angehauchtes Gesangsstück unter die Tracklist schummelt.

Letzeres verdeutlicht bereits, dass man sich auch auf gesanglicher Ebene ähnlich abwechslungsreich präsentieren will, wie unter musikalischem Aspekt betrachtet. Die größtenteils deutschsprachigen Texte werden von zwei Frauen und einem Mann mal mit klassischen Gesangslinien, dann wieder mit monotonem Sprechgesang interpretiert. Und das immer passend zum jeweiligen Song.

Besonders deutlich wird dies zum Beispiel beim vierten Titel auf Album mit dem Namen „Paranoid“. Hierbei handelt es sich um einen Song, der mit seinen für den Hausgebrauch fast etwas zu anstrengende Beats, spätestens auf den Tanzflächen der einschlägigen Musiktempel zum absoluten Clubhit mutieren dürfte. Doch als das eigentlich faszinierende an diesem Song offenbart sich, festzustellen, wie erschreckend schön es in den Ohren klingt, wenn die Sängerin, absolut perfekt, mit ihrem leicht hysterisch anmutendem Sprechgesang, dem Titel selbst, alle Ehre macht.

Als ebenfalls ansprechend, diesmal für die Augen, entpuppt sich das Artwork zu „Zwischen XII Uhr“. Besonders nett hierbei ist, dass die Musiker, auch hier wieder den Renaissance Gedanken aufgegriffen haben und sowohl CD als auch Booklet im warmen Retro-Look gestaltet wurden. Nur leider gibt auch das auf der CD abgedruckte Ziffernblatt keinen Aufschluss darüber, was genau es nun bedeuten mag, zwischen zwölf Uhr zu sein.

Fest steht jedenfalls, auch wenn die dargebetone musikalische Vielfalt gewöhnungsbedüftig ist und manchmal sogar droht den geneigten Hörer etwas zu überforden, im Großen und Ganzen geht das hier gewählte Konzept doch auf. 14 Songs mit einer Gesamtspielzeit von knapp 70 Minuten, wissen nicht zuletzt dank der Präsenz etwas eingängigerer Nummern, wie „Spinnlein“, vielleicht nicht beim ersten Hören, aber allerspätestens beim dritten Versuch zu überzeugen. „Zwischen XII Uhr“ ist ein Album dem man durchaus eine zweite Chance geben sollte. Gleiches gilt natürlich für die Band, die hinter diesem Album steht. Auch hier wäre es schön, nach diesem ersten Gehversuch, noch weiteres musikalisches Output geliefert zu bekommen.

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Pamela Stahl
Pamela Stahl ist ehemalige Mitarbeiterin von Mindbreed.