Bereits vor guten 10 Jahren wurde im Raum Berlin die Band Last Lament gegründet. Trotz des Ausstiegs des ehemaligen Sängers André im Jahr 2005 hat sich die Band, die nun noch aus Anne Pasold und Torsten Krause besteht, hartnäckig gehalten. Nach zahlreichen eigenen Konzerten, Auftritten als Support namenhafter Bands und einigen Alben und Maxis, präsentieren sie hier – wie immer in Eigenproduktion – ihr drittes Album „Under Your Surface“.
Der erste Song „Aphorism“ stellt eine knappe Einleitung dar. In anderthalb Minuten hört man düstere Elektro-Klänge, untermalt von der kräftigen, verschwörerischen Stimme von Sängerin (und Gitarristin) Anna. Die meisten Songs schließen an dieses Schema an. Mal geht es etwas ruhiger her, wie in „Break the Past“ oder „Ending Legend“, ab und zu auch mit einem etwas schnellerem Beat, wie in „Scientific Mutilation“. Doch allgemein lässt sich das Album eher als emotional und gelassen bezeichnen, sprich: nichts um dazu auf der Tanzfläche wild im Viereck zu springen, aber durchaus tauglich um seinen Körper andächtig im Takt zu drehen und zu räkeln.
Doch die computergefertigte elektrische Seite des Albums ist nicht die einzige. In einer Hand voll Tracks, wie „Restarting Life“, „Everyday Life“ oder „Under Your Surface“, dem Hidden Track der CD (Ja, Last Lament ist eine Band, die die klassische Kunst des Hidden-Track-hinter-zehn-Leertracks-verstecken noch beherrscht!), bilden E-Gitarre und Klavier das musikalische Grundgerüst. Abgesehen von dieser instrumentalen Variotaion setzen sich diese Stücke auch durch ihre klangliche Dichte von den anderen ab. Hier kommen eindeutig mehr Tonspuren zusammen als in den programmierten Stücken.
Generell kann das Album „Under Your Surface“ als puristisch beschrieben werden. Last Lament erschafft Klasse nicht durch Masse, wie man es von Metal oder härteren Elektro-Genres kennt, sondern dadurch, in gewissen Momenten eher etwas weniger zu machen, damit einzelne Klänge nicht nur in der breiten, klanglichen Masse, sondern auch einzeln und für sich wirken können.
Desweiteren zieht der scharfe Kontrast zwischen Gesang und Musik Aufmerksamkeit auf sich. Die Musik erscheint häufig verträumt, geradezu melancholisch. Der Gesang hingegen hat etwas kriegerisches, als könnte die Sängerin absolut nichts unterkriegen. Einerseits macht dieser Kontrast die Musik zwar interessant, macht es manchmal aber auch etwas schwerer, sich auf eine einzelne Stimmung wirklich ein zu lassen. Doch vielleicht entspricht das ja sowieso nicht der eigentlichen Intention der Künstler.
Die hauptsächlich auf Englisch gehaltenen Texte (einzige Ausnahme bildet der Song „Kopfplan“), handeln von Selbstreflexion in einer als unterdrückend erfahrenen Umgebung, von Depression und von Angst, doch auch von der Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss, und zwar radikal! Ein schönes Beispiel hierfür ist eine Passage aus „Break the Past“: Break the past and leave them / Go away and grasp for new / Shake your soul and wake up / Slip away and go for new.
Anspieltips: „Scientific Mutilation“ und „Ending Legend“
Zu kaufen gibt es die CD im Onlineshop der Band.












