Genetic Vortex
aus Hessen, seit 2005 tätig, seit Anfang 2008 in aktueller
Besetzuung, debutieren mit The Land Sleeps Ende letzten
Jahres.
Schon das Cover, auf
dem eine weite Landschaft in Rosa auf weißem Hintergrund
abgebildet ist, lässt aus sich schließen, dass die
Komposition alles andere als gewöhnlich im Vergleich zu dem ist,
was sonst aus den Bereichen des „New Wave“ und „Electronica“
zu hören ist.

Das Intro „Run“ fängt angenehm unschuldig und hell an, erinnert an Krimmimusik
und lässt sofort Kopfkino laufen. Durch die vielen Effekte macht
es mit seiner fröhlichen Art neugierig auf mehr, doch nach einem
Umschwung erscheint der Vocal-Part auf der Manege. Bedauerlicherweise
muss an dieser Stelle gesagt sein, dass sich der Gesang nach ´gewollt
und nicht gekonnt´ anhört. Es fällt stark auf, dass
das Englisch einem nicht in dieser Sprache bewanderten Mund entrinnt,
die Stimme hört sich gelangweilt an, wird der Musik im
Hintergrund nicht gerecht und zerstört die vorher aufgebaute
Harmonie und den Wohlklang. Diese Problematik zieht sich durch nahezu
jedes Lied.

„The Land Sleeps“ ist mein persönlicher
Lieblingstrack mit einem erheiternden Beat, frischen Synths und
Ohrwurmcharakter, der ihn zum guten Partysong machen könnte.

In „Into The Light“ tauchen
überraschender Weise Gitarren auf, die durch das Samplen leider
etwas flach klingen. Ansonsten sind alle Spuren mal wieder sehr
stimmig und gut anzuhören. Das Lied ist spannend und tanzbar,
chillig aber keineswegs langweilig, es fehlt allerdings etwas mehr an
Aussagekraft und Wuchtigkeit.

„Endless Night“ ist
ein, dem Namen nach, absichlich in scheinbar ewige Länge
gezogenes Lied, bei dem nach meinem Geschmack übers Ziel hinaus
geschossen wurde. Es vermittelt zwar Leichtigkeit und Hochgefühle
und entführt auf einen endlosen Trip, aber man muss auch bei
einem längeren Lied wissen, wann denn wirklich Schluss ist.

Bei „Life In Harmony“ wird
der quirlige, flüssige Beat von der zu stark in den Vordergrund
gedrängten, unrhythmisch erscheinenden Stimme negativ belastet
übertönt.

Nicht
so in „Sterio“, das mit
seinem abwechslungsreichen Sound an richtiger Stelle in einen
aufregenden Zauberwald entführt, wobei sich die Vocals hier
recht unprofessionell anhören.

„Silence“ überzeugt
mit wuchtigen Effekten und den beschwörerischen Worten „Welcome
to my World“ zu Anfang. Die Stimmung ist dunkler als zuvor, die
Stimme angenehm im Hintergrund. Zum Ende hin wird es ein bisschen
schwammig, da es sich in Wiederholungen verliert.

Mit
„The Final Redemption“
bekommt die Platte erstmals einen melancholischen Touch, der ihrer
Entwicklung sehr gut tut.

„Step Back“ läutet
seinerseits etwas launchiger ein, führt die etwas trübsinnige
Konnotation allerdings gekonnt fort und ist dennoch etwas zum
Mitwippen.

„Nothing New“
klingt spaciger, ist an sich
sehr gleichförmig und ruhig, mit interessantem Bridge.

Im
Gegensatz dazu hat „Come Back“ wieder
Hit-Charakter, da es sich sehr einprägsam zum Mitsingen eignet
und so dahin trällert. Bei diesem Lied nimmt der Gesang endlich
seine richtige Stelle ein und bekräftigt das Zusammenspiel von
Melodie und Beat, ohne zu stark im Vordergrund zu sein.

Der
vorletzte Track „The Past, The Present And The Future“
ist ziemlich gut tanzbar mit seinem flachen, schönen und
interessanten Beat. Man fühlt sich mal wieder entspannt,
erheitert, und nicht in großartige Hochs und Tiefs gezerrt.

Das
Finale „Sometimes We Cry“ setzt
dem Ungewöhnlichen und Abwechslungsreichen von Vortex die Krone
auf, der Beat ist schon fast dem Dancehall entnommen, aber so weit im
Hintergrund, dass er als I-Tüpfelchen des Ganzen fungiert.

Am
Ende der Platte fehlt es dem Hörer an nichts, das Album
verkörpert die Zufriedenheit und Harmonie musikalisch: es ist
hell und freundlich ohne typische Gothklänge. Das ist hoch
anzurechnen. Genetic
Vortex experimentieren
viel, indem sie scheinbar Unpassendes zusammenfügen, was dem
Sound eine unverwechselbare Note verleiht. Die Entwicklung innerhalb
jeden Liedes und innerhalb des ganzen Albums ist in sich sehr stimmig
und musikalisch ausgereift. Die Tracks sind ausgezeichnet platziert,
es wird keinen Moment lang langweilig, allerdings muss noch sehr viel
am Gesang gearbeitet werden, damit auch er der musikalischen Vielfalt
gerecht werden kann.

Autor: Anastassija

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