Die ersten „Eisblumen“ erblühten bekanntermaßen bereits im Jahr 2005, als Subway to Sally mit ihrem damaligen Album Richtung „Nord Nord Ost“ segelten. Der neunte Track besagten Silberlings gefiehl 4 jungen Berliner Musikern, allen voran Sängerin Ria, offenbar so gut, dass sie diesen nicht nur – in neuer Interpretation freilich – zum Opener ihres Debutwerkes erklärten, sondern sogar ihre Band auf eben diesen Namen tauften.
Auch wenn die „Eisblumen“ in ihrem neuen, zerbrechlich intonierten Gewand durchaus charmant klingen und sich vor der rockig-rauhen Originalversion keinesfall verstecken müssen, kündigt dieser Track schon leise an, was spätestens beim Titel „Leben ist schön“ zur unüberhörbaren Gewissheit wird: Songs, die auf chartorientierte Gefälligkeit setzen, sind bei den Berliner Eisblumen Programm und werden sich von nun an, wie der berühmte, rote Faden konsequent durch das komplette Album ziehen.
Unter dem grossen, weltoffenen und natürlich düster-schwarzen Deckmantel der Gothicszene, servieren uns Sängerin Ria und Band schlichtweg nette Popmusik und das in Reinkultur.
Da gelingt es auch noch so herzschmerz- und klischeeschwangeren Songtexten nicht, darüber hinweg zu täuschen, dass die einzelnen Stücke in den Ohren klingen, als wären sie einer Christina Stürmer, oder LaFee auf den Leib geschneidert worden.
Zweifelsfrei nett arrangierte, aber leider oftmals viel zu berechenbar klingende, Melodien werden von sanften Synthies, zahmen Gitarren und gefühlvollen Pianoklängen getragen. Die fragile und glockenhelle Stimme Rias fügt sich allerdings nahtlos und absolut perfekt in dieses musikalische Grundkonzept ein. Und genau deshalb fällt es einem wohl so furchtbar schwer das zarte Pflänzchen namens Eisblume in völlige Ungnade fallen zu lassen.
Denn, aller Harmlosigkeit zum Trotz, früher oder später bleiben die Songs tatsächlich irgendwie und unvermeidlich im Gehörgang hängen. Zudem gelingt es Sängerin Ria mit ihrer zauberhaften Stimme, ein so liebreizendes, reines und vorallem zerbrechlich wirkendes Bild ihrer Person zu zeichnen, dass man überhaupt nicht vermag der Guten irgendetwas Negatives entgegen zu bringen. Vielmehr möchte man hier ein kleines, verlorenes Mädchen in den Arm nehmen und vor all dem Bösen in der großen, weiten Welt beschützen.
Angesichts dessen verblassen Spekulationen über mögliches Kalkül. Fehlende Eigenständigkeit und eine Überdosis Weichspüler im Rock-„wasch“-gang werden zur Nebensache und es gelingt sogar über musikalische Fragwürdigkeiten, wie beispielsweise einen fast schmerzhaft banalen „Nanana“-Refrain hinwegzusehen.
Dass die Berliner Newcomer, diesen guten Willen und das in Sie gesetzte Vertrauen tatsächlich verdienen, beweisen Eisblume zum Schluss dann doch noch mit der ergreifenden Ballade „Louise“. Mit viel Gefühl haucht Ria einem orchestralen, aber nicht zu opulentem Stück, trauriges Leben ein. Gesang und Instrumentierung bilden hierbei eine perfekte Harmonie. Schnell wird klar, ein langsamer, athmosphärischer Song und ein simples Klavier funktionieren im Fall von Eisblume um Längen besser, als jedes noch so durchgestylte Pop-Arrangement.
„Louise“ sei Dank, endet ein an sich leider etwas zu ecken- und kantenloses „Gothic meets Pop“-Album mit einem richtigen Highlight, welches den Hörer mit dem guten Gefühl entlässt, dass diese Band durchaus noch Potential hat und vielleicht doch mal im Auge behalten werden sollte.












