Nachdem ihr letztes Werk „Das weiße Lied“ von den Fans eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, da es sich im Gegensatz zu bisherigen Werken als reines Akkustik-Album präsentierte, geht es mit „Schuldig“ zurück zu den rockigen Wurzeln. Und das ist auch gut so, denn der neue Sound von Letzte Instanz klingt wunderbar frisch.
Der Opener „Mea Culpa“ ist mit knappen vierzig Sekunden ein interessanter Einstieg in den neuen Silberling, der einem mit „Mein Engel“ sofort knalligen Sound entgegenschallt. Gitarrenlastig mit dezenten Streicher-Arrangements wird Hollys markante Stimme durch begleitet und man wird direkt auf das Programm der nächsten 11 Stücke eingestimmt – denn rockig geht es beinahe durchweg weiter.
Mit „Flucht ins Glück“ und „Eisherz“ folgen zwei solide Stücke in ähnlicher Machart, die beide reichlich Potential haben, auf kommenden Konzerten ausgiebig gefeiert zu werden. Ruhiger hingegen kommt „Traumlos“ einher. Ursprünglich als Ballade gedacht, verlieren sich diese Züge beinahe in der doch heftigen Gitarrenuntermalung, jedoch setzen gegen Ende weibliche Vocals ein, die dem Stück einen besonderen Touch verleihen.
Ungewohnt sind auch die Klavierparts in „Dein Licht“, für die sich Leandra, Keyboarderin von Jesus on Extasy, verantwortlich zeigt, die bereits mit den sieben Jungs auf Akkustiktour ging.
„Die Eine“ gehört bestimmt zu den interessantesten und ohrwurmträchtigsten Stücke auf der Scheibe und erzählt, wie sollte es bei dem Titel auch anders sein, eine Liebesgeschichte. „Vollmond“ gibt hingegen wieder mehr Gas und stimmt auf das anschließende „Feuer“ ein, das mit rauen Vokals und fast schon aggressiven Gitarrenriffs für gehörig Stimmung auf den Tanzflächen sorgen dürfte. Unverständlich ist, wieso eben entfachtes Feuer mit dem ruhig-melancholischen „Mein Leben“ sogleich wieder gelöscht wird. Sicherlich ist es ein schönes und sehr gelungenes Stück, jedoch wäre es an anderer Stelle sicherlich besser zur Geltung gekommen.
„Der Garten“ knüpft an diese Stimmung an, zusammen mit der türkischen Gastsängerin Aylin singt Holly von Religion und Dogmen, Glauben und Freiheit, und bezieht damit auf seine Weise Stellung zu Themen, die seit hunderten von Jahren für Streit und Zwietracht überall auf der Welt sorgen. Höhepunkt des Stückes sind die türkischen Lyrics, die zusammen von Aylin und Holly gesunden werden und sich perfekt in das Gesamtstück integrieren.
Rhythmisch und kraftvoll ruft „Komm“ zum Feuertanz, und man könnte sich fast schon an Rammstein erinnert fühlen, wenn nicht mittendrin zunächst ruhige, sich dann immer stärker aufschaukelnde Sequenzen ein typisches Letzte Instanz Feeling aufkommen lassen würden. „Finsternis“ läutet den Abschluss des Albums ein, schöpft aber noch einmal aus dem Vollen und macht Lust darauf, das Stück live mitfeiern zu können.
Ruhig und fast schon besinnlich geht das Album mit „Wann“ zu Ende, und während die letzten Sehnsüchte, respektive das letzte Meeresrauschen leise verklingen, kann man sich schon auf einen neuen Durchlauf im CD Player freuen.
Letzte Instanz liefern ihren Fans mit „Schuldig“ ein Top-Album, das all diejenigen besänftigt, die die Akkustik-Experimente zuvor mit Argwohn betrachteten. „Schuldig“ ist ein mitreißendes, rockiges Album das eine positive Weiterentwicklung der sieben Jungs erkennen lässt, und mit den Gästen in Gesang und am Keyboard gelungene musikalische Akzente setzt.












