Schon mal eine Sängerin gehört, der man nicht anmerkt, dass es eine Frau ist? Als ich das erste Mal das Debut von Orphan Hate hörte, dachte ich, die Band besässe zwei Sänger. Eine erste Recherche brachte dann Erstaunliches zu Tage: Hinter dieser extrem variablen Stimme verbirgt sich eine Frau.

Die 23-jährige Sina Niklas ist die Sängerin des Quintetts. Ihre Stimme reicht von Gegrunze über cleane Vocals hin zu Gebrüll, das aber genauso gut von einem Mann stammen könnte. Stellenweise erinnert der Gesang sogar an Max Cavalera. So eine unglaublich variable Frauenstimme hat die Musikwelt noch nicht gesehen. Anspieltipp: “Homeless”, wo die ganze Bandbreite der Sängerin hörbar ist.

“Blinded By Illusions” ist ein solides Debut der 2004 neu formatierten Band. Ihr Ziel war es immer, ihre Musik zu veröffentlichen – notfalls auch auf eigene Kosten. Bislang sind die Mannen um Frontfrau Sina Niklas quer durch Russland, Polen und Deutschland getourt. Das Berliner Label Plainsong Records ist nun die Heimat von Orphan Hate. Auch der Proberaum der Band befindet sich in der Hauptstadt. Die Musik ist eine Mischung aus wütenden Riffattacken, schwelgerischen Refrains und verspielten Gitarren-Soli. Die Band bezeichnet ihren Sound selber als Melodic Trash-/Deathmetal. Fans von Slipknot, In Flames, Nevermore und Stone Sour dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

Harte Riffs, die Geschwindigkeit und der Gesang erinnern hauptsächlich an Slipknot. Bei den vierzehn Songs gibt es ordentlich eins auf die Zwölf. In bester Sepultura-Manier wird hier geholzt, was das Zeug hält. Einzig bei “Circus” bekommt der Zuhörer eine Verschnaufpause verordnet. Hier wechseln sich ruhige Strophen und melodischer Gesang mit brachialen Refrains ab. Dieser Song hat Ohrwurm-Qualitäten. Doch schon beim darauffolgenden “King’s Misery” gibt es wieder Holz. Bullet For My Valentine hätten den Song nicht besser geschrieben.

Fazit: Ein solides Debut einer jungen Band, die aber noch über eine Menge Potenzial verfügt.

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