Cemetery Junction“ – Ein Album, das wir eigentlich schon viel eher hätten hören können, was jedoch von Umständen, die wie aus dem Fernsehen klingen, vereitelt wurde. Ein Album das voll ist von ausradierten Schwarzweißfotos, von 11 mitreißenden Liedern an denen man sich nicht satt hören kann, von talentierten Musikern und von etwas das man nicht überall findet. Ein Album, das irgendwie genau das ausdrückt, was man nicht richtig ausdrücken kann…

Crush, Zac, Begg and a friend – das klingt ja schon ziemlich lang! Warum denn so ein langer Name? Das ganze geht auf eine Geschichte zurück, welche sich 2005 in Manchaster/England zu trug. Irgendwie liefen sich die Musiker The Crush und Tommy Zac in die Arme und – um das ganze kurz zu fassen – zogen noch T.H. Begg und David Younger an Bord zwecks Bandgründung. Schon bald standen erste Studioaufnahmen an und Cemetery Junction hätte eigentlich schon vor guten drei Jahren die Plattenläden zieren können. Doch plötzlich war David Younger wie vom Erdboden verschluckt und bestürzt ging jeder wieder seines Weges. Doch 2007 wurden die alten Aufnahmen wieder ausgegraben und schließlich doch noch von Crush, Zac und Begg veröffentlich, in der Hoffnung doch mal wieder was von ihrem friend David zu hören, der immer noch unauffindbar ist.

Ergreifende Geschichte. Und wenn man sich „Cemetery Junction“ anhört, könnte man fast denken, dass die Herren das ganze vorher geahnt hätten, denn wie der Titel erahnen lässt, schwingt das Album nur so vor bittersüßer Melancholie. Das Album enthält stellenweise poppige Elemente, ist aber allgemein eher im sanften, gefühlvollen, melodischen Rock Stil gehalten. Einige Songs erinnern sowohl instrumental als auch stimmlich an Madrugada oder sogar an Pearl Jam, weshalb Fans dieser Bands hier voll auf ihre Kosten kommen sollten.

Innerhalb seiner stilistischen Nische kann man das Album sicher als reichhaltig bezeichnen. Da gibt es mal liebevoll geschrammelte acoustic guitars, mal kräftige klare Powerchords, eine gute Hand voll schöner Intros und Soli, mal wird The Crushs klarer Gesang von einer rauen Stimme unterbrochen, mal mit sanft verträumten Hintergrundgesang unterlegt. Manche Lieder sind langsam und sprudeln nur so von Emotionen, andere sind leichtlebiger und peppiger. Gesund abgerundet und auf jedem Fall genau das richtige um sich an kalten Regentagen gemütlich im warmen Zimmer ein zu nisten.

Was sollte man noch sagen? Vielleicht wie britisch dieses Album anmutet! Nicht nur weil die „Cemetery Junction“ tatsächlich eine Straßenkreuzung in der englischen Stadt Reading ist, so benannt nach dem nahe gelegenen Friedhof. Auch die Texte lassen darauf zurück schließen, wo die Musiker sich damals zusammen fanden, man siehe hierzu die Songs „British Underground“ oder „June 30th at the City of Manchaster Stadium“. Musikalisch äußert es sich wohl am ehesten durch die rar eingestreuten, bereits erwähnten poppigen Passagen, die nicht einfach nur so poppig, sondern um ganz spezifisch zu sein etwas britpoppig klingen. Und das obwohl das ganze jedoch hier in Deutschland aufgenommen wurde und einige der Musiker gebürtige Deutsche sind und mitlerweile in der Schweiz sitzen.

Doch auch die anderen Texte können sich durchaus sehen lassen. Gleich der Opener serviert eine ordentliche Portion Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit. Zuerst mag der Text von „Beacon“ etwas harmlos klingen, doch wenn man ihn unter dem Licht betrachtet, dass er den Untertitel „Song for Vladimir Komarov“ trägt, und dann auch noch weiß, dass dies der erste Mensch war, der je bei einer Weltraummission starb, dann sieht das ganze gleich ganz anders aus. Und Textstellen wie „Some say she´s a dark angel / Others see her as a friendly devil / Every moment reveals her anger“ aus „Hell Of A Guy“ – ein dringender Anspieltipp – sprechen Bände.

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