Nitzer Ebb sind für alteingesessene Leute keiner weiteren Erklärung mehr bedürftig, allen anderen wird der Name allein schon sagen, dass es sich hier um ein ganz großes Szene-Urgestein handelt. Fixmer/McCarthy ist ein Seitenprojekt von eben dem Sänger Nitzer Ebbs mit dem französischen Musiker Terence Fixmer. Seit Ende Mai gibt es nun endlich das zweite Album „Into the Night“, das als große Experimentierplatte angekündigt war.
Und das ganze beginnt mit einem dieser unsäglich nichtssagenden Instrumentalintros, diesmal in einer zähflüssig-dopaminischen Variante. Und die Songs, die danach kommen, lassen keinen Zweifel offen darüber, dass sich die beiden Künstler hinter dem Doppelnamen dem Elektropop verschrieben haben. Denn rein vom musikalischen Gesichtspunkt her ist die CD – zumindest für mich – durch und durch mittelmäßig. Das hängt damit zusammen, dass man zu Gunsten der Einschaltquoten auf Härte weitestgehend verzichtet hat. Das hat aber auch zur Folge, dass knackige Rhythmen durch harte Beats fehlen, genau wie kraftvoller, dominanter Gesang. Das Tempo bewegt sich dabei meistens im mittleren Bereich, teilweise sind die Songs aber auch deutlich langsamer gehalten, so dass Herr McCarthy schön gezogen singen kann. Was man sich aber ganz groß auf die Fahne geschrieben zu haben scheint ist das Thema HARMONIEN. Diese sind in vielen Songs der Platte einfach nur das A und O.
Zu Gute halten muss man dem Album seine relative Offenheit. Tatsächlich ist das Album ziemlich abwechslungsreich geworden und deckt recht viele verschiedene Klangfarben des Genres ab. Allerdings fehlt dem Ganzen das überzeugende, treibende Etwas hinter der Musik. „Look at me“ beispielsweise versucht sich vom Rest des Albums loszulösen und so richtig fies zu klingen und definiert sich quasi nur über den Rhythmus – der allerdings wieder nur halbherzig hart klingt. Auch „A great and distant Silence“ stößt aus der Techno-Go-Lucky-Suppe von „Into the Night“ heraus. Der Song kombiniert nämlich den langsamen Gesang McCarthys mit einem elektronischen Durcheinander, das ein wenig an einen stotternden Nadeldrucker erinnert. Das Bemerkenswerte daran: Es beißt sich nicht! Elektro-Experimentalismus wird so auch für den normalen Hörer erstmals genießbar (oder hörbar). Direkt danach folgt mit „Tonight I sleep“ die wahrscheinlich langsamste und zugleich nervigste Nummer der Platte, die quasi nur aus einigen Harmonien und dem üblichen Langgesang besteht. Besonderer Kracher: „Make War“ ist fast eine Rocknummer, wird im Duett gesungen und überrascht mit E-Gitarren. Keine Überraschung hingegen ist, dass selbst die wiederum wenig hart klingen. Den überwiegenden Großteil der Platte machen aber dennoch einfache Synthiestücke aus, die vor allem durch ihre technoiden Anleihen in der Melodieführung auffallen. Die Musik klingt aufgeschlossen, leicht und durchaus fröhlich und im Groben und Ganzen in etwa so wie „Banging down your door“.
Fixmer/McCarthys neues Album, „Into the Night“, kann man deshalb ganz allgemein als softes Elektrogedudel betiteln, das wohl Technoambitionen hat, ansonsten aber keinerlei Arsch in der Hose zu haben scheint. Wer stampfigen Elektro mit harten Rhythmen oder brachialen Vocals mag: Finger weg! Dieses Album ist eher für die Allgemeinheit, die Liebhaber einfacher Harmonien und Technobegeisterten. Alle anderen sind im Zweifelsfall bei Covenant besser bedient. Kurz gesagt: „Into the Night“ ist melodiös, harmonisch und abwechslungsreich, aber ohne Biss.












