Kunstprodukt” ist der Name des Debutalbums von Miss Construction. Doch wenn man bedenkt, dass sich hinter diesem Namen Chris Pohl und Gordon M. verstecken, ist Debut vielleicht nicht mehr so ganz der richtige Ausdruck, denn immerhin sind die beiden (auch in dieser Kombination) wirklich keine Anfänger mehr. Mit Miss Construction liefern sie harte Electro Beats mit provokativen Texten.

Chris kennt man bereits von Tumor, Seelenkrank und Blutengel, oder speziell in Kombination mit Gordon von Terminal Choice. Aber wenn man denkt, durch diesen erneuten Zusammenschluss wird der Stil von Terminal Choice weitergeführt, liegt man nicht so ganz richtig. Musikalisch knüpft das ganze eher an Tumor an. Immerhin ist Gordon ja auch eher für das Stimmliche zuständig, während Chris die musikalische Seite übernimmt.

Rein optisch lässt sich beim Anblick des Covers schon erahnen, dass es hier in die etwas härtere Ecke geht. Vor steril weißem Hintergrund salutiert eine Frau in hautenger Uniform und strengem Blick. Schlägt man das Cover auf, sieht man jene Dame auch noch in weiteren Posen, wie sie Ausdrücke wie “Miss Geburt”, “Miss Achtung” oder “Miss Gunst” verkörpert. Es handelt sich hierbei übrigens um das Model Drastique Plastique. Doch auch die Künstler zeigen sich. In der Mitte des Booklets findet sich beispielsweise eine nette, kleine Fotomontage, in der die Beiden mit verzerrten Gesichtern an den Köpfen zusammengewachsen sind. Mal schauen ob die Musik hält, was die Optik verspricht…

Wie bereits erwähnt, musikalisch geht das ganze sehr in die Richtung von Tumor. Für diejenigen, denen das nichts sagt: Die Grundmauern bildet ein harter, dominanter Basslauf. Hinzu kommen verschobene, kranke Klänge aus dem gesamten elektrischen Spektrum. Mal klingt es verzerrt, mal etwas klarer und metallisch, mal stottert das ganze etwas, hinterlegt mit Störfrequenzen. Kurzum: Disharmonie und Krach! Manche Stücke klingen nach Industrial, andere eher nach Techno und Trance.
Im “Intro”, dem direkt darauf folgenden “Miss Construction Theme” und einigen anderen Stücken wie “F**k Me Too” steht eine bestimmende, gehässige Frauenstimme im Mittelpunkt, während generell jedoch eher Gordons tiefe Stimme, oft kratzig und im Computerstil verzerrt, zu hören ist.

Was die Platte erreichen will, wird gleich zu Anfang im “Miss Construction Theme” klar gestellt: “Miss Construction makes you move, I wanna see you dance!” Der Rhytmus lädt wirklich dazu ein zu Stroboskoplicht im nächstbesten Club die Tanzfläche hinauf und hinab zu marschieren. Die schlachtrufartigen Texte kann man auch noch nach dem x-ten Drink mitschreien. Denn Fans großer Worte ist das Duo wirklich nicht.
Was natürlich ein zweischneidiges Schwert ist. Klar, im elektrischen Bereich gilt die Faustregel, dass man grundsätzlich keine literarischen Meisterwerke erwarten sollte. Doch wenn man dann liest, dass Miss Construction an dieser Scheibe 4 Monate gebastelt hat, denkt man sich schon so still und leise, dass es ja nicht an den Texten gelegen haben kann… So besteht beispielsweise der komplette Text des Songs “Headshot” aus “Bang bang, headshot Baby, bang bang you´re dead!” Natürlich sind nicht alle Texte so, das Titelstück “Kunstprodukt”, oder auch die frisierte Version des Terminal Choice Klassikers “Totes Fleisch” sind ein ganzes Stück abgerundeter und komplexer.
Außerdem findet sich auf dem Album noch eine Coverversion von Ecos “Hass und Liebe”, ein Gintronic Remix des Stückes “Kunstprodukt” und ein Dolls of Pain Remix des Stückes “Electro Beast”. Am Ende gibt es noch ein paar Outtakes in Form eines Hidden Tracks.

Persönliches Fazit: Nette Einleitung, aber nach dem dritten Track geht es etwas bergab. Stücke wie “Eins und Zwei” (im Kinderreim Stil gehalten, erinnert etwas an die alten Freddy Krüger Filme…) reißen einen nicht unbedingt vom Hocker. Doch gegen Ende hin wird es mit Stücken wie “Slaughterhouse” wieder ganz gut. Kommt natürlich auf den individuellen Geschmack an.

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