Die Feenwelt geht in die 4. Runde: Das französische Label Prikosnovénie hat die Sampler Reihe „Fairy World“ um eine weitere Folge erweitert. Wie schon bei den vorigen Samplern kann sich der geneigte Hörer auf 17 träumerisch-sphärische Heavenly-Voices Songs von schon bekannten und wenig bekannten Künstlern und ein liebevoll gestaltetes Artwork freuen.

Los geht es mit der russischen Neoklassik-Band Caprice und ihrem „Adew Sweet Amarillis“. Ein passender Einstieg, denn das Stück bietet einen vorzüglichen Eintritt in die Feenwelt. Das Lied mit Lyrics aus dem 16. Jahrhundert weist eine eingängige, getragene Melodie auf: einfach schön.
Das nächste Stück „Canstatorie“ wird von Riccardo Prencipe alias Corde Oblique beigesteuert und klingt beschwingter und folkiger. Von den emotionsgeladenen Violinenklängen wird man hier sofort in den Bann gezogen.
Sphärischer und abstrakter, ja fast asiatisch klingt Christa Gallis „Oriental Garden“. Das recht langatmige Stück mag sich zur Entspannungsreise zwar gut eignen, ist aber fürs bewusste hören zu eintönig. Ganz anders, aber dennoch in ähnlicher Weise gewöhnungsbedürftig ist die Musik von Irfan, welche mit „Vernal Garden“ auf dem Sampler vertreten ist. Das „balkanischen Gedudel“ ist auf seine Weise recht anstrengend und passt nicht so recht auf einen Feen-Sampler. Auch der 13. Albumtitel „Bghina Salam“ von Shira°Zed hat diesen balkanischen, recht eigenen Musikstil.
Besser passt hier der 5. Titel „A retinue of Mandrakes“ von der Australierin Louisa John-Krol. Ihre säuselnde Stimme gepaart mit wenigen Klängen zur Untermalung wirkt beruhigend und hypnotisierend. Das ganze klingt fast etwas zu ruhig.

Aufgepasst Portishead: Hier kommt euer französischer Konkurrent! Ny: Na Valès klingen bei ihrem „L´atmospère“, dem 6. Titel auf dem Sampler fast wie ihre großen Vorbilder: Chillige Gitarrenklänge mit einigen wenigen Soundeffekten und einer großartigen Chanson-Stimme. Ohne Frage: Ein Höhepunkt auf dem Sampler! Ähnlich vielschichtig (und französisch) klingen ONZEh 30, welche das Stück „A chaque seconde son heure de gloire“ beisteuern. Der Song klingt ruhig ohne langweilig zu werden und hat mit seiner Mischung aus klassischen Instrumenten und elektronischen Effekten ein ganz besonderes Charisma.

Die „Metamorphose of Ann“ von Alizbar ist ein reines Harfenstück: Schlicht, reduziert, aber schön und von beeindruckender Fingerfertigkeit zeugend. Ähnlich „leise“ klingt das 9. Stück „Maya“, welches vom tschechischen Violinist Ivo Sedlacek beigesteuert wird.

Mit „Unaltered Empire“ von Mediavolo wird es wieder etwas beschwingter, poppig- ja fast sogar rockiger. Das Stück erinnert ein wenig an die Akustik-Stücke von The Gathering. In jedem Fall spielt es in der gleichen Liga: Unaltered Empire klingt sofort vertraut, einprägsam und zaubert dem Hörer ein Lächeln auf den Mund.
Ernster und düsterer geht es bei der Trip-Hop Band Antrabata und ihrem „„Echoes“ zu. Hier beeindruckt besonders die emotionsgeladene Stimme der holländisch-französischen Sängerin Femke. Leider wollen ihre melancholische Stimme und die hellen Flötenklänge nicht ganz zusammenpassen, was die Qualität des Songs etwas schmälert.

Ganz mit Glockenspiel (Windspiel?) und Flöte kommt „En approchant des rivages bleus“ aus, ein musikalischer Vortrag von Lys. Das Stück klingt wie ein Klangbild und soll wohl auch als solches verstanden werden. So sucht man eine Melodie vergebens, während Klangeffekte aus der Natur des Öfteren eingefadet werden.

Ein besonderer Ohrenschmaus ist „Japan Garden“ von Olen’K. Die vier Franzosen machen eine Musik aus Ambient, Electro und Rock die sich perfekt ergänzt. „Japan Garden“ klingt sowohl theatralisch dramatisch als auch süß und verträumt. Eine tolle Mischung!
Auch bei Luigi Rubinos „Duca bianco“ geht es gefühlvoll her. Das Opernhafte Geträller und die sanften Pianoklänge stehen im Kontrast zum weißen rauschen, mit welchem das Lied beginnt. Bis auf dieses etwas seltsame Intro klingt das ein wenig wie die Soloprojekte von Lisa Gerrard (Dead Can Dance).

Mit „Closer to unicorn“ steuert der wohl bekannteste Prikosnovénie-Act „Collection D’Arnell Andrea“ seinen Teil bei. Die eingängige Melodie und Chloé St Liphards unverwechselbare Stimme sind grandios und fast zum verlieben. Das wäre wohl der ideale Ausklang für das Feen-Album gewesen, doch Prikosnovénie hat noch eins draufgesetzt. Allerdings wirken gegen CDAA die folkigen Klänge bei „Poussieres d’etoiles“ von Pearl schon fast etwas primitiv und aufgesetzt.

Fairy World IV ist ein wirklich traumhafter Sampler geworden. Genau richtig zum träumen und ideal um ein paar neue Bands aus dem Bereich Ambient / Heavenly Voices / TripHop oder Folk kennen zu lernen. Wer etwas mit seinen musikalischen Horizont erweitern will, dem sei die CD wärmstens ans Herz gelegt.
Im Shop des Labels Prikosnovénie kann man die CD übrigens schon für 6,90 Euro (+Porto) kaufen, oder sich die ganzen 17 (!) Tracks für 6 Euro als MP3 herunterladen.

Autor: Sylvia

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