Großstadtgeflüster – Du weißt nicht wer das ist? „Das sind die mit ich muss gar nix!“ propagieren die Berliner selbstironisch auf ihrer Myspace-Seite. Der Hit lief nicht nur in einschlägigen Gothic-Clubs hoch und runter, sondern bereicherte nahezu die ganze Nation. Mit „Bis einer heult!!!“ liefert die elektronische Tanzmusik-Kapelle jetzt ihr zweites Album, und zwar mit ihrem frisch gegründeten Label „Chicken Soup Records“.

Mit bombastisch-fetzigen Elektrobeats ist der Einstieg ins Album mit „Kümmer dich“ richtig gelungen. Die ersten Lyrics die mit der tiefgründigen Phrase „Dein Arsch“ anfängt lassen auch gleich auf den sprachlich-teeniemäßig (möchtegern-) schockierenden Charakter des Albums schließen. Was solls – Das Album soll augenscheinlich Spaß machen und dafür braucht es keine hochpoetischen Texte. „Kümmer dich“ groovt auf jeden Fall, wenngleich auch der monotone Gesang in den Strophen auf Dauer etwas nervt. Schlimmer wird es aber beim Track „Komm schon“, bei dem Sängerin Jen Bender in üblicher markanter Jammerschrei-Stimme „Ich packe meinen Koffer“ spielt. Schade um die schönen Elektroklänge im Hintergrund – Aber dieser Song bereitet echt Ohrenschmerzen. Ähnlich ist das bei „Die Stille“ bei dem das Trio eine Collage aus ruhigen Entspannungklängen und wüstem Geschrei liefert. Auf der Tanzfläche kann ich mir diesen Song allerdings durchaus als reizvoll vorstellen – Agressionen abbauen kann man auf jeden Fall. Titel 10, ein 2:28 langer Emo-Witz, klingt wie gelangweilter Electroclash – Für die Menschen denen Jen Benders Stimme auf die Nerven geht aber eine Entspannung.

Die starken Paralellen von GSGF (Was als Akronym nicht für „Griechenland sucht gammeligen Fisch“ sondern für „Großstadgeflüster“ steht) zu bekannten Neo-NDW-Bands wir „Wir sind Helden“ werden besonders bei „Lebenslauf“ deutlich. Der Song klingt fast wie eine Coverversion von „Reklamation“ mit falschem Text. Da mir persönlich das Orginal schon zu monoton war bin ich auch von „Lebenslauf“ nicht besonders angetan. Ähnlich, aber deutlich besser und individueller klingt Track 11: „Mach halt irgendwas“. Hier stellen Jan Bender, Raphael Schlaf und Chriz Falk in den Vordergrund was sie können: Schnelle und tanzbare Beats.

Der 4. Albumtitel „Du meckerst immer“ (Wer den Titel kennt kann auch fast schon das ganze Lied mitsingen) kombiniert monotonen Gesang mit zu langsamen Beats. Falls dieser Song der Versuch war vom Dance-Punk zu tiefgründigerem Indiepop zu wechseln ist er gründlich misslungen. Da ist „Los Dicker tanz“ schon eine Spur besser – Vielleicht weil es in einigen Teilen markant dem „Ich muss gar nix!“-Hit ähnelt.

„Haufenweise Scheisse“ wird zurecht als der 2. große Hit von Grossstadtgeflüster gehandelt. Der Song klingt erfrischend neu, melodisch und hat genau das richtige Tempo. Tanzbar und eingängig – Und trotz eindeutigen Assoziationen mit Tic Tac Toe: Daumen nach oben. Auch ganz gut. Dannn wäre da noch „Rock’n Roll Sexappeal“ was zu Unrecht auf den undankbaren 13. Platz der CD verbannt wurde. Der Song ist zwar eher untypisch, dafür aber auch weiter vom Mainstream entfernt als die anderen Lieder. Auch Titel 14 „Komm zu Mama“ klingt überraschend angenehm. Der Song hat eher Balladen-Charakter, gepaart mit erotischem Gesäusel (was sich übrigens um eineiges besser anhört als das ewige Geschrei) und Elektropop-Elementen a la Welle Erdball. Übertroffen wird der Song allerdings noch vom letzten Albumsong „Lass deine Blätter fallen“. Wahnsinn – Die Band kann ja wirklich auch anders. Scheinbar scheint sie ihr Potential aber eher in ihren Partykrachern zu sehen. Schade.

Ganz ander klingt „IchBinHuiDuBistBuhDuBistSchubiIchBinDu“ – Ein Song der schon wegen seinem Namen kein Erfolg werden kann. Die männliche Thomas-D-ähnlichen-Gesangparts klingen durchaus angenehm, wenn auch nicht bahnbrechend.

Mit „Pimmel und Erde“ durchbrechen GSGF die Grenzen zum Grundschulgeplapper. Stupide, ätzend, langweilig – Wollen die Elektro-Popper vielleicht alle zum Narren halten? Bei „Overdressed & Underfucked“ steigen die Inhalte wieder zu Hauptschulniveau auf, die Melodie wird aber leider auch nicht viel besser.

Großstadtgeflüster – Eine Band deren Musik in den Club gehört, und zu Hause auf dem Sofa fast jeglichen Reiz verliert und sogar extrem die Nerven belastet. Einige Lieder sind aber sogar dafür ein Griff ins Klo. Andere, wie „Haufenweise Scheisse“ werden wohl schon bald die Tanzfläche füllen – und das obwohl GSGF eigentlich thematisch und musikalisch überhaupt nicht in die schwarze Szene passt.

Autor: Sylvia

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