Hinter dem Bandnamen „Schattenkinder“ verbirgt sich, anders als der Name
vielleicht vermuten lassen könnte, keine Klischeeabdeckende
Gothicrockband, sondern ein sächsisches Dark Folk bzw. Heavenly
Voices-Projekt. Die fünfköpfige Band veröffentlicht mit „Weißer Regen“
ihr zweites Album, auf dem sie sich in drei Sprachen mit den Wirren des
Alltags beschäftigt und den Hörer daraus entführen will.
Das Album beginnt mit dem gleichzeiten sehr ruhigen und doch (a)rhythmischen Stück „Dreams Of Yrrndia“. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, was der Musikstil „Heavenly Voices“ bedeutet, sollte hier genau hinhören, denn die beiden Sängerinnen Katherina und Madeleine warten hier mit engelsgleichem Gezwitscher auf und entführen in eine orientalische Klangwelt.
Vom Orient geht es im weißen Regen dann weiter nach Frankreich.“Entre Les Murs“ ist nicht nur in französischer Sprache gesungen, sondern hat auch sonst Ähnlichkeiten mit französischer Musik wie zum beispiel der von
Collection D´Arnell Andrea. Auch „Break Of Life“ klingt beginnt in ähnlicher Form einer melancholischen Weise, ehe die Ruhe von einigermaßen penetranten Elektro-Elementen durchkreuzt wird. Diese Synthie-Elemente
haben leider weder etwas mit Darkfolk noch mit Heavenly Voices zu tun und wirken alles andere als passend, genau wie in etwas abgeschwächter Form beim siebten Albumtitel „On the Shore“. Hier wäre die, auf der
vorliegenden Promo-CD leider fehlende, Akustikversion des Stückes interessant, welche als Bonus-Track auf die CD gepresst wurde. Eine Akustikversion wäre bestimmt auch von „The Abyss“ hörenswert, denn
dieser vielschichte und träumerische Song wird durch einen nervigen und billig-elektronisch klingenden Beat leider vollkommen ruiniert.
Bei „Dark Lovesong“ beweisen die Sachsen, dass sie mit dem Synthiepult doch ganz gut umgehen können. Die Ballade kombiniert typische Lovesong-Elemente mit experimentellen Klängen ohne dabei kitschig zu wirken: Ein echtes Highlight auf dem Album!
Dass die Schattenkinder noch viel experimentellere Musik machen können zeigen sie mit dem „Traum der Spieluhr“. Mit Glockenspiel und zarten Violinenklängen wird hier ein mysthisch-surrealer Sprechgesang untermalt. Auf jeden Fall Hörenswert, aber Achtung, Gänsehautgefahr! Auch der zweite deutschsprachige Titel „Wie die Vögel“ geht eher in die experimentelle Richtung, ist für Fans dieser Sparte aber ein echter Genuss: Der Song gleicht eher einem untermalten Gedicht und ist auch lyrisch genauso anspruchsvoll wie ansprechend.
Wieder ganz anders klingt das Jazzstück „When I Most wink“. Das beschwingte und fast ausschließlich mit Jazzklavier und Gesang gezeichnete Stück, scheint nicht so ganz auf das Album zu passen, ist aber so gut, dass es schade wäre wenn es nicht drauf wäre.
Leider fällt beim hören schwer die eine getragene Weise von der anderen zu unterscheiden. Trotz spannender Elemente versinkt „Weißer Regen“ etwas im getragenen Klangteppich. Der gewagte Einsatz von Synthie-Elementen ist leider nicht immer geglückt und zerstört zu oft die mystische Stimmung.
Trotzdem hat das Album einige Höhepunkte und Geniestreiche, welche beweisen dass die Schattenkinder ruhig aus dem Schatten ins Licht treten können und die Darkfolkszene absolut bereichern.
Anspieltip: Dark Lovesong
Autor: Sylvia












