Bereits im Dezember veröffentlichte das französische Independent-Label Prikosnovénie ihre Compilation „La Nuit des feés“ (frz.: Die Nacht der Feen). Die CD entstand nach dem gleichnamigen Festival in Clisson, Frankreich, welche das Label im September 2007 veranstaltete. Im Anschluss an das Fest trafen einige der Künstler zur „Fairy Session“ zusammen um gemeinsam einige Songs zu komponieren und aufzunehmen. Neben unveröffentlichten Songs der Prikosnovénie – Künstler befinden sich auch sechs Lieder aus dieser Session auf dem Album.
Die CD im luxuriösen und liebevoll illustrierten Digipack verspricht eine Reise durch das Feenland – Kein Wunder, denn die Künstler bei Prikosnovénie sind durchweg für ihre sphärischen und träumerischen Klänge bekannt. Den Startschuss für das Album gibt die bretonische Sängerin und Harfenspielerin Cécile Corbel mit „Sans faire un bruit“. Zugegebenermaßen bin ich der französischen Sprache nicht mächtig genug, den Liedtext vollständig zu übersetzen – das ist aber auch nebensächlich, denn Cécil erinnert mit ihrer zarten und fast schüchtern klingenden Stimme mehr an eine kleine Elfe oder Fee – und eben jene kann man ja auch nicht verstehen.
Etwas beschwingter, aber nicht weniger Feenhaft klingt „Alkonyvara´zs“ von The Moon & The Nightspirit, einem ungarischen Pagan-Folk-Duo. Zusätzlich zu Harfenklängen und Gesang werden hier starke Trommelakzente gesetzt, die sich bestimmt auch für irische Folklore-Tänze eignen würden. Wieder etwas sphärischer (aber auch kitschiger) wird es bei Louisa John-Krol’s „Fai“, während „Mediavolo“ mit „Dream of Atlantis“ beweisen, dass man auch mit minimalistisch gehaltenem Instrumentenrepertoire traumhafte Musik zaubern kann. Besonders das Cembalo sticht bei der Musik der französischen Band markant hervor. Fast poppig klingt der Titel, den die russische Neoklassik-Formation Caprice dem Feenalbum beisteuern. Glockenspiel und Synth-Xylophon geben „The candle and snow“ dennoch eine Prise Feenland.
Hinter der sechsten Band, Lys, verbigt sich niemand anderes als Frederic Chaplain, der Manager des Labels. Sein relaxter Trip-Hop klingt gut, sogar richtig gut: „La poursuite“ ist mit seinen markanten Trommeln und Effekten ein echte Highlight auf dem Sampler, auch wenn es stark der Musik der französischen Künstlerin Émelie Simon ähnelt, welche durch den Soundtrack zu „Die Reise der Pinguine“ bekannt geworden ist. Ähnlichen Ohrwurmcharakter hat „New black wings“ der Ukrainerinnen von Flëur. Ihre ganz eigene Art von melancholischem Pop in Kombination mit der in der Tat ungewöhnlich klingende Sprache verzaubern und bleiben im Ohr!
Deutlich experimenteller und somit gewöhnungsbedürftiger ist der siebte Albumtitel „Malchanie“ von Djaima. Hier müssen definitiv orientalische Feen und Elfen am Werk gewesen sein. Leider hat das Label bisher keine weiteren Informationen zu dieser Gruppe herausgegeben.
Fans von Lisa Gerrard dürfen beim neunten Albumtitel „Flowend“ von Karin Höghielm hellhörig werden. In der Tat ist ihre Art zu singen der der großen Diva recht ähnlich. Die skandinavische Braut zaubert mit wenigen Percussions und ihrer außergewöhnlichen und ausdrucksstarken Stimme ein kraftvolles und doch ganz zartes Stück, das zum mittanzen (oder zumindest –wippen) anregt.
Der zehnte Albumtitel wird von der wohl prominentesten Prikosnovénie-Band „Collection
d´Arnell-Andrea“ beigesteuert. Und wie könnte es anders sein, ist „Closer to unicorn“ ein echtes Glanzstück geworden. Eine wunderbar eingängige Melodie paart sich mit sparsamer Instrumentierung und der zarten Stimme von Chloé St Liphard. Für einen CDAA-Fan lohnt es sich, den Sampler schon wegen diesem einen Track zu kaufen!
Die Songs der Fairy-Session vereinen die Attribute dieser verschiedensten Musiker in sich und wirken dennoch diffizil. Während „Friendship“, „Through the valley of darkness“ und „Klara“ einen eher experimentellen und reduzierten Charakter aufweisen, ist „Fishing Star“ deutlich melodiöser und poppiger angelegt. „Shot in the mid air“ wiederum kommt zunächst ganz alleine mit Piano-Klängen und Gesang aus, um sich nach zwei Minuten weiter zu steigern und zu verdichten. „Freening of spirit“ ist in seinem sakralen Charakter wohl ein etwas unpassender Abschied aus dem Feenreich und klingt auch reichlich gewöhnungsbedürftig. Definitiv kann man dem Label für diese „Fairy-Session“ dankbar sein, denn unter normalen Umständen wären die Musiker wohl nicht zusammengekommen.
So träumerisch und schön die gesamte CD ist, teilweise wird trotzdem die Grenze zum Kitsch überschritten. Die Compilation ist etwas für düstere Momente des Lebens, denn beim hinhören scheint man in eine bessere Welt abzudriften. Obwohl es sich um einen Sampler handelt, ist der rote „Feen“-Faden deutlich zu hören. Die Auswahl der Tracks ist Prikosnovénie also definitiv gelungen.
Autor: Sylvia












