Schonmal bulgarische Folklore gehört? Nein? Dann geht es dir genau wie mir, zumindest bevor ich „Seraphim“ gehört habe.
Als die CD der bulgarischen Sängerin mit dem klangvollen Namen Denitza Seraphimova alias „Irfan“ beim mir im Briefkasten lag habe ich dementsprechend dumm aus der Wäsche geschaut.
Etwas aufgehellt hat sich meine Miene als ich in der Beschreibung des Labels las, dass Seraphimovas Musik große Ähnlichkeit mit der von Lisa Gerrard hätte.
Ob der Vergleich mit der Dead-Can-Dance-Diva wirklich angemessen ist?
Der Album-Opener „Simurgh“ zeigt zunächst die Bandbreite der typischen Weltmusikinstrumente auf:
Angefangen von orientalischen Flöten über verschiedenste Trommeln bis hin zu fast unbekannten Streich-und Zupfinstrumenten vereinigt Irfan alles.
Als Seraphimova mit ihrem Gesang einsetzt bin ich beeindruckt: Die starke Stimme mit viel Ausdruckskraft zieht einen sofort in seinen Bann.
Auch die Melodie von Simurgh ist durchaus eingängig und schön.
Zugegebenermaßen ist der starke orientalisch-balkanische Flair der Musik recht gewöhnungsbedürftig. Ich persönlich muss besonders bei „Vernal Garden“ und „Los Ojos de la Mora“ und „Star of the winds“
an perlenbehängte Bauchtänzerinnen und kitschige Porzellanwaren denken, aber mit Musik verknüpft vermutlich jeder etwas anderes.
Wem diese Art von überladener Folklore zu anstrengend ist, der sollte die beiden Titel besser überspringen.
Ich bevorzuge eher die Stücke des Albums, bei denen die balkanischen Instrumente eher sparsam eingesetzt werden und bei denen die Stimmkraft der Sängerin voll zur Geltung kommt.
Mein besonderer Favorit ist hier „Fei“, bei dem nur wenige Klangelemente Serpahimovas Stimme untermalen.
Für Dead Can Dance-Fans dürfte außerdem der 3. Albumtitel „Hagia Sophia“ ein Genuss sein: Die dominierenden Trommeln erinnern sofort an deren Hit „Black Sun“ vom Album Alion.
Auch die männlichen Gesangsparts erinnern an Brendan Perry. Schade, dass nirgends der Name des Stimmpoetens von Irfan zu finden ist. Auch bei „Return to Outremer“ ist diese Stimme zu hören
und macht diesen letzten Albumtitel zum echte Highlight.
Nocheinmal ganz anders klingt Irfan bei den beiden kurzen Stücken „Invocatio“ und „Invocatio II“.
Die Stücke ähneln sakralen Gesängen und haben eine besonders mystische Anmutung. Übrigens: Invocatio bedeutet auf deutsch Anrufung.
Die Frage ob Irfan wirklich mit Lisa Gerrard zu vergleichen ist steht noch im Raum. Scheinbar muss ja wirklich jede Musik an den Genre-Größen gemessen werden.
In den Grundzügen sind die beiden wirklich verlgeichbar. Wer sich aber eingehender mit ihrer Musik beschäftigt wird feststellen, dass die Musik ganz anders und
eigentlich auch nicht vergleichbar ist. Irfan hat die Klasse für sich alleine zu stehen und kann schlecht verglichen und beschrieben werden.
Irfan mit Gerrard zu vergleichen ist wie Schandmaul mit Stefanie Hertel: Irgendwie passend aber im Grunde genommen doch total daneben.
Irfan machen ihre ganz eigene Art der Weltmusik welche Balkanische Gesänge und Choräle mit bulgarischer Folklore und orientalischer Mystik verbindet.
Teilweise klingt das für deutsche Ohren ungewohnt, teilweise aber auch uneingeschränkt genial. Meine Anspieltips: „Fei“, „Hagia Sophia“, „Return to Outrember“.
Die CD erscheint in Deutschland am 7. Dezember, konnte aber vorher schon übers Internet aus Frankreich importiert werden.
Autor: Sylvia












