In Zeiten in denen In Extremo und Subway To Sally immer bekannter werden und immer mehr Kohle scheffeln stellt sich eine neue Mittelalterband tapfer den Herausforderungen: Ingrimm kommen frisch gebacken aus Regensburg daher und schreiben sich ganz unverklommen Mittelaltermetal auf die Fahnen und versuchen so den dringend benötigten frischen Wind in die Szene zu bringen. Ob das geklappt hat oder nicht erfahrt ihr hier.

Noch eine Mittelalterband? Ja, tatsächlich, NOCH eine Mittelalterband!
Der Unterschied zwischen Ingrimm und der hundertsten Inkarnation der friedlichfröhlichen ewig lustigen Spielmanntralalaformation, die Mädchenmetal nach Art von Schandmaul machen, liegt erstmal darin, dass Ingrimm dankbarerweise nicht versuchen sich so mittelalterlich wie die Spielmänner von nebenan zu geben. Wer würde das denn auch noch kreativ finden?
Und so nehmen Ingrimm für sich in Anspruch sich nicht zu verkleiden, das Rad nicht neu zu erfinden sondern einfach nur den Spaß an Metal in Verbindung mit folkloristischen Leiern und Dudelsäcken auszuleben. Klingt doch wunderbar oder?

Und so findet man auf dem Album auch (fast) keine neuvertonten mittelalterlichen Gesänge aus der Camina Burana und keine alten Volkslieder aus Schweden, sondern einfach nur Stücke die fein geradeaus rocken wollen und komplett auf dem Mist Ingrimms gewachsen sind. Ganz vorbei kommen die Jungs am Mittelalter dabei aber auch nicht. Es geht immer wieder um altbekannte Themen wie z.b. der Aufstand gegen die Kirche, die nur noch Geld kassiert („Der Sturm“), das Landstreicherdasein („Vagantenlied“) und – wie ich finde – leider gibt es auch die ungefähr 237845745. Lobeshymne an das ach so romantische kecke Spielmannsdasein („Spielmann“) mit all den bekannten Klischees. Musikalisch zählt der Song aber zu den Glanzstücken der Platte. Interessant ist vor allem erstmal die Sangweise des Sängers, die relativ variabel zwischen Gesang, Sprachgesang und nicht ein wenig wackligen Growls wechselt. Die meiste Zeit über aber klingt der Gesang wie eine Mischung aus In Extremo und Tanzwut. Anfangs ist das noch etwas ungewohnt, aber daran hat man sich recht schnell gewöhnt und freut sich über die Variation. Hab ich eigentlich überhaupt schonmal Mittelaltermusik mit Growls gehört? In Songs wie „Ihr sollt brennen“ wirken sie jedenfalls sehr passend.

Vom Inlay aus blickt mich der Sänger mit einem ziemlich undefinierbaren Blick an, so als wäre er sich nicht sicher ob er verlegn „Na?…Gefällts..?“ fragen sollte oder mir gleich eine reinhauen sollte. Das schöne ist, dass man an diesem Album noch merkt, dass es sich wirklich um ein Debüt handelt. Die Leute spielen eben nicht schon seit Kindestagen zusammen sondern sind wirklich noch neu. Vieles ist noch nicht perfektioniert und ich denke die Band wird sich mit ihren nächsten Veröffentlichungen noch deutlich steigern. Musikalisch sind die Folkelemente noch ein wenig hintergründig und wirken ein wenig schablonenartig eingefügt. Sehr gut kommt der Dudelsack jedenfalls vor allem in „Spielmann“ und „Sag mir nicht“ raus. „Skudrinka“ hingegen überzeugt mit seinen Leiern, Persönlich finde ich an dem Album vor allem gut, dass die Band bewusst härtere Saiten aufzieht als viele andere Folkvertreter, die häufig in ein selbstgefälliges „Tralala“ abzudriften zu scheinen. Vor allem beim flüchtigen Durchhören muss man aber sagen, dass ganz klar die Gitarren im Vordergrund stehen und die folkloristischen Instrumente zumindest momentan eher einen Bonus bilden. Die Platte klingt dementsprechend auch eher nach Rock. Das absolute Highlight des Albums bildet aber unangefochten die „Letzte Reise“, die durch einen richtig guten Text überzeugt, der viel Metaphorik zu bieten hat. Hier zeigt die Band auch dass sie auch ruhige, weitestgehend akkustische Songs beherrschen. Zwar auch wieder mit (Wikinger)klischees, aber dennoch ein richtig gutes Stück!

Alles in allem ist „Ihr sollt brennen“ kein schlechtes Debüt. Es ist kein Überflieger, aber auch nicht schlecht. Die Band stellt hier ihr Repertoire vor und zeigt was sie kann und wer sie sind. Ich denke Ingrimm haben noch eine Menge ungenutztes Potential, das sie erst noch entfalten werden, Der Sound klingt teils noch ein wenig flach und die Mischung ist nicht immer perfekt, so dass der Sänger immer mal wieder von den Instrumenten übertönt zu werden droht, aber die Songs sind durchweg solide. Ein wenig mehr Abwechslung hätte vielleicht nicht geschadet, aber nobody is perfect und mit „Letzte Reise“ zeigt die Band, das sie vor allem textlich noch was auf dem Kasten haben und auch die folklore gut spielen können. Wer genug vom romantischen Spielmannfolk hat oder eine Alternative zu InEx und Subway sucht sollte Ingrimm im Auge behalten.

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