Das ist der Beweis: Hameln kann doch noch mehr, als kleine Brötchen in Form von Mäusen verkaufen oder Mäusefigürchen in der Fussgängerzone aufkleben. Aus dem verschnarchten Provinznest, das an sich nur für seine Rattenfängergeschichte berühmt ist, kommen Veagaz her. Die haben bereits 2003 ihr Debüt „Gold“ veröffentlicht, mit „New Suburban White Trash Soul Music“ nun der Nachfolger.
Wer schon mal in Hameln war, der wird die Grundstimmung dieser Platte bestens nachvollziehen können. In Hameln ist nix los. Da liegt der Hund bzw. die Ratte begraben. Vermutlich mitunter ein Grund, warum die drei Herren von Veagaz hier nicht gerade die Party-Musik aus den Saiten leiern. Die Songs haben alle eine melancholische Grundstimmung und bewegen sich im Bereich des Alternative, am ehesten vergleichbar mit Tiger Lou, The Bravery oder vielleicht sogar Tomte mit negativem Vorzeichen. Die Stimme des Sängers und Bassisten Tom Schindler errinnert an Edwyn Collins. In Zusammenspiel mit Jörg Stiller (Gitarre) und Sven Hesse (Schlagzeug) bildet das Trio eine ziemlich geniale Kombination aus intelligenter Musik, die mal Punk, mal Rock, mal Ballade ist.
Ein wenig Neil Young Stimmung kommt gerade im Song „Black Coffin“ auf. Etwas Tom Waits / Nick Cave bei „Nobody Knows This Is Nowhere“.
Das Album ist für die Fans der oben genannten Bands mit Sicherheit interessant und sollte zumindestens angetestet werden. Man braucht nicht immer einen Major-Deal und einen unglaublich teuren Support, um vernünftige Musik zu hören. Dies ist gute alte Drei-Komponenten-Musik und sogar vielleicht ein Ansporn dafür, was man mit drei Mann und drei Instrumenten alles auf die Beine stellen kann.
Veagaz ist, wie sie selber sagen, in keine richtige Schublade reinzustecken und dem Mainstream wird nebenbei der ausgetreckte Mittelfinger gezeigt. Revolution fängt nun mal ganz von unten an… oder in Hameln.
Autor: Eniz












